Entspannen im Kurpark, Spiel und Sport im Ferberpark, bei Regen in die Südhalle und Frühstücken in einem der vielen Cafés in der Fußgängerzone – Burtscheid ist bei Familien angesagt. Sogar bei den weiterführenden Schulen hat man hier die Qual der Wahl. Wir haben uns den Stadtteil angeschaut, haben an einer Führung teilgenommen und die Euro Jugend besucht. Übrigens: im Mai stehen einige Termine an – vom beliebten Kindersachenflohmarkt bis zum Weinfest.
Allgemeines und Historisches

Burtscheid war über einen langen Zeitraum eine unabhängige Stadt, erst seit der Eingemeindung 1897 gehört der Ort zu Aachen. Doch auch heute ist die Burtscheider Lokalidentität stark ausgeprägt, der Burtscheider sieht sich vorrangig als Burtscheider. Im 19. Jahrhundert rückten die zwei Städte durch den Rheinischen Bahnhof, heute Aachener Hauptbahnhof, der zwischen Burtscheid und Aachen liegt, immer näher zusammen. Mit der Eingemeindung Burtscheids wuchs Aachen von ungefähr 110.000 auf 126.000 Einwohner (heute 259.000) und flächenmäßig um 856 Hektar auf 3.912 Hektar. Hatte Burtscheid damals noch eigene Anlaufstellen für Verwaltungsangelegenheiten, wurde es 1972 nach der Eingemeindung der sieben „neuen“ Stadtbezirke durch das Aachen-Gesetz ein Teil des Bezirks Aachen-Mitte. Da es heute kein eigener Stadtbezirk mehr ist und die Grenzen zur Innenstadt verschwimmen, wollen wir für unsere Tour durch den Stadtteil das Gebiet etwas eingrenzen. Das gesamte Gebiet Burtscheid vor der Eingemeindung ging bis über die Burg Frankenberg hinaus, umfasst die heutigen Sozialräume Burtscheid, Steinebrück, Beverau, Zollernstraße/Dammstraße, Bismarckstraße und Oppenhoffallee und hat derzeit über 30.000 Einwohner. Die meisten Aachener würden heute das Frankenberger Viertel kaum noch zu Burtscheid zählen, für sie beginnt Burtscheid hinter dem Viadukt in der Kurbrunnenstraße. Wir werden uns für diese Tour vor allem auf das Zentrum rund um Burtscheids Fußgängerzone konzentrieren.
Hinter dem Viadukt
In der Kurbrunnenstraße liegt die Rehaklinik Vialife Rosenquelle. Sie zeigt direkt, was Burtscheid seit jeher prägt. Burtscheid ist aufgrund der wohltuenden Wirkung der heißen Thermalquellen ein Kurort für Menschen mit diversen Leiden. Während früher 15 Bäder im kleinen Ort angesiedelt waren und sogar ein kostenloses Armenbad den weniger Betuchten zur Verfügung stand, gibt es heute nur noch zwei Badeeinrichtungen, die auf Burtscheids Geschichte als Kurort hinweisen: die Klinik an der Rosenquelle und das Schwertbad. Da das Thermalwasser einen integralen Bestandteil der Kulturidentität darstellt, gibt es gerade Bestrebungen, dieses wieder sichtbar und sogar öffentlich zugänglich zu machen (siehe unten Infos Pop-up-Thermalbadebrunnen).
Am Kurpark Entspannung finden

Der liebevoll gestaltete Kurpark zwischen Dammstraße und Michaelsbergstraße schmiegt sich perfekt in die Szenerie, die den Blick auf Burtscheid öffnet und den Charme eines ruhigen Kurorts vermittelt. Mit dem Einzug des Frühlings fangen die hübsch gestalteten Blumenstreifen überall im Kurpark und in der Dammstraße an zu blühen. Am kleinen Wasserbecken mit Springbrunnen lassen sich die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres genießen, während der Blick über den Kurpark schweift oder auf die beiden Kirchen im Blickfeld, St. Michael und St. Johann Baptist, fällt. Das Wasser ist lauwarm, geschuldet den Thermalquellen der Rosenquelle, die sich direkt hier befindet. Neben dem Wasserbecken steht das Denkmal Rosenquelle, welches die inzwischen fast nicht mehr sichtbaren Thermalquellen Burtscheids der Öffentlichkeit zeigen soll. An diesem Denkmal kann man auf durch das Thermalwasser erwärmten Steinbänken sitzen und das heiße Wasser mit den Händen erfühlen. Was hat der Teufel mit der Namensgebung des Schwertbads zu tun und wie sah der Alltag der Badegäste in Burtscheid früher aus? Durch das Drücken von kleinen Knöpfen an der Wand können dazu Geschichten angehört werden. Ein kurzes Verweilen lohnt sich.
