Auslandsjahr: Mein Projekt als Freiwilliger

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Vor bereits eineinhalb Jahren stand für mich fest, dass ich einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst machen möchte. Mich faszinierte der Gedanke, ein Land kennenzulernen, von dem ich vorher nicht mehr als den Namen kannte und dessen kulturelle Gewohnheiten sich bestimmt in vielerlei Hinsicht von denen zu Hause unterscheiden würden. Es gibt eine riesige Auswahl an Einsatzstellen in vielen Ländern rund um den Globus. Für mich stand von vorneherein das Projekt im Fokus, und so traf ich meine Wahl. Ich entschied mich für das Projekt im Lokalradio VGK in Togo. Von meiner Arbeit dort möchte ich heute berichten.

Die Radiostation befindet sich in Kpalimé, der Stadt, in der ich während meines Freiwilligendienstes wohne. Der Vorgänger „Peace“ des Radios VGK wurde 2000 von einem Journalisten gegründet. Kpalimé und Umgebung waren insbesondere zu dieser Zeit sehr ländlich geprägt und zur Zeit der Gründung stand die Wissensvermittlung im Bereich der Landwirtschaft im Vordergrund.


Das Radio Peace war das einzige Radio im Umkreis und für die Bewohner der Präfektur Grand Kloto eine der wichtigsten Informationsquellen, da es zu sonstigen Medien keinen einfachen Zugang gab. Heutzutage ist die Informationsbeschaffung über das Internet und soziale Medien einfacher geworden. Das Radio als Informationsquelle spielt jedoch weiterhin eine große Rolle. Mit der Zeit wurde Kpalimé städtischer, und auch das 2010 gegründete Radio VGK wuchs. VGK ist die Abkürzung von „Voix du Grand Kloto“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Stimme des Grand Kloto“.

Das Radio VGK hat sich zur Aufgabe gemacht, besonders über regionale Themen, die die Bevölkerung des Grand Kloto direkt betreffen, zu berichten und Probleme aufzudecken. Dreimal täglich werden regionale Nachrichten in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Politik und Sport ausgestrahlt. Darüber hinaus werden für unterschiedliche Sendungen Journalisten, Politiker und Geistliche in das Studio eingeladen, um über aktuelle politische Themen, Glaube oder Sport zu diskutieren. So debattieren z. B. Geistliche des Islam oder des Christentums mit Priestern traditioneller Religionen. Da vielen Togolesen und Togolesinnen der Glaube sehr wichtig ist und sie sehr stark auf die Hilfe ihres Gottes vertrauen, sind besonders diese religiösen Fragestellungen für viele von großer Bedeutung.

Den Radiohörern wird in anderen Sendungen die Möglichkeit gegeben, live auf Sendung anzurufen, um ein soziales oder politisches Problem zu schildern oder über eine vom Moderator vorgegebene Fragestellung zu diskutieren. Außerdem wird in der täglichen Sendezeit von 5 bis 22 Uhr Musik aus unterschiedlichen Genres (von Gospel über Afropop bis hin zu Charts) gespielt, um jede Altersgruppe zu erreichen. Neben fünf Festangestellten arbeiten Auszubildende, Praktikanten und internationale Freiwillige in einem freundschaftlichen Arbeitsklima zusammen.
Ich arbeite an zwei Tagen der Woche in der Redaktion und drei Tage in der Technik. In der Redaktion bereite ich gemeinsam mit meinen Kollegen die Mittagsnachrichten vor. Dafür gehe ich in Kpalimé auf die Suche nach einem Thema, das die Bevölkerung beschäftigt, und mache Interviews mit Betroffenen und Verantwortlichen. Auf dieser Basis schreibe ich für das Thema eine Einleitung, die ich im Radio vorlese, und spiele dann die zugeschnittenen Interviews ab. Das Spannende an dieser Tätigkeit ist, dass ich mit sehr vielen Leuten in Kontakt komme und ein Gespür für die Sorgen und Probleme der Menschen vor Ort bekomme. In der Technik kümmere ich mich gemeinsam mit meinen Kollegen um den reibungslosen Ablauf des Programms. Dazu gehört, Musik zu programmieren, die Mikrofone zu steuern und technische Probleme zu lösen.

Mir macht mein Projekt viel Spaß, da ich viel Verantwortung übernehmen darf und alle Tätigkeiten ausübe, die ich mir zutraue. Dabei stand ich vor allem am Anfang vor vielen Herausforderungen, da ich weder Vorerfahrungen in der journalistischen noch in der technischen Arbeit im Radio hatte. Außerdem ist mein Französisch zwar mündlich solide und ich kann mich gut verständigen, allerdings übe ich noch an einer wohlformulierten, journalistischen Sprache.

Neben meinem Job im Radio nehmen besonders auch alltägliche Arbeiten in meiner Unterkunft, wie das Waschen mit der Hand und regelmäßiges Putzen, viel Zeit in Anspruch. Vor allem in der Trockenzeit, in der auf den unbefestigten Straßen feiner Staub aufgewirbelt wird, ist mein Besen ein wichtiger Begleiter. Darüber hinaus wird meine Unterstützung regelmäßig im Waisenhaus benötigt. Bei all diesen Tätigkeiten vergeht die Zeit wie im Flug.

Bis zum nächsten Mal
Euer Franz



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