Jugendliche und Corona: Zukunftsängste

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So gut wie jeder hat sie, egal in welchem Alter – Zukunftsängste. Es ist ein Blick ins Ungewisse. Jede Entscheidung beeinflusst in irgendeiner Weise unser Leben. Was, wenn man die falsche Entscheidung trifft? Was wird mal aus mir? Was, wenn man mal verliert? Sei es bei einer schlechten Mathe-Note auf dem Zeugnis, die unter Umständen beeinflusst, welchen Beruf wir hinterher ausüben, welches Leben wir leben werden. Oder sei es, dass man die Chance auf Karriere verpasst oder dass man sich nicht richtig ausleben kann. Seine Wünsche und Träume. Was, wenn meine Perspektive durch Corona stark beeinflusst wird?

Grundsätzlich baut sich Zukunftsangst genau auf diesen Fragen auf. Man malt sich oft eher das Worst-Case-Szenario in den dunkelsten Farben im Kopf aus als die positiven Dinge, die noch kommen könnten. Oft fangen Zukunftsängste schon im Kindesalter an, wenn man in die Schule gekommen ist. Bereits dort wird einem eingeimpft, gute Noten zu schreiben, um später im Leben nicht zu versagen. Eine weitere Ursache ist geringes Vertrauen in sich selbst, man sieht sich nicht in der Lage dazu, Herausforderungen zu meistern. Die Angst kann aber auch auf Versagen oder einer abrupten Veränderung, die bereits erlebt wurde, aufbauen. Dieses Chaos, das Leid und die Probleme möchte man nicht noch einmal durchmachen. Auch an wichtigen Abschnitten im Leben, wie zum Beispiel nach einem Schulabschluss, entsteht Angst vor der Zukunft. Es ist noch einiges offen, wichtige Entscheidungen müssen getroffen werden, wie es mal mit einem weitergehen soll. Der Druck und die Erwartungen steigen. Man will sich selbst und andere, wie beispielsweise die Eltern, nicht enttäuschen. Doch Zukunftsängste gehen noch viel weiter. Ich frage mich schon heute, was ist, wenn ich mal so alt bin wie meine Eltern jetzt. Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Wann werde ich von zu Hause ausziehen und auf ganz eigenen Beinen stehen müssen? Komme ich in einem guten Job unter? Werde ich bis zum Tod arbeiten müssen oder wie wird es irgendwann mit meiner Rente aussehen? Werde ich einsam sein? Werde ich in Pflege müssen? Wie wird die Welt in 15, 20 Jahren aussehen? Müssen wir dann mit täglichen Umweltkatastrophen rechnen? Und über allem: Werde ich ein glückliches Leben führen? Das sind alles Fragen, deren Antworten weit in der Zukunft liegen.
Es gibt verschiedenste Befürchtungen vor dem, was in Zukunft passieren wird, vor allem bei uns Jugendlichen. Also habe ich ein paar meiner Freunde (alle zwischen 14 und 17) gefragt, was ihre größten Zukunftsängste sind.

Die meisten haben gesagt, dass sie Angst haben, nicht das erreichen zu können, was sie sich erträumen, oder sich das Leben durch einen blöden Fehler zu versauen. Auch haben viele Angst davor, wichtige Entscheidungen treffen zu müssen, da es immer die falsche sein kann. Bei uns Schülern besteht auch immer der Gedanke: Was, wenn ich mein Abitur verhaue? Einige fragen sich, wie sie ihr Studium, eine eigene Wohnung, Rechnungen und Versicherungen bezahlen sollen, ohne sich überarbeiten zu müssen. Viele wissen nicht einmal, wie man eine Steuererklärung macht, da wir so was nicht in der Schule beigebracht bekommen. Einige sorgen sich nicht nur um ihre eigene Zukunft. Sie fragen sich, ob sie überhaupt Kinder in diese Welt setzen wollen, die immer intoleranter, grausamer und auch gefährlicher, beispielsweise aufgrund von Umweltkatastrophen oder vermehrter Gewalt, wird. Ans Altern zu denken, bringt auch Ängste mit: zu vereinsamen, eine zu niedrige/gar keine Rente zu bekommen und dadurch keine Pflege beanspruchen zu können. Viele haben schon Angst davor, überhaupt eventuell in Pflege zu müssen.  
Doch natürlich haben auch einige Erwachsene noch Angst vor ihrer Zukunft, obwohl sie einige Sachen, vor denen wir Angst haben, wie Schule und eventuell Studium, schon gemeistert haben. Eine ältere Bekannte (Mitte vierzig) sorgt sich um ihre Rente, sie merkt langsam, dass ihr Körper nicht mehr so will, wie sie will, und fragt sich, was sie wohl noch im Alter kann. Sie macht sich auch um die Zukunft ihrer Kinder und Eltern Sorgen. Ihr Mann hat keine Zukunftsängste, was ich doch bewundere. Auch meine Oma habe ich gefragt. Sie hat Angst davor, so krank zu werden, dass sie von jemandem abhängig wird und keine Kontrolle mehr über ihr eigenes Leben hat. Sie fürchtet sich auch davor, durch fremde Einflüsse nicht mehr ihr Leben leben zu können und in eine Notlage gedrückt zu werden, beispielsweise durch die Politik, in der man nicht wirklich direkt mitentscheiden kann. Also in jedem Alter sind Zukunftsängste vorhanden. Mit der Zeit ändern sie sich nur normalerweise, da man doch einiges im Leben „abarbeitet“.

Was kann man tun gegen Zukunftsängste?
Ein guter Weg, die Ängste zu bekämpfen, ist, sich daran zu erinnern, was man in der Vergangenheit schon für schwierige Situationen gemeistert hat. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Mit einer generell positiveren Grundeinstellung kann man selbst aus Rückschlägen eine Erkenntnis ziehen und wächst daran. Ansonsten hilft es, mit einer vertrauten Person darüber zu reden. So gibt es jemanden, der einem den Rücken stärkt, und man fängt nicht an, sich von der Außenwelt gefühlsmäßig zu isolieren und die Ängste in sich hineinzufressen. Es hilft auch, die Ängste aufzuschreiben. Das macht einen klaren Kopf und hilft dabei, sich wieder zu fokussieren. 
Man sollte im Hier und Jetzt leben, einen groben Plan haben und den Rest auf sich zukommen lassen. Denn das Leben ist zu kurz, um sich über die Zukunft große Gedanken zu machen. Es passiert, während man es plant, und am Ende kommt sowieso alles anders.

Text: Christina Gielchen

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