Wie der Name nahelegt, ist der Kurpark allerdings eher für einen ruhigen Besuch und zur Entspannung gedacht. Da Ballspielen offiziell nicht gestattet ist, bietet sich für einen Aktiv-ausflug der Ferberpark ganz in der Nähe an.
Von der Dammstraße in Burtscheids Fußgängerzone – ein Frühstückshotspot
Die Dammstraße – der Name stammt von dem Damm, der früher das warme Thermalwasser vom kalten Wasser der Wurm trennte – führt am Kurpark vorbei in Richtung Burtscheider Fußgängerzone. In der Straße sind einige Geschäfte sowie Restaurants angesiedelt. Ein paar Meter hinter dem Café M (Tipp: Im Frühjahr kann man sich einen Picknickkorb zusammenstellen lassen) befindet sich in der Dammstraße 21 der Kinderladen Li La Lina. Hier gibt es hübsche Kinderkleidung und ausgewählte Spielwaren.
In der Fußgängerzone sind neben Post, Apotheke und Supermarkt viele Cafés und Restaurants zu finden. Gerade was das Frühstücken und Brunchen angeht, hat die Burtscheider Fußgängerzone einiges zu bieten, wobei das Café Lammerskötter wohl am bekanntesten ist. Lammerskötter hat sich inzwischen sogar auf dem gesamten Abteiplatz ausgebreitet und sein Café um eine Konditorei und ein Eiscafé ergänzt. Gerade der untere Teil der Fußgängerzone ist im Sommer ein beliebter und belebter Aufenthaltsort. Bei schönem Wetter spielen Kinder am Brunnen inmitten der Fußgängerzone oder am Karussell. Hier genießen die Gäste die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres auf einer Bank oder dem Außenbereich eines Cafés. Eis gibt es natürlich auch. Wir persönlich holen uns gerne eine Kugel Pinguino bei Da Pian.
Die großen Schachbretter auf dem Boden laden zu einer Partie im Sonnenschein ein. Die Figuren dafür können im Haus des Gastes direkt nebenan ausgeliehen werden. Dieses ist außerdem ein Infopunkt für alle Besucher, die auf der Suche nach Freizeitprogramm in Burtscheid sind oder von dort aus beispielsweise an einer kostenlosen Führung durch die Historie des Stadtteils teilnehmen möchten. Die Führung findet jeweils am ersten Freitag jedes Monats um 14:00 Uhr statt. Es wird um Anmeldung unter 0241 6088057 gebeten. Wir empfehlen die Tour für an Burtscheids Geschichte interessierte Erwachsene. Anfragen für Kinderführungen können an info@gesellschaft-burtscheid.de gestellt werden.
Abteiplatz als vielseitiger Veranstaltungsort

Das Fest zu Fettdonnerstag, das Weinfest im Mai, ein monatlicher After-Work-Markt von Mai bis September, der riesige Kindersachenflohmarkt oder der niedliche Weihnachtsmarkt beleben den Platz vor dem Abteitor das ganze Jahr über. Der Weihnachtsmarkt ist eine schöne Alternative für alle, die sich nicht ins Gedränge des großen Aachener Weihnachtsmarkts stürzen möchten.
Ein Besuch im Park oder raus in den Wald

Nur ein paar Meter von der Fußgängerzone entfernt befindet sich im Herzen des Viertels der Ferberpark. Der aufkommende Frühling zieht die Burtscheider nach draußen, und so tummeln sich im Park Basketball spielende Jugendliche, Familien auf dem Spielplatz, Menschen, die auf den Bänken das bunte Treiben und die Sonne genießen, sowie einige Sportbegeisterte, die den Sportparcours oder den Weg um den Park für ihre Trainingseinheiten nutzen. Durch die große Wiese in der Mitte wird dieses bunte Treiben verbunden. Kaffee trinken und essen gehen kann man in Ferbers Parkcafé, ein kühles Getränk auf die Hand gibt es im Kiosk Knubbens Häusgen.

