15. bis 26. August 2019: 10. Klimacamp im Rheinland – auch für Familien gedacht

in Aktionen & Initiativen, Aktuelles um die Ecke
Foto: Birgit Franchy

Das Klimacamp feiert sein 10. Jubiläum. In diesem Jahr ist es Teil eines Sommers der Klimagerechtigkeitsbewegung im Rheinland. Klimacamps sind das Herz der Klimabewegung. Kurse, Workshops, Exkursionen, open space, Podiumsdiskussionen, Räume und Programm für Kinder und Jugendliche sowie ein Kulturprogramm laden ein an den Angeboten der Gruppen teilzuhaben, sich zu informieren und die Ideen zu feiern. Natürlich werden auch Protestaktionen nicht fehlen.
Alternatives zusammenzuleben wird hier geprobt. Das Camp, das vom 15. bis 26. August in der Nähe von Erkelenz stattfindet, bietet eine herrschaftskritische Selbstorganisierung mit eigener Stromversorgung und Kompostklos und damit es keine Benachteiligung gegenüber den verschiedenen Geschlechtern gibt werden alle gebeten ihre T-Shirts anzulassen.
Das Camp schafft Vernetzung, denn auf dem Camp lernen sich nicht nur Menschen, sondern auch Bewegungen kennen.
Letztlich sollen hier Utopien gelebt werden: Auf verschiedensten Ebenen soll gezeigt werden, wie man hierarchiefrei mit viel Partizipation und Basisdemokratie miteinander Leben kann. Herrschaftsverhältnisse, die als Ursache für die Klimakrise gesehen werden sollen hinterfragt werden.

Bereits im Juni folgten 6.000 Menschen dem Aufruf von Ende Gelände und traten aus ganz Europa die Reise ins Rheinland an, um durch verschiedenste Blockaden ein Zeichen gegen die Kohleverstromung. Gleichzeitig protestierten 8.000 Menschen für den Erhalt der durch die Tagebaue bedrohten Dörfer. Auch die Schüler/-innen von Fridays for Future protestieren weiterhin jeden Freitag und erhoben am 22. Juni in Aachen ihre Stimmen mit der bisher größten Klimademonstration Deutschlands.

„Auf dem Klimacamp wird die oft abstrakte Vorstellung der Klimakrise erfahrbar.“

Vom 15. bis 27. August werden nun mehrere hundert Menschen erwartet, die in der Nähe von Erkelenz gemeinsam ein Camp errichten und damit ein weiteres Zeichen gegen die Braunkohle in der Region und darüber hinaus setzen. Das Camp wird neben einer Vielzahl an Workshops auch wieder eine bunte Mischung an Aktionen gegen die Braunkohle bieten. So ruft das Aktionsbündnis „Kohle erSetzen!“ zu einer Blockadeaktion vom 22. bis 25. August im Rheinland auf, mit dem Ziel, erneut in der Form von zivilen Ungehorsams die Kohleinfrastruktur von RWE zu blockieren.
Darüber hinaus bietet das Klimacamp auch in diesem Jahr wieder Raum für mehrere Konferenzen. Die mehrtätige und internationale Konferenz „By 2020 we rise up“ findet auf dem Camp statt, die Klimaaktivist/-innen aus ganz Europa zusammenbringen soll um Strategien für effektiven Klimaaktivismus in den kommenden Jahren zu koordinieren. Neben diversen weiteren Angeboten zur Bildung und Vernetzung ist auch für die Jüngeren etwas dabei: als Besonderheit dieses Jahr steht ein Kinder- und Jugendprogramm im Vordergrund, das jüngere Menschen in die Themen Klimagerechtigkeit und den damit verbundenen nötigen Systemwandel einführt.

„Die Bewegung für Klimagerechtigkeit wächst rasant. Auf dem Klimacamp wird die oft abstrakte Vorstellung der Klimakrise erfahrbar, denn hier am Rande der riesigen Tagebaue und der verlassenen Dörfer ist die Zerstörung sichtbar. Gleichzeitig macht das Camp den Menschen Mut, sich für eine gerechtere Welt zu engagieren. Wir wollen den Menschen vor Ort und der Klimabewegung mit dem Klimacamp einen Ort der Vernetzung bieten.“ so Jette Monberg für das Klimacamp im Rheinland.
Monberg ergänzt: „Auf dem Klimacamp probieren wir aus, wie eine Gesellschaft ohne Ausbeutung von Menschen, Tieren und Mitwelt aussehen könnte. Wir treffen Entscheidungen gemeinsam, produzieren unseren Strom selbst aus erneuerbaren Quellen und setzen uns auch mit Diskriminierung innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung auseinander.“

Immerath 2018 | Birgit Franchy

Das rheinische Braunkohlerevier ist eine der größten CO2-Quelle Europas. Für den Kohleabbau werden seit Jahrzehnten Menschen zwangsumgesiedelt, Dörfer und Landschaften zerstört. Um dem entgegenzutreten, wurde 2010 das erste Klimacamp im Rheinland initiiert. 2017 gab es mit rund 3.000 Teilnehmenden das bis dato größte Klimacamp im Rheinland. In jüngster Zeit wurden die Verbindungen zu den Anwohner/-innen intensiviert und Gespräche mit der Bergbau-Gewerkschaft IG BCE ausgebaut, um eine breite Debatte über die Zukunft des Rheinischen Reviers anzustoßen. Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“, in welchem Betroffene aus den verschiedenen Abbaugebieten in Deutschland gemeinsam mit Aktiven aus der Klimagerechtigkeitsbewegung kämpfen, ist u. a. unter Mitwirkung des Klimacamps im Rheinland entstanden.

Kinder- und Jugendprogramm

Auf dem Klimacamp 2019 wird zum ersten Mal ein eigenes Programm für junge Menschen angeboten, das auf die Bedarfe und Interessen von Menschen zwischen 6 und 16 Jahren gezielt eingeht. Angesprochen werden nicht nur die Kinder und Jugendlichen von erwachsenen Camp-Teilnehmenden, sondern auch junge Menschen aus den umliegenden Orten im Braunkohlerevier. Darüber hinaus sollen die lokalen Klima-/Umwelt-Jugendgruppen aus Köln, Düsseldorf, Aachen, Mönchengladbach, Neuss etc. erreicht werden. Mit einem vielfältigen Umweltbildungsprogramm bestehend aus Workshops, Ausflügen und Mitmach-Aktionen soll das Klimacamp zu einem außerschulischen Bildungs- und Lernort gemacht werden. Die Kinder und Jugendlichen sollen sich spielerisch und altersgerecht komplexe Themen wie Klimawandel, Landnutzungskonflikte, Globale Landwirtschaft, Energieversorgung oder Post-Wachstum erschließen können. Dabei sollen sie lernen, warum Umweltschutz und Globale Gerechtigkeit wichtig sind und wie sie sich für eine bessere Welt für alle Menschen einsetzen können.
Das genaue Programm wird derzeit erarbeitet und folgt in Kürze (Link).

 

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