Was liebst du, was kannst du, wofür könntest du bezahlt werden und was braucht die Welt?
Die japanische Lebensphilosophie „Ikigai“ stellte diese Fragen, und Anna Agtas und Mona Steinhäußer, studierte Modedesignerinnen, die beide im Modebusiness tätig waren, haben sich genau mit diesen Fragen konfrontiert, um herauszufinden, wie sie einen Beitrag leisten können, um die Welt – in diesem Fall die Fashionwelt – ein Stück weit besser zu machen.
Herausgekommen ist IKIGO Studios, das Start-up für nachhaltige Mode im Kreislauf, das Mitte März 2021 mit seinem Webshop an den Start gegangen ist.
IKIGO Studios vertreibt Mode von regionalen und überregionalen nachhaltigen Modelabels, Designerinnen und Designern. Momentan wird mit LANA, neyo., Fabian Seibert for MLF und Berg & Kather kooperiert, deren Kollektionen entweder exklusiv oder auf Provisionsbasis vertrieben werden. Das Besondere daran: Kleider, Röcke, Hosen, Jacken, Mäntel oder Anzüge werden erst produziert, wenn eine Pre-order, also eine Vorbestellung, vorliegt. So soll eine Überproduktion vermieden werden.
Die Lieferzeiten für die exklusiven Einzelteile betragen zwischen vier Wochen und maximal sechs Monaten, erklärt Anna Agtas. Viel Zeit also, sich auf sein neues Kleidungsstück zu freuen. Agtas weiter: „Während der Wartezeit erhält die Kundin Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte ihres Produktes, um die Vorfreude zu steigern, aber auch, um ein neues Verständnis für den Wert eines Kleidungsstücks zu vermitteln. Dabei geht es nicht nur um einen Bewusstseinswandel, sondern vielmehr um den Beginn einer neuen Produkt-Konsumenten-Beziehung.“
Mehr als ein Onlineshop – Mode im Kreislauf
IKIGO möchte sich nicht als reinen Onlineshop verstanden wissen. Während der Pre-order-Phasen soll es in verschiedenen Städten – zunächst in Maastricht, Lüttich, Köln und Bonn – temporäre Kontakt-Pop-up-Shops geben, wo man die Mode anschauen und anprobieren kann. Als erster Schritt wurde dies bereits in Aachen umgesetzt, derzeit kann man IKIGO nach Terminanfrage bei Berg & Kather in der Lothringerstraße 23-25 besuchen.
Wenn die Kundin sich vor Ort oder im Netz für ein Stück entschieden hat, wird es bestellt und später produziert. Um zu vermeiden, dass es gerade bei Bestellungen über die Website zu viele Retouren gibt – ein großes Thema beim Onlineshopping – sind auf der Website Größentabellen zu den jeweiligen Produkten als Orientierungshilfe hinterlegt.
Zum Konzept gehören außerdem die vier nachhaltigen R: „Rent“, „Resale“, „Repair“ und „Recycling“. Wer einmal bei IKIGO gekauft hat, kann immer in Verbindung bleiben, denn das Start-up verspricht ein lebenslanges Rückgaberecht auf die Mode. Wer seine Jacke oder Hose irgendwann nicht mehr tragen möchte oder kann, kann sie also zurückschicken und bekommt je nach Zustand des Stücks einen Einkaufsgutschein im Wert von bis zu 30 % des vorherigen Verkaufspreises. Die zurückgegebene Ware wandert dann in den Verleih oder den Secondhandverkauf oder ins Recycling.
Bislang ist nur der Shop scharfgeschaltet. Wer Ware leihen oder gebraucht kaufen möchte, muss sich noch gedulden, denn dafür muss erst ein Grundstock an Produkten geschaffen werden. Nach der ersten Pre-order-Phase werden auch die Größensätze der Ausstellungsstücke sowie deadstock (Ladenhüter) der Labels in den Verleih- und den Secondhandbereich integriert.
Und es ist noch mehr geplant, denn Anna Agtas und Mona Steinhäußer haben erkannt, dass es auch im Bereich Innenstadtentwicklung in Aachen einen großen Handlungsbedarf gibt. Sie sehen großes Potential dafür, neue Begegnungsräume zu schaffen. Anna Agtas: „Unser Anliegen ist es, Menschen ein neues, nachhaltiges Konsumgefühl zu vermitteln, sinnbringende Freizeitangebote wie zum Beispiel Naturfärbeworkshops zu schaffen und Menschen aktiv zu integrieren! Dies wird aber erst in einer Post-Corona-Zeit möglich sein.“
Es geht Agtas und Steinhäußer also grundsätzlich darum ein neues, nachhaltiges Konsumverhalten zu ermöglichen, welches Überproduktion vermeidet, Textilabfälle von Beginn an in unternehmerisches Handeln integriert und Konsum trotzdem flexibel gestaltet.
Mit IKIGO Studios haben sich Anna Agtas und Mona Steinhäußer die Arbeit geschaffen, für die es sich nach der Ikigai-Lehre lohnt aufzustehen. Ob die Konsumenten den Gedanken mittragen, muss die Zeit zeigen.
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