Angetriggert durch ein Werbevideo einer lokalen Bäckerei, die zu Sankt Martin für Weckmänner warb, fallen mir ein paar aktuelle Erlebnisse aus der Welt der KI ein.
Zunächst zum Video, das auf mehreren Social-Media-Kanälen lief: Da reitet Sankt Martin über den Katschhof, gefolgt von über hundert Kindern mit bunten Lichtern, der Weg gesäumt von Menschen. Das Ganze hat etwas von Truppenaufmarsch, dann kommt der Dom, der Elisenbrunnen, zum Schluss wird ein Weckmann ins Bild gehalten. Alles sehr strahlend – und sehr unecht.
Die Kommentare fallen entsprechend aus. Während gejubelt wird: „Was für ein stimmungsvolles Video! Unglaublich, was KI alles möglich macht! Ein ,Zug‘ in Richtung Zukunft“, vermutet ein User rechte Gestalter am Werk, die gezeigten Kinder seien zu blond und blauäugig und nicht bunt und vielfältig genug. „Warum alles mit KI heute, schlimm und unecht! So geht der Geist und das Gefühl verloren“, bemerkt ein anderer.
Die Meinungen prallen aufeinander, eine überhitzte Stimmung auch unter einem Video, das sich um Sankt Martin dreht, das Fest der Nächstenliebe.
Keine Frage, auch ich habe bei einem Anbieter ein Premium-Abo, und doch bin ich immer wieder überrascht über die Fehlerquote. Zwei Anekdoten: Mein Sohn bat mich, einen Mietvertrag zu checken, ich gab grünes Licht, hörte sich alles gut an. Doch die KI alarmierte, einen halben Tag diskutierten wir über eine Passage und ich hatte ein schlechtes Gewissen. Wie konnte ich diesen wichtigen Punkt übersehen? Dann knöpfte ich mir den Vertrag nochmal vor. Den Passus, vor dem die KI warnte, gab es nicht. Darauf angesprochen meinte sie: Stimmt, er steht ja gar nicht drin, hab mich vertan. Hm, ok.
Ein andermal bat ich um einen Preisvergleich von Produkten. Soll ich sie in diesem oder jenem Laden besorgen oder die Großpackungen von Tralala nehmen? Bitte vergleiche die Kilopreise. Ich bekam ein Ergebnis. Nur stimmte es nicht. Als ich später selbst die Kilopreise abglich, kam etwas ganz anderes heraus.
Mir fällt mehr ein, doch der Platz ist begrenzt. Ich will KI überhaupt nicht schlechtreden, nur ist es schon noch so, dass man seinen Kopf nicht ausschalten sollte. KI im NRW-Abi? Also ich weiß nicht.
Jetzt aber viel, viel Spaß mit der neuen Ausgabe! Wie schreibt man heute? Humanmade.
Dieser Text ist als Editorial in KingKalli 132 (Dezember 2025 / Januar 2026) erschienen.
Die neue Printausgabe liegt an über 500 Stellen aus und ihr findet sie auch hier.
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