Frauen sind ein wichtiger Schlüssel, um den Fachkräftebedarf auf dem Arbeitsmarkt zu decken. Warum das so ist und wieso wir von der Lösung trotzdem noch weit entfernt sind, erklärt Andrea Hilger, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Aachen-Düren. Außerdem stellt sie ihr Jahresprogramm 2023 vor.
Frau Hilger, wie sieht die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt aus und was ist die größte Herausforderung für das Jahr 2023?
Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, stark steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie Materialengpässe und ein hoher Fachkräftebedarf haben Druck auf den Arbeitsmarkt ausgeübt. Dieser ist trotz der konjunkturellen Herausforderungen stabil geblieben. Dennoch sehen wir bei unterschiedlichen Werten, dass es Frauen auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben als Männer, insbesondere wenn sie in Teilzeit arbeiten oder arbeiten möchten. Beim weiter steigenden Fachkräftebedarf sind Frauen ein entscheidender Schlüssel, diesen zu bekämpfen.
Was können Frauen tun, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen?
Aufgrund des Fachkräftebedarfs und den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt ist die berufliche Qualifikation der entscheidende Faktor. Es gilt, je besser qualifiziert und umso zukunftsfähiger die Kompetenzen, desto besser sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb berate ich viele Frauen zu ihren Weiterbildungsmöglichkeiten, die es auch in Teilzeit oder zum Beispiel als hybride Angebote gibt. Zum Teil erhält man sogar einen Laptop inklusive schneller Internetverbindung von den Weiterbildungsanbietern, damit lange Wegstrecken und fehlende Mobilität überbrückt werden können. Ob eine kurze Qualifizierung oder ein Berufsabschluss, die Möglichkeiten sind so groß wie nie zuvor. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass die durchschnittliche Rente einer Frau im Jahr 2021 bei nur 800 Euro lag, ist es wichtig sich mit den eigenen beruflichen Perspektiven zu beschäftigen. Meine Aufgabe ist es dabei zu unterstützen und individuelle Lösungen zu finden. Eine Kundin von mir war zum Beispiel Beschäftigte im Einzelhandel, die nach der Elternzeit aufgrund der Betreuungszeiten ihrer Kinder keine Stelle gefunden hat. Sie konnte durch eine Teilzeitausbildung als Kauffrau für Büromanagement im sozialen Bereich einen neuen Einstieg ins Berufsleben finden und arbeitet heute als Fachkraft. Es sind sehr individuelle Lösungen möglich.
Gibt es aktuell Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und welche Branchen sind besonders zukunftsfähig?
Wir erleben auf dem Arbeitsmarkt Transformationsprozesse, die sich in fast allen Branchen auswirken werden. Aufgrund der Digitalisierung ist zum Beispiel die Tech-Branche zu nennen. Der Personalbedarf bezieht sich hier aber nicht nur auf IT-Nerds, viel mehr sind auch Quereinsteigerinnen dringend gesucht. Es gibt eine große Bandbreite an Tätigkeitsfeldern, für die man nicht immer einen Berufsabschluss im IT-Bereich benötigt. Gesucht werden Menschen mit Fähigkeiten für das Projektmanagement, die Kundenbetreuung und hoher Sozialkompetenz. Eine weitere Branche mit Zukunft ist das Gesundheits- und Sozialwesen und der pädagogische Bereich. Ob in der Kinderbetreuung, in der Pflege oder in der Tech-Branche – es gibt zahlreiche Chancen für interessierte Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, schnell und unkompliziert in eine krisensichere Beschäftigung zu kommen. Die Personalnot ist so groß, dass es niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten gibt. Durch kurze Weiterbildungen von 3 bis 6 Monaten bis hin zu Ausbildungen und Umschulungen mit einem anerkannten Berufsabschluss gibt es attraktive Lösungen für den Berufseinstieg.
Wie sieht Ihr Jahresprogramm aus? Was für Schwerpunkte gibt es?
Erfreulich ist, dass wir in diesem Jahr wieder vermehrt Veranstaltungen in Präsenz durchführen und es so wieder bessere Möglichkeiten gibt sich auszutauschen und zu vernetzen. Von klassischen Angeboten zum Wiedereinsteig nach Familien- und Pflegephasen wie zum Bespiel die Informationsveranstaltung „Eltern gesucht für den Arbeitsmarkt“ bis hin zu neuen Gruppen-Coaching-Formaten wie „Coaching to go für Frauen“ – einer Kreativwerkstatt mit Expertinnen und Experten, um neue Ideen für den beruflichen Weg zu finden – gibt es auch in diesem Jahr ein vielfältiges Angebot. Die Angebote richten sich dabei nicht nur an Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger, sondern auch an Menschen, die sich einen weiteren Karriereschritt wünschen, noch keinen Berufsabschluss haben oder eine Alternative zu einem Minijob suchen.
Die nächste „Coaching to go“-Veranstaltung findet am 18. April von 9 bis 12 Uhr statt. Weitere Informationen, Kontaktdaten und Veranstaltungen sind zu finden unter arbeitsagentur.de/vor-ort/aachen-dueren/bca.
Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, Andrea Hilger, ist telefonisch unter 0241 8971547 und per Mail an Aachen-Dueren.BCA@arbeitsagentur.de zu erreichen.
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