Ende März hat Dr. Brit Steinau in einem Gastbeitrag Empfehlungen für Familien in der Coronakrise gegeben. Nach einem Monat haben wir nachgefragt, wie sich die Situation entwickelt und was bei der Maskenpflicht aktuell zu beachten ist.
Auch in NRW kommt ab dem 27. April die Maskenpflicht, was müssen Eltern dabei beachten? Ab welchem Alter machen Masken für Kinder Sinn?
Ab einem Alter von 6 Jahren kann man davon ausgehen, dass Kinder eine Maske „zuverlässig“ tragen können.
Unter einem Alter von 2 Jahren ist nicht an eine Maske zu denken. Ab 2 Jahren sehe ich es auch kritisch an, da Kinder den Nutzen und die Notwendigkeit nicht verstehen können. Der Mundschutz wird in sehr jungen Jahren sicher nicht toleriert und eher als Spielzeug angesehen. Eltern sollen dem Kind gegenüber verbalisieren und erklären, dass der Mundschutz vor Krankheiten schützt.
Manche Kleinkinder reagieren schon irritiert, wenn die Eltern eine Sonnenbrille tragen. Wie erkläre ich meinem (kleinen) Kind, dass ich eine Maske trage?
Bei kleineren Kindern kann man spielerisch den Mundschutz erklären. Die Kinder wissen dann, dass die „Eltern hinter dem Schutz“ sind. Dabei muss natürlich darauf hingewiesen werden, dass dieser „Spielschutz“ nicht mehr die hygienischen Anforderungen erfüllt. Diese sind bei quarks ja gut aufgelistet (quarks.de/gesellschaft/wissenschaft/was-man-ueber-schutzmasken-in-zeiten-von-corona-wissen-muss/).
Auch für Kinder gelten die Anwendungshinweise und man sollte versuchen, diese den älteren Kindern zu erklären und mit ihnen zu üben. Bei selbsthergestelltem Mundschutz muss unbedingt darauf geachtet werden, dass Mund und Nase gut geschützt sind und der Mundschutz dem Gesicht gut ansitzt. Auch dazu sind im Netz vielfältige Hinweise.
Wie kommen die Familien nach mehreren Wochen Lockdown zurecht? Erleben Sie Veränderungen?
Der Lockdown wird für die Familien schwierig.
Die Akzeptanz schwindet und es wird die Sinnhaftigkeit hinterfragt. Zumal es ja ein Hin und Her in den Medien gibt. Der eine Virologe sagt, alles übertrieben. Der andere mahnt zur absoluten Vorsicht. Mundschutzverordnungen werden sehr unterschiedlich gehandhabt.
In Abhängigkeit von Wohnraumbedingungen und Existenzfragen unterscheidet sich auch die Wahrnehmung der Situation. Familien mit ausreichend Wohnraum, einer Grünfläche können mit der Situation besser umgehen als jene, die beengt wohnen.
Ich sehe sehr belastete Familien, habe depressive Patienten, die unter der Situation sehr leiden und bei bisher sehr erfolgreicher Therapie Rückschritte machen. Therapieempfehlungen, die installiert worden sind, können nicht umgesetzt werden, da eine Kontaktsperre da ist und Freizeitaktivitäten nicht ausgeführt werden können.
Ich habe aber auch Familien, die durchaus die Entschleunigung des Alltags (keine Nachmittagstermine der Kinder) sehr genießen und schätzen. Die kreativ sind und viele Ideen umsetzen: gärtnern, kochen, backen, lesen, Gesellschaftsspiele spielen und und und. Den Menschen fehlt der Alltag und dabei vor allem die Sozialkontakte.
In einer Waagschale von Nutzen und Risiko scheint das Risiko einer psychischen Belastung zu wachsen.
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