Wem der Ferberpark noch nicht genug Grün bietet, der nimmt den Bus bis Siegel oder kann sich durch das Gillesbachtal in Richtung Wald schlängeln und dort die Natur bei einer Wanderung zum Stauweiher Kupferbach oder zur Pionierquelle genießen. Beide haben tolle Waldspielplätze für Kinder. Auf dem Rückweg gibt es dann ein Eis beim Eismännchen (unser Lieblingseis ist hier Waldmeister und das Nusseis ist auch super).
Das Gillesbachtal ist außerdem ein beliebter Ort für Hundebesitzer. Hier können die Hunde frei laufen und am Wasser spielen. Im Winter fahren die Kinder Schlitten.
Ein regnerischer Tag lässt sich in Burtscheid angenehm in der Südhalle mit Badespaß verbringen. Ein super Bad, gut geeignet für Familien. Besonders ist hier der Wasserlauf und der Kleinkindplanschbereich.
Beverau und Steinebrück sind eher wohlhabende Sozialräume mit einem von Einfamilienhäusern geprägten Wohnungsmarkt. Der Sozialraum Burtscheid-Mitte hat von beschaulichen Einfamilienhäusern – wie in der Belgierhaussiedlung um die Amyastraße oder der denkmalgeschützten Siedlung in den Heimgärten – über städtische Mehrfamilienhäuser in Richtung Burtscheider Brücke und Hauptbahnhof bis hin zu einigen Wohnblocks alles zu bieten.
Die Anbindung an Schulen ist ebenfalls ausgezeichnet. Der Stadtteil beherbergt zwei der beliebtesten Grundschulen Aachens, die Städtische Gemeinschaftsgrundschule Michaelsbergstraße und die Städtische Gemeinschaftsgrundschule am Höfling. Mit dem Rhein-Maas-, dem Einhard- und dem bischöflichen Pius-Gymnasium sowie der Luise-Hensel-Realschule hat Burtscheid außerdem die größte Auswahl an weiterführenden Schulen. In unmittelbarer Nähe befinden sich zudem noch das evangelische Gymnasium Viktoriaschule Aachen und die Maria-Montessori-Gesamtschule.
Burtscheid hat für Familien wirklich alles zu bieten, was man zum guten Leben braucht. Es strahlt eine ruhige Kleinstadtatmosphäre aus und hat eine direkte, fußläufige Anbindung ans Frankenberger Viertel und an die Innenstadt. Wer einen Ausflug oder eine Reise starten möchte, findet die Anbindung an die Autobahn und den Hauptbahnhof quasi vor der Tür.

Infos Pop-up-Thermalbadebrunnen
Burtscheid ist seit jeher für seine Thermalquellen bekannt. Schon die Römer nutzten die heißen Quellen, um ihre Leiden auszukurieren. Mit einer Austrittstemperatur von 72 Grad ist hier die heißeste Quelle Europas nördlich der Alpen. Während das Thermalwasser, das in Burtscheid aus 30 Quellen an die Oberfläche gelangt und täglich circa 3,5 Millionen Liter liefert, früher noch in 15 Bädern genutzt wurde, landet das meiste heute ungenutzt im Abwasser.
Unter dem Titel „Auf dem Weg zum wärm Komp“ bemüht sich seit einiger Zeit ein Arbeitskreis aus Burtscheider Akteuren, von der Stadtteilkonferenz bis zur FH Aachen, darum, „freies Baden in naturbelassenem Thermalwasser unter hygienisch einwandfreien Bedingungen“ zu gewährleisten. Konkret geplant ist im Bereich des Brunnens im Kurpark ein temporäres Pop-up-Thermalbad, wo öffentlich und kostenfrei ähnlich einem Kneipp-Bad (nur mit heißem Thermalwasser statt kaltem Wasser) gebadet werden kann. Vorbild dafür ist ein fest installierter Thermalbadebrunnen in Baden (Schweiz). Am Entwurf und an der Planung arbeiten unter anderem Architekturstudenten der FH Aachen. Der Arbeitskreis hat sich inzwischen schon mit seinen Anliegen an die Bezirksvertretung gerichtet. Diese hat am 15. November 2023 die Verwaltung beauftragt, eine Vorlage zur Umsetzung zu erstellen. Kritisch begutachtet werden noch gesundheitsrechtliche und hygienische Aspekte. Es bleibt abzuwarten, wie es sich weiterentwickelt, sicherlich würden viele Burtscheider und Aachener ein solches Thermalbecken wärmstens begrüßen.
Um seine Ziele umsetzen zu können, ist der Arbeitskreis auf Spenden angewiesen. Mehr dazu unter: waermkomp.jetzt
Der Arbeitskreis nutzt ein leerstehendes Ladenlokal in der Kapellenstraße 27 als Kreativwerkstatt und Informationspunkt für das Projekt.
Adressen und Termine in Burtscheid
Haus des Gastes
Burtscheider Markt 18-20
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10:00-16:00 Uhr
Lust auf eine Rätsel-Rallye rund um den Kurpark? Dazu gibt es eine Broschüre im Haus des Gastes oder online als PDF:
los-aachen.de/files/los-aachen/Broschueren/Fit_im_Quartier_Burtscheid.pdf
Abteiplatz:
Mai-Weinfest am Abteitor
Eröffnung am Freitag, 3. Mai 2024
1. Tag Mai-Weinfest am Samstag, 4. Mai 2024
2. Tag Mai-Weinfest am Sonntag, 5. Mai 2024
After-Work-Markt am Abteitor
Donnerstag, 16. Mai 2024
Donnerstag, 20. Juni 2024
Donnerstag, 18. Juli 2024
Donnerstag, 15. August 2024
Donnerstag, 19. September 2024
Burtscheider Weihnachtsmarkt
1. Wochenende Abteitor 29. + 30. November + 1. Dezember 2024
2. Wochenende Abteitor 6. + 7. + 8. Dezember 2024
Verkaufsoffene Sonntage:
5. Mai und 8. Dezember 2024
Kindersachenflohmarkt in der Kapellenstraße
Wie jedes Jahr findet in Burtscheid der beliebte Kindersachenflohmarkt am 1. Mai von 11:00-18:00 Uhr in der Kapellenstraße statt. Mehr Infos dazu auf unserer Webseite:
kingkalli.de/event/grosser-kindersachenflohmarkt-in-burtscheid/2024-05-01/#more-72677
Freitags von 07:00 bis 13:00 Uhr ist in Burtscheid in der Kapellenstraße Markttag (vor Alnatura).
Supermärkte in Burtscheid:
Edeka, Kapellenstraße 16-18
Alnatura, Kapellenstraße 36-40
Rewe Stenten, Krugenofen 62-70
In Burtscheid wird gelesen, es gibt zwei Buchhandlungen und zwei Bücherschränke:
Buchhandlung Backhaus (vor dem Abteitor), Burtscheider Markt 23
Das Worthaus, Gregorstraße 2, Hier gibt es im Foyer ebenfalls einen Bücherschrank, an dem sich alle bedienen können, die Lust auf ein Buch haben.
Bücherschrank am Burtscheider Markt
Stichwort „Gesundheitscampus“
Für Burtscheid stehen mit der Errichtung eines Gesundheitscampus durch einen der größten Player im Gesundheitswesen – die Alexianer GmbH – große Veränderungen an.
Wer sich dazu genauer informieren möchte, findet aktuelle Infos unter stadtteilkonferenz-burtscheid.de.
Marienhospital und Hebammengeführter Kreißsaal:
Im Marienhospital in Burtscheid kommen Kinder zur Welt. Neu seit 2023 ist der hebammengeführte Kreißsaal. Wir haben berichtet.
kingkalli.de/wie-ein-geburtshaus-in-der-klinik-marienhospital-aachen-eroeffnet-hebammenkreisssaal/
marienhospital.de
Informationen rund um Burtscheid gibt es außerdem unter burtscheid.com und gesellschaft-burtscheid.de.
Zudem haben die Burtscheider Heimatfreunde e.V. ein „Mini-Museum“ in der Kapellenstraße 52 etabliert, welches Mittwochs von 15:00 – 16:00 Uhr , oder nach telefonischer Anfrage (0178/5755438), seine Türen für Besucher öffnet.
seine Türen öffnet
Welcher Stadtteil soll als nächstes vorgestellt werden?
Folgende Stadtteile haben wir schon vorgestellt: Preuswald, Innenstadt, Brand, Eilendorf, Soers, Haaren und nun Burtscheid. Nach der Heftproduktion sind die Berichte hier zu finden.
Euer Stadtteil war noch nicht dabei?
Meldet euch gerne! Bei jedem Viertel stellen wir auch eine soziale Einrichtung, Gemeinde oder einen Verein vor.
Schickt einfach eine Mail direkt an lasse.falter@verlag-umdieecke.de.
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