Luisenhospital Aachen jetzt mit Hebammenkreißsaal

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Der Hebammenberuf ist so alt wie die Menschheit, doch die Geburtshilfe entwickelt sich immer noch weiter. Das Luisenhospital legt Wert darauf, Frauen die Wahl zu lassen. Will ich eine natürliche Geburt oder maximale Intervention bei Schmerzen? Hier geht alles – und zwar ohne Raumwechsel. Bettina Peukert, Adele Weise und Chiara Kloubert haben kurz vor der Eröffnung das neue Konzept vorgestellt.

„Junge Frauen stehen heute ganz schön unter Druck“, beobachtet Adele Weise. Durch Social-Media-Plattformen wie Instagram werden Erwartungen hochgeschraubt, wie eine Geburt abzulaufen habe. Soll ich nun ganz natürlich und ohne jegliche Intervention mein Baby zur Welt bringen oder will ich mir alle Möglichkeiten offenhalten?

Die Geburtshilfe im Luisenhospital will es werdenden Müttern so leicht wie möglich machen und den Druck so wenig wie möglich verstärken. Vor zwei Jahren habe man deshalb begonnen, über den hebammengeführten Kreißsaal zu diskutieren, erzählt Bettina Peukert. Sie betreut das Projekt federführend. Als vor einem Jahr die Zusage des Landes kam, die Einrichtung des hebammengeführten Kreißsaals zu unterstützen, ging es los. Das Besondere im Luisenhospital: Alle vier Kreißsäle können als Hebammenkreißsaal genutzt werden und alle 20 Hebammen haben die Fortbildungen besucht. Das heißt, alle Hebammen können eine Geburt gänzlich ohne ärztliche Mitwirkung begleiten. Selbst Dammnähte können von den Hebammen durchgeführt werden, wenn alles gut gelaufen ist.
Dabei geht es nicht darum, Ärztinnen und Ärzte einzusparen – im Gegenteil, die Zusammenarbeit gehe jetzt noch mehr Hand in Hand. Eine Assistenzärztin und eine Oberärztin seien immer im Hause anwesend und können bei Bedarf zur Geburt hinzugezogen werden, auch wenn diese zunächst ohne ärztliche Intervention geplant war.

In der Geburtshilfe im Luisenhospital ist man seit 50 Jahren gewohnt, Hebammen viel Raum zu geben. Zunächst arbeitete man mit einer Hebammenschule, jetzt mit Hebammenstudentinnen zusammen. Die Entscheidung, alle Kreißsäle zum potentiellen Hebammenkreißsaal zu machen, hat einen einfachen Grund. Einen „Zweiklassenkreißsaal“ wollte man vermeiden. Jetzt sind alle Zimmer „aufgehübscht“ worden. Die werdenden Eltern können es sich im schönen, hellen Zimmer gemütlich machen, sich einleben, Getränke und Musikbox aufstellen, ganz wie es gefällt. Sollte während der Geburt vom Plan der natürlichen Geburt abgerückt werden, ist ein Umzug nicht notwendig.

Wer sich für die natürliche Geburt im Hebammenkreißsaal entscheidet, hat ab der 20. Schwangerschaftswoche die Möglichkeit, Team und Räume kennenzulernen. Im Idealfall war man vor der Geburt dann schon dreimal da und hat ein persönliches Verhältnis entwickelt. Das soll dem Gefühl „Hilfe, ich komme ins Krankenhaus“ und Angst vor der Geburt entgegenwirken.

„Werdende Mütter haben immer neue Fragen“, weiß Chiara Kloubert. Deshalb fühlen sie sich wohler und besser betreut, wenn sie diese im Vorfeld der Geburt loswerden können. Akupunktursprechstunde und Stillvorträge stehen den Frauen auch schon vor der Geburt offen. Mit dem erweiterten Angebot reagiert das Luisenhospital auf den Wegfall des Geburtshauses Ende 2023. „Wir können dadurch ein wenig die Lücke füllen und Wahlmöglichkeiten schaffen“, so Bettina Peukert.

Foto: Birgit Franchy

Für wen kommt eine natürlich Geburt im Hebammenkreißsaal in Frage?

Das Angebot soll werdende Mütter bzw. Paare ansprechen, die sich eine natürliche, selbstbestimmte Geburt wünschen. Das heißt, es wird auf medizinische Maßnahmen wie intravenösen Zugang, starke Schmerzmittel, PDA, Ultraschall und Dauer-CTG verzichtet. Dazu muss die Einlingsschwangerschaft problemlos verlaufen und mindestens 37 Wochen andauern.
„Kommt eine werdende Mutter ins Krankenhaus, lassen die Wehen vor Aufregung oft zunächst nach“, gibt Bettina Peukert ein Beispiel aus dem Bereich der natürlichen Geburt. Dann wird im Hebammenkreißsaal nicht zum Wehentropf gegriffen, sondern die Frau bekommt Zeit und es heißt vielleicht: „Wir stehen auf und machen Übungen, um die Geburt wieder in Gang zu bringen.“
Dass eine natürliche Geburt nicht für jede etwas ist, wissen die Hebammen. „Genauso viele Mütter sagen: „Ich will alles an Schmerzmitteln und zackig in den OP“, weiß Bettina Peukert. Und auch das sei völlig in Ordnung, wichtig sei eben, Frauen Wahlmöglichkeiten zu lassen. Wer unter den Eindrücken der Geburt seine Meinung ändert, wird hier ebenfalls unterstützt. Und zwar bei jeder Hebamme und in jedem Kreißsaal. „Alles ist unter der Geburt okay“, betont Bettina Peukert nochmals.
„Hebamme ist ein Bindungsberuf. Man muss in kurzer Zeit eine enge Bindung aufbauen. Die Frau muss sich wohlfühlen, der Hebamme vertrauen. Dann kann sie sich öffnen.“

Der (Hebammen-)Kreißsaal kann immer montags um 19:00 Uhr ohne Anmeldung besichtigt werden. Zusätzlich können persönliche Termine für Interessierte über den Kreißsaal unter 0241 414-2403 vereinbart werden.

luisenhospital.de/luisenhospital-aachen/kliniken/geburtshilfe

Der Beitrag ist in der KingKalli-Ausgabe April/Mai 2025 erschienen.

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