Am 3. April 2019 hat das KingzCorner die örtliche Presse eingeladen, um positive Nachrichten zu verkünden. Wer dahinter die Wiederaufnahme des Partybetriebs witterte, lag jedoch falsch. Unsere Nachwuchsredaktion war vor Ort und hat sich die aktuelle Lage erklären lassen.
Zum Hintergrund
Zuerst der Musikbunker, dann auch das KingzCorner in der Königsstraße – es wird immer schwieriger für junge Aachener, passende Orte zum Feiern, Freunde treffen und Konzerte erleben zu finden. Mehr und mehr Partylocations werden von der Stadt Aachen gezwungen ihre Veranstaltungen einzugrenzen (wir haben berichtet: KingzCorner muss Partybetrieb einstellen, Musikbunker neue Entwicklung). Wie bei dem gestrigen (03.04.2019) Pressetermin mit den Vorsitzenden des KingzCorners noch einmal deutlich gemacht wurde, sind in diesem Fall die Gründe dafür zum Beispiel nicht ausreichende Schalldämmung, der unvollständige Ausbau von Fluchtwegen oder von Sanitäranlagen. Die Konflikte begannen bereits nach der Eröffnung im Jahr 2012 und konnten bis heute nicht beigelegt werden. Das Bauamt trägt die Sorge, dass Beschwerden wegen Ruhestörung auftreten können, was bis jetzt jedoch nicht der Fall war. Die Leiter der KingzCorners haben sich bewusst diesen Standpunkt für ihren Verein ausgesucht, da er sich in einem Wohnmischgebiet in direkter Nähe zu Bahngleisen befindet. Die Anwohner, hauptsächlich Studenten, sollten die Unruhe also gewöhnt sein, so Sebastian Walter, der Geschäftsführer des KingzCorners. Außerdem blieb er im ständigen Dialog mit den Nachbarn und bot ihnen an, kostenlos die Partyräume nutzen zu können.
Im Falle des KingzCorner wurden Genehmigungen seitens der Stadt tatsächlich nie schriftlich festgehalten, weder für die Nutzung der Kellerräume, noch für das Veranstalten von Partys oder Konzerten nach 22:00 Uhr. Der ehemalige Geschäftsführer der Bezirksvertretung Aachen-Mitte und Leiter der Klärungsstelle der Stadt Gerd Dupont, der sich inzwischen im Ruhestand befindet, hatte das KingzCorner unterstützt, jedoch hatte auch er immer mündlich seine Zustimmung gegeben.
Nach einem Mitarbeiterwechsel verboten die zuständigen Behörden im Januar 2019 die Nutzung der Räume nach 22:00 Uhr wegen der möglichen Ruhestörung und ordneten an, dass aufgrund der mangelnden Sicherheit nicht mehr als 30 Personen in einem Raum anwesend sein dürften. Obwohl Gerd Dupont inzwischen schriftlich seine Zusagen für den Verein bestätigte, konnte das an dem Verbot des Nachtbetriebs nichts ändern.
Dies führte für den Verein zu einem Teufelskreis. Zwar können die die Workshops tagsüber weiterhin stattfinden, jedoch fallen die Gelder, die das KingzCorner vorher mit der Vermietung der Räume nach 22:00 Uhr eingenommen hat, nun weg. Um die Räume wieder wie vorher nutzen zu können, fehlt ihnen das Geld für den Ausbau, welches sie mit der Vermietung verdient hätten. Dadurch verlor das KingzCorner auch viele aktive Mitglieder. Von den vorherigen 120 Vereinsmitgliedern blieben noch 40.
Walter hat inzwischen Verständnis für die Behörden der Stadt Aachen, wie er beim gestrigen Termin angab, denn sie könnten bei einem Vorfall haftbar gemacht werden, wenn sie den Partybetrieb in dem bisherigen baulichen Zustand der Räumlichkeiten genehmigen würden.
Und die positiven Nachrichten?
Das KingzCorner und die Stadt seien im Guten auseinander gegangen. Aus diesem Anlass unterstrich Walter noch einmal, dass er auch weiterhin auf Unterstützung der Stadt hoffe, mit der Begründung, dass das KingzCorner ein gemeinnütziger Aachener Kulturverein und Träger der freien Jugendhilfe sei, der nicht nur alternativen Platz für Künstler und Jugendliche schafft, sondern sich auch für Projekte und die Integration von Flüchtlingen einsetzt. Auch verschiedene Parteien, wie zum Beispiel die UWG fördern den Erhalt der Einrichtung. Hier bedankt sich das KingzCorner für konstruktive Gespräche.

Um sich noch ein wenig Unterstützung einzuholen und die finanzielle Schieflage aufzufangen, rief die KingzCorner-Crew zu einem Crowdfunding auf. Damit sollen bisher seit Januar angefallene Betriebskosten gedeckt werden, bis eine Förderung durch die Stadt gegeben ist.
Zusätzlich dazu starteten Künstler und Freunde des Corners eine Videoaktion, in denen sie von ihren positiven Erfahrungen erzählen und zum Spenden aufrufen. Auch diesen gilt laut Walter ein herzlicher Dank.
Text: Christina Gielchen, Jana Volmer, Janneke Wergen mit Unterstützung von Birgit Franchy
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