Latein wählen – nötig oder nicht?

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Muss das denn sein, augerechnet Latein als zweite Fremdsprache? Für wen diese Wahl Sinn macht, hat Sabrina Marx recherchiert.

Neben den obligatorischen Englischkenntnissen sowie oft einer zweiten modernen Fremdsprache auf B1-Niveau gehört bei einigen Studienfächern zusätzlich auch noch Latein zum Pflichtprogramm. Wer jetzt ausschließlich an Altertumskunde und Theologie denkt, der irrt. Während Mediziner heutzutage anstelle des Latinums auf gezielte Terminologiekurse setzen, benötigen Studierende vieler geisteswissenschaftlicher Fächer weiterhin umfangreiche Kenntnisse der lateinischen Sprache. Das gilt u. a. für Kunstgeschichte, Anglistik, Germanistik, Geschichte, Archäologie, Philosophie, Musikwissenschaft, Niederländisch, Russisch, Ägyptologie und Romanistik (Spanisch, Italienisch sowie Französisch). An manchen Unis reicht der Nachweis über Lateinkenntnisse aus, der in etwa dem früheren kleinen Latinum entspricht. Insbesondere angehende Lehrer kommen an der alten Sprache unserer römischen Vorfahren jedoch häufig nicht vorbei und müssen das offizielle Latinum vorweisen.

Wer in der Schule keinen Lateinunterricht hatte, braucht aber nicht auf sein Wunschfach zu verzichten. Für gewöhnlich gibt es an allen Unis, die in bestimmten Fächern Sprachkenntnisse verlangen, kostenlose Kurse für Studierende. Bezüglich Latein genügt es meistens, die jeweiligen Kenntnisse im Verlauf des Studiums vorzuweisen. Bei den uniinternen Kursen muss man sich jedoch auf stark überfüllte Hörsäle und ein rasantes Tempo einstellen. Das Arbeitsklima ist alles andere als angenehm und der Stoff, den man als Schüler über drei bis sechs Jahre lernt, wird an der Uni innerhalb von zwei bis drei Semestern gepaukt. Dies ist folglich ein hoher Arbeitsaufwand neben dem normalen Pensum des Studiums, der oft eine Überschreitung der Regelstudienzeit und die Kürzung des BAföGs zur Folge hat.
Die Regeln und der genaue Umfang der Sprachkenntnisse variieren gravierend von Uni zu Uni. Da die Unterschiede so groß sind, sollte man sich bereits vor dem Studium anhand der Studienordnung informieren, welche Sprachkenntnisse an den jeweiligen Unis nötig sind und wie sie nachgewiesen werden können. Wer das offizielle Latinum nachholen muss, legt eine Prüfung bei der örtlichen Bezirksregierung ab. Auf eine mehrstündige schriftliche Klausur, innerhalb deren meistens ein Text Ciceros übersetzt werden muss, folgt anschließend noch eine mündliche Prüfung. Hier wird zusätzlich das Wissen über die lateinische Grammatik sowie die römische Geschichte geprüft. In der Regel hat man lediglich zwei Versuche, um die Prüfung mit mindestens ausreichend zu bestehen.

Da der Lernaufwand für das Latinum immens und die Relevanz im späteren Berufsalltag gering ist, klagen Studierende immer lauter über die sprachlichen Anforderungen ihrer Unis. Online-Petitionen finden zahlreiche Befürworter einer Abschaffung der Latinumspflicht. Doch viele Professoren sehen Latein immer noch als Grundstein einer humanistischen Bildung an. Unsere Kultur ist maßgeblich von der römischen Sprache und Geschichte geprägt. Für viele Unis ist Latein daher maßgeblich für eine umfassende Bildung in den Geisteswissenschaften und ein wichtiger Teil des Studienplans. Mancherorts beginnt jedoch bereits ein Umdenken. So müssen z. B. Germanistikstudenten der Universität zu Köln ab dem Wintersemester 15/16 kein Latein mehr vorweisen. Es lohnt sich also, vor einer Bewerbung die Anforderungen der verschiedenen Unis genaustens zu vergleichen.



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