Modellbau vom Feinsten – 350 Figürchen tummeln sich auf der Wehrkathedrale von Ávila

Sie haben es schon wieder getan! Die Siepens und ihre Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e. V. haben ein Großmodell gebaut. Ihr größtes bislang. Die Wehrkathedrale von Ávila, UNESCO-Weltkulturstätte, kann als Modell im Maßstab 1:25 auf acht Quadratmetern bis Ende Februar besichtigt werden.

Hier gibt es „nur“ etwas zu gucken. Keine digitalen Einspielungen, keine Mitmachstationen. Wer das neueste Werk der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e. V. bestaunen möchte, betritt ein Privathaus und folgt dem Architekten Dipl.-Ing. Bernhard Siepen und seinem Sohn Michael, seines Zeichens Schreiner, in den Keller.
Fast raumfüllend steht sie dort: die Kathedrale von Ávila. Sie wird gerade gebaut. Arbeiter schleppen Steine, ein hölzerner Baukran hievt schwere Lasten nach oben. Betrieben wird er mit Manpower. Arbeiter laufen in einer Art Hamsterrad und ziehen so die besonders schweren Stücke nach oben! Wer hätte das gedacht?

An anderer Stelle treffen Mönche aufeinander, huldigen der heiligen Teresa, Pilger sind rund um die Kathedrale in Scharen unterwegs. Krankenschwestern versorgen Erschöpfte, Mütter tragen Kinder. In der Gastronomie wird unter freiem Himmel gebrutzelt und gebraten, Spanferkel garen auf dem Spieß, Backwaren backen im Ofen. Auf dem Markt bieten Kaufleute Waren feil. Neben Obst und Gemüse gibt es Bücher und Textilien, Pilgermäntel und Reliquien wie Kreuze und Bibeln. Man wird beim Betrachten förmlich in die Geschichten hineingesogen.

Es ist das neunte Großmodell im Maßstab 1:25, das die Siepens umgesetzt haben, zudem sind im Laufe der Jahre 32 Übersichtsmodelle im Maßstab 1:250 entstanden. Ein solches steht auch von der Kathedrale von Ávila neben dem Großmodell, damit man sich die Anlage im Ganzen vorstellen kann. Sie steht heute noch so in Spanien. 2016 waren Siepens vor Ort und wussten sofort: Die müssen wir nachbauen!

Dies ist tatsächlich das aufwendigste Projekt geworden und beim Modellbau ist man – anders als die Arbeiter früher – nicht ohne modernste Technik ausgekommen. Der drehbare Tretradkran sowie die unglaublich filigranen Kathedralenfenster wurden von Dr. Ulrich Alertz digital erfasst und bearbeitet. Die Fenster wurden schließlich im Lasercutverfahren erstellt. Aber auch hier hatte Michael Siepen seine Finger im Spiel. Er verbaute nicht nur 23.000 Buchenholzsteine und verklebte sie mit doppelseitigem Klebeband, sondern bemalte auch Rosettenfenster mit kleinsten Figürchen. Bernhard Siepens Part bestand darin, 350 Figuren umzuformen, anzuziehen und zu bemalen. Ein Figürchen nimmt dabei etwa eineinhalb Stunden in Anspruch.

Von Juni bis Oktober bauten Vater und Sohn acht Stunden pro Tag an den Modellen, die nun wieder bis Februar zu sehen sind. Dann wird zwei Monate abgebaut, bevor man sich auf die Arbeit am nächsten Modell stürzen wird.

Wer sich das Prachtwerk anschauen möchte, vielleicht um sich Anregungen für die nächste Lego- oder Bauklotzburg zu holen, macht einfach einen Termin aus. Aufmerksame Besucher können dann auch einen ganz besonderen Gast auf der Burganlage entdecken. Wer mag da wohl vorbeigeschaut haben?

Die Modelle der Wehrkathedrale von Ávila sind bis mindestens Ende Februar 2025 zu sehen. Zur Besichtigung muss ein Termin vereinbart werden.

Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e. V.
Grindelweg 4, 52076 Aachen
0241 604500
burgenkunde.de

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