Jede Spielzeit inszeniert GRETA zwei Stücke für Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufen I und II. Die Themen Inklusion und Verantwortung für das eigene Handeln stehen im Zentrum der Stücke der aktuellen Spielzeit. Die Corona-Maßnahmen und die vorübergehende Einstellung des Spielbetriebs an Theatern haben auch für das junge Grenzlandtheater zu Planungsumstellungen geführt. Theaterpädagogin Claudia Döhmen berichtet im Gespräch von den Herausforderungen einer Spielzeit unter Corona-Bedingungen und erzählt, warum die Wahl auf die Stücke „Patricks Trick“ und „SOPHIE & ICH“ gefallen ist.
„Wenn zwei Menschen sich begegnen, dann ist immer Magie im Spiel. Ich weiß nicht, was in deinem Kopf vorgeht, und du weißt nicht, was in meinem Kopf passiert. Trotzdem können wir beide etwas miteinander anfangen“ – so heißt es in einer Szene in „Patricks Trick“, einem Stück von Kristo Šagor, in dem es einerseits um Andersartigkeit, die Frage nach dem, was „normal“ ist, und gleichzeitig um Gemeinsamkeiten geht. Aspekte, die im Schulalltag und unserer Gesellschaft von großer Bedeutung sind.
Beim Belauschen eines Gesprächs zwischen seinen Eltern erfährt der junge Patrick, dass er einen behinderten Bruder bekommen wird. Was aber genau bedeutet das? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wendet Patrick einen Trick an: Er unterhält sich mit seinem ungeborenen Bruder und sucht Rat, um zu verstehen, was es bedeutet, ein Mensch mit Behinderung zu sein, und wie er seinem Bruder helfen kann. Aus der kindlichen Perspektive werden die Themen Behinderung, Inklusion und die Bedeutung von Sprache behandelt. Dabei war es wichtig, nicht mit einem erhobenen Zeigefinger an die Fragestellungen heranzugehen, so Claudia Döhmen, sondern humorvoll und im leichten Ton die Kinder abzuholen und so gängige Klischees und Verunsicherungen rund um das Thema Behinderung aus der Perspektive eines Heranwachsenden zu schildern.
Durch Corona wird GRETA zu einem mobilen Theater
Eigentlich sollte das Stück „Patricks Trick“ bereits am 18. März seine Premiere feiern, doch kurz vorher wurde das öffentliche und auch das kulturelle Leben durch die Maßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie zeitweilig komplett auf Eis gelegt. Irgendwann im Mai habe man sich dann eine alternative Herangehensweise überlegt, um das Stück unter den neuen Corona-Bedingungen aufführen zu können, berichtet Theaterpädagogin Claudia Döhmen. Normalerweise spielt GRETA an vier festen Spielorten: im St.-Michael-Gymnasium in Monschau, im Energeticon in Alsdorf, im Kulturzentrum Frankental in Stolberg und an einer ausgewählten Aachener Schule. Dann kommen drei bis fünf Schulklassen aus Aachen und der StädteRegion, deren Schulen über die Bildungszugabe eine Vorstellung beantragt haben, zu den genannten Aufführungsorten. Da Schulklassen aber momentan keine externen Veranstaltungen besuchen dürfen, hat man das Konzept einfach umgedreht. Jetzt besucht das junge Grenzlandtheater die Schulen und führt das Stück vor Ort für die Schüler und Schülerinnen auf, deren Schulen sich bereiterklärt haben, als Gastgeber für die Aufführung zu fungieren. So konnte „Patricks Trick“ am 25. August am St.-Ursula-Gymnasium Premiere feiern, und GRETA hat seitdem bereits mehrmals die Zelte abgebrochen, um zur nächsten Schule weiterzuziehen.
Doch auch in der Inszenierung selbst waren die Corona-Verhaltensregeln präsent. Im Stück kommen emotionale Szenen vor, in denen sich die Schauspieler bei einer Umarmung nähergekommen wären. Durch die Corona-Brille habe dies jedoch nicht richtig gewirkt, sodass man die Corona-Regeln spielerisch eingebaut hat: Statt einer richtigen Umarmung gibt es nur eine symbolische Umarmung mit Abstand. In einer Szene, die in einer Schule spielt, hat man Desinfektionsspender aufgestellt, mithilfe derer sich die Darsteller regelmäßig die Hände desinfizieren, und in der Szene eines Boxkampfes setzen die Darsteller Mund- und Nasenschutz auf. Dieses spielerische Berücksichtigen der Corona-Thematik und der geltenden Schutzmaßnahmen kam bei den Kindern gut an, erzählt Claudia Döhmen.
„SOPHIE & ICH“ – ein Stück über Entscheidungen, Konsequenzen, Verantwortung und Mut
Für die Sekundarstufe II wird in dieser Spielzeit ein Stück inszeniert, welches das Thema Verantwortung für das eigene Handeln in den Fokus rückt. Widerstandskämpferin der Weißen Rose, Sophie Scholl, und Hitlers Privatsekretärin, Traudl Junge, haben zwar Biografien, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch haben sie ein Parallelleben zur selben historischen Zeit in derselben Stadt geführt. Sie sind sich nie begegnet, aber was wäre, wenn sie sich begegnet