Modelle der Akropolis bis Mitte Dezember 2023 in Aachen zu sehen

Es ist eine kleine Ausstellung, die immer nur nach Anmeldung von wenigen Menschen auf einmal besucht werden kann. Dennoch haben wir diesem Geheimtipp wieder zwei Seiten in der Printausgabe gewidmet und stellen die Ausstellung auch online vor. Wer gerne Burgen baut und sich für historische Darstellungen interessiert, dem seien die Modelle der Umwandlung der Akropolis in eine fränkische Burganlage der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e. V. ans Herz gelegt.

Was gibt es zu sehen? Eine Momentaufnahme

Der Umbau der Akropolis ist harte Arbeit. Auf Rückentragen schleppen Männer Steinblöcke nach oben. Ganz oben auf der Mauer streiten zwei Arbeiter. Der Bauherr hält seinem Mitstreiter eine Standpauke. Dieser hat wohl etwas falsch gemacht.
Die im Modell umgesetzte Momentaufnahme zeigt die Akropolis in Athen und stellt den Zustand zur Kreuzfahrerzeit vom 12. bis 14. Jahrhundert mit einer byzantinischen Kathedrale innerhalb des Parthenontempels dar – eine fränkische Burganlage entsteht.
Die Geschichte der Akropolis über die Jahrhunderte ist wechselhaft, je nachdem wer sie gerade erobert hatte, war sie Festung, Tempel der Verehrung der Göttin Athene, unter der Frankenherrschaft dienten die Propyläen als Palast der Herzöge von Athen, nach der Eroberung durch die Osmanen 1456 wurde der Parthenon zur Moschee umfunktioniert und ein Minarett angebaut. Als Griechenland 1830 unabhängig wurde, wurde der Tempelberg zur archäologischen Stätte erklärt und alle Bauten, die nicht aus der Antike stammten, wurden entfernt. Das Modell zeigt also nur einen ganz kleinen Einblick in die wechselhafte Geschichte.
An diesem Tag verschließen Arbeiter der Mauer zwischen den Säulen, Bombardiere putzen ihre Kanonen (Bombarden), auf dem Markt herrscht buntes Treiben, Tiere werden geschlachtet und schmoren über dem Grill, Schmiede arbeiten mit dem Amboss.

Wie wurden die Modelle gebaut?

Seit dem Frühjahr haben der Architekt Dipl.-Ing. Bernhard Siepen und sein Sohn Michael sich mit dem Bau der Anlage beschäftigt. Nachdem das vorige Modell von Altcairo im 15. Jahrhundert abgebaut war, war zunächst die Umsetzung des Aachener Doms geplant (wir hatten im Frühjahr berichtet). Als sich dieses Vorhaben jedoch zerschlug, wollte man nicht lange hadern, sondern setzte direkt eine Recherchetour nach Athen an, um die Akropolis, UNESCO-Weltkulturerbe seit 1987, und das entsprechende Museum genauer unter die Lupe zu nehmen. Kleiner Tipp am Rande: Laut Siepens tummeln sich ganze Touristenströme rund um die Akropolis und ein Besuch ist nur morgens zu empfehlen. Toll sei das 2009 eröffnete Akropolismuseum.
Jedenfalls stand nach dem Besuch fest: Als Nächstes soll die Akropolis in Szene gesetzt werden. Pläne wurden studiert und gezeichnet und es wurde zunächst ein Modell im Maßstab 1 : 250 entworfen. Über 30 solche Modelle haben die Siepens im Laufe der Jahre gebaut, früher noch im großen Team der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e. V., heute nur noch zu zweit.

Das Übersichtsmodell aus Holz steht auf einem „Berg“ aus Styrodur. Damit es wie Gestein aussieht, wird das Styrodur mit einem Lötkolben angeschmolzen. Sogar unterirdische Höhlen befinden sich im Modell, wenn auch unsichtbar für Betrachter.
Nachdem das Übersichtsmodell fertig war, begann Michael Siepen mit dem Bau des zwei mal zwei Meter großen Ausschnittmodells (Maßstab 1 : 25) der Propyläen, das er im Umbauzustand zeigt.
Rund 20.000 Buchenholzelemente hat er in neun Wochen im Modell verbaut, teils mit doppelseitigem Klebeband verklebt. Dabei muss an alles haarklein gedacht werden, damit es millimetergenau passt. Fehler können sich zum Beispiel ergeben, wenn die Stärke des Klebebandes nicht genau mit einbezogen wird und Bauteile dann nicht zusammenpassen, erläutert Schreiner Michael Siepen. Nur einmal wird dieses Modell genau so zu sehen sein. Wenn es im Dezember oder Januar abgebaut wird, werden die einzelnen Holzstückchen wieder vom Kleber gereinigt und in Kisten sortiert, bevor sie dann für das nächste Modell verwendet werden können.
Acht Großmodelle wurden schon umgesetzt. Große Erfolge hat man gefeiert, als einige der Modelle für eine Ausstellung in die USA verschifft wurden, ein andermal wurden sie im Landesmuseum Bonn gezeigt.

Die Holzmodelle von Michael Siepen sind extrem ausgefeilt, das merkt man besonders, wenn man ihm zuhört und sich Details zeigen lässt. Da wird verschiedenfarbiges Holz verwendet, um unterschiedliche Epochen des Baus zu verdeutlichen, runde „Holzstämme“ sind eingearbeitet, verschiedenste Schießscharten nachempfunden, kleinteilige Fenster lagern in Kisten und warten auf die nächste Verwendung.

Foto: Birgit Franchy

Vater Bernhard Siepen tobt sich besonders bei den Modellfiguren aus. Sie werden mit Hilfe von Wärme in Form gebracht, bemalt, „bekleidet“ und mit kleinsten Accessoires ausgestattet. Die Miniwaffen „schmiedet“ Siepen teilweise selber. Aus Modelliermasse werden Brote und andere Speisen geformt. Für den Bergfried der großen Burg wurden alte Bettlaken aus dem Familienbestand verwendet und mittels Sprühfarbe zur Wiese umfunktioniert. Besonderen Spaß hat Bernhard Siepen daran, kleine Scherze wie die streitenden Arbeiter einzubauen. Wer kann sie auf der Anlage entdecken? Und ein Rätsel hat er auch noch eingebracht. Was stimmt bei der Schlachtung der Tiere nicht? Das soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden.

Die Modelle der Akropolis sind bis mindestens zum 15. Dezember zu sehen.
Zur Besichtigung muss ein Termin vereinbart werden.

Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e. V.
Grindelweg 4, 52076 Aachen, 0241 604500
burgenkunde.de

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