Die Kassen sind leer, auch in der StädteRegion Aachen. Am 15. Oktober 2026 wurde in den Parkterrassen Aachen bei der Sitzung des Städteregionstags der Entwurf für den Doppelhaushalt 2027 und 2028 vorgestellt. Weil Millionen fehlen, drohen Kürzungen in vielen Bereichen. Im Park vor dem Tagungsraum demonstrierten 15 Sozialverbände für Planungssicherheit und gegen Kürzungen.

„Was bin ich euch wert?“ – unter diesem Motto hatte der Paritätische NRW, Kreisgruppe StädteRegion Aachen, zur Demo aufgerufen. 15 Sozialverbände vom Kinderschutzbund bis zur Lebenshilfe folgten dem Aufruf. Rund 450 Menschen fanden sich vor den Parkterrassen ein.
In zahlreichen Redebeiträgen wurde auf den Wert sozialer Arbeit hingewiesen. Dabei ging es um die Frage: Welchen Stellenwert haben die Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, wenn die kommunalen Mittel knapp werden? 15 soziale Träger der Pari-AG Aachen fordern stellvertretend für sie eine klare Antwort.
In den meisten Fällen sei noch nicht beschlossen, welche Institution von welchen Einsparungen betroffen sein werde, erklärt Lea Maria Scholtes, Geschäftsführerin der Kreisgruppe, auf Anfrage von KingKalli. Der Haushaltsbeschluss komme erst Ende Dezember, die Kürzungen träten ab dem 1. Januar in Kraft. Planungssicherheit gebe es so nicht, erläutert sie. Die Protestaktion solle deshalb aufrütteln und auf die Existenzängste der Institutionen und der von ihnen betreuten Menschen aufmerksam machen.
Wir haben ein paar Stimmen gesammelt.
Die Beratungsstelle Aachen von pro familia NRW e. V. weist auf ihre wichtige Arbeit hin. Da sei die 16-Jährige, die ungewollt schwanger wurde, die Alleinerziehende, die ihre Arbeit verloren hat, oder das Paar in der kräftezehrenden Kinderwunschbehandlung. 1.500 Menschen wurden im letzten Jahr beraten. Die Finanzierung komme zu 80 % vom Land NRW, zu 20 % aus den Kommunen. Die Bitte lautet, diese Summe nicht zu reduzieren.
Frauen helfen Frauen e. V. betont, dass die Arbeit des Vereins eine notwendige Versorgung für Frauen in Krisensituationen sei. Man müsse in Fällen, in denen Frauen von Gewalt und Bedrohung betroffen seien, eigentlich sofort helfen, statt sie zu vertrösten. Schon jetzt seien die Wartelisten zu lang. Weitere Kürzungen würden gegen Menschenrechte verstoßen.
Auch Rückhalt e. V. setzt sich mit einer halben Stelle für von sexueller Gewalt betroffene Menschen ein. Bei Kürzungen könne die Stelle nicht mehr besetzt werden. Der Appell lautet hier, sich gegen den Raubbau an Klienten einzusetzen.
Spontan meldet sich eine Jugendliche zu Wort. Sie berichtet von ihrem Leben in einer Intensivwohngruppe. Die Jugendlichen dort brauchten viel Hilfe bei der Bewältigung des Alltags. Schon jetzt gebe es zu wenig Betreuer. Die junge Frau fordert, auf Kürzungen zu verzichten und mehr Geld in diesen Bereich zu investieren.
Ein Schüler des Schulstreikkomitees nutzt ebenfalls die Gelegenheit, spontan das Mikro zu ergreifen. Schon jetzt bemerke man den Sozialabbau, stellt er fest und erzählt von Schimmel in Schulen und abblätterndem Putz. Die junge Generation leide am meisten. Man erwarte, dass sie später alles finanziere, stecke dann aber noch das Geld in Aufrüstung und spreche von Krieg. „Wir müssen uns einsetzen“, sind seine Schlussworte.
Eine Dame im Rollstuhl macht auf die wertvolle Arbeit von ALI e. V., den Aachener Laienhelfern, aufmerksam. „Prävention sollte immer vorgehen, sonst kommen die Kosten zurück!“, gibt sie zu bedenken und appelliert an die Anwesenden: „Haltet zusammen! Helft euren Nachbarn! Jeder wie er kann!“
Sehr emotional ist der spontane Beitrag einer 20-jährigen Transperson. Sie erzählt, dass sie aus ihrer Familie genommen werden musste, aufgrund vieler Traumatisierungen auf viel Hilfe angewiesen sei und in einer Behindertenwerkstatt arbeiten müsse. „Wenn ihr die Gelder kürzt, gebt ihr mein Leben auf.“

Zwischen den rund 20 Redebeiträgen spielt die inklusive Musikgruppe NeonGrau52.
Im Anschluss skandieren die rund 450 Menschen im Sprechchor: „Soziale Arbeit, die braucht Geld, weil sie die Gesellschaft zusammenhält.“
Währenddessen hat in den Parkterrassen die Sitzung des Städteregionstags begonnen. Kämmerer Thomas Claßen zeigt sich ernsthaft besorgt über die Lage. Ja, man würde immer klagen, räumt er ein, doch es sei noch nie so schlimm gewesen wie heute.
Tim Grüttemeier ist sich der schwierigen Lage bewusst. Es sei eigentlich an der Zeit, die StädteRegion weiterzuentwickeln. „Ist es da der richtige Zeitpunkt, über Kürzungen zu reden?“, fragt er. Eine Idee für Einsparungen sei, die Jugendämter zusammenzulegen. Derzeit gebe es sieben in der StädteRegion, diese könnten zu zweien gebündelt werden.
Bis der Haushaltsbeschluss Ende Dezember kommt, werden die Vereine und Institutionen keine Gewissheit haben.



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