Ein Mädchen macht es vor: Wie die Bewohner der Aachener Arndtstraße ihre Nachbarschaft in ein lebendiges Wohnzimmer verwandeln.
Es gibt eine magische Straße in Aachen: Im Sommer stehen da abends Stühle am Bordstein, Menschen treffen sich, trinken und lachen zusammen. Im Dezember schmücken Zahlen die Fenster der Altbauten: Bunte Papierzahlen, Nummer eins bis Nummer 24. In fast jedem Haus hängt so ein Fensterbild, um so einen Adventskalender zu erschaffen. Im Sommer gibt es ein Straßenfest. Und jeden Morgen, da sammeln sich Schulkinder im Wendehammer der Straße, um zusammen zur Schule zu gehen.
In dieser Straße wohnt Ida. Es ist die Arndtstraße in der Nähe des Hangeweihers. Ida veranstaltet Kinderaktionen: Einen Flohmarkt zum Beispiel. Oder einen Zirkus. Dafür hängt sie handgeschriebene Zettel in den Pinnwand-Kasten der Straße: Da steht dann drauf, was sie vorhat und welche Kinder wohl mitmachen wollen.
Demnächst plant Ida ein Zirkusprojekt. Es soll im September starten. Ida wird im Sommer zwölf Jahre alt, sie hat hellblondes Haar und eine helle Stimme. Sie überlegt, bevor sie etwas sagt, und wer nicht gut hinsieht, könnte meinen, sie wäre schüchtern. Dabei weiß Ida sehr gut, was sie möchte, wie sie sich Dinge vorstellt, und behält jedes kleine Detail, wenn sie etwas interessiert. Pferde zum Beispiel mag sie gern und sie weiß sehr viel darüber. Idas Projekte starten häufig mit einem Zettel im Pinnwand-Kasten der Straße.

Den gibt es seit den 80er Jahren in der Arndtstraße, aufgehängt von Anwohnern. Und seitdem wird er immer wieder neu bestückt, er ist offen und jeder Anwohner kann beliebig etwas hineinhängen. Manchmal werden auch Fotos von früheren Straßenfesten darin aufgehängt. Handgeschriebene Zettel sind darin: Idas, und die Termine der Sit-ins, wenn sich die Nachbarn auf der Straße treffen. Und andere, zum Beispiel wenn jemand eine Wohnung sucht oder wenn sich die Nachbarn zum Adventssingen treffen.
Der Geist dieser Straße ist es vermutlich auch, der hilft, dass es so etwas gibt und es funktioniert: Am Anfang dieser Straße wohnt ein Senior, der mit der Kamelien-Gesellschaft schon viele Jahre eine besonders schön blühende Pflanze bekannt macht und aus Aachen heraus internationale Kontakte pflegt, die sich gegenseitig besuchen und die Kamelien des anderen jeweils bewundern. Am Ende dieser Straße gibt es einen Comic-Buchverlag, wo der Künstler jeden Zeichenstrich aus dem Malbüro in der Arndtstraße tut und manchmal nachmittags auf der Bank vorm Haus in der Sonne sitzt. Seine Nachbarin ist eine Frau, die nachhaltige Mode aus Aachen heraus designt und verkauft.
Die Menschen hier kennen sich und grüßen sich. Kinder spielen im Wendehammer nachmittags und Blumenkästen stehen auf manchen Erdgeschoss-Fensterbrettern. „Ah, die Geschenke-Straße“, sagte letztens ein Kind, das neben seiner Mutter durch die Straße ging – weil auf den Bänken in der Straße häufig Dinge zum Mitnehmen liegen.
Hast du Lust bekommen, auch deine Straße zu beleben? Das ist nicht jahreszeitenabhängig, du kannst dir für jeden Monat etwas ausdenken.
Los geht es mit deinen eigenen Ideen
Hast du auch Lust, deine Straße ein bisschen bunter zu machen? Du musst nicht warten, bis die Erwachsenen etwas planen – du kannst selbst loslegen! Genau wie Ida kannst du ganz einfach damit anfangen, einen handgeschriebenen Zettel mit deinem Plan an einen Baum oder eine Pinnwand zu hängen und nach Mitstreitern zu suchen. Ida schreibt übrigens bei manchen Dingen explizit dazu: „Erwachsene dürfen nicht mitmachen!“, zum Beispiel beim Weihnachtsmarkt der selbstgebastelten Sachen. Vielleicht hast du auch auf etwas ganz anderes Lust, zum Beispiel auf eine Kreidegalerie, bei der die ganze Nachbarschaft den Asphalt in ein Kunstwerk verwandelt? Oder: Schnapp dir Kreide und male einen Parcours für alle. Wer hier entlanggeht, muss hüpfen oder auf einer Linie balancieren.
Noch eine Idee: Wie wäre es mit einer Tauschkiste für gelesene Comics oder Spielzeug, das du nicht mehr brauchst? Frag deine Eltern, ob ihr eine Kiste vor die Tür stellen dürft. Oder du organisierst eine kleine Tauschstation für gelesene Comics direkt vor deiner Haustür. Das Wichtigste ist, einfach loszulegen und die grauen Flächen vor der Tür in deinen eigenen Spielraum zu verwandeln, denn oft warten die anderen Kinder in deiner Straße nur darauf, dass endlich jemand eine Aktion startet.
Habt ihr bereits eine aktive Nachbarschaft, in der Projekte laufen? Dann sind vielleicht diese zwei Nachbarschaftswettbewerbe etwas für euch:
kingkalli.de/nachbarschaftswettbewerbe/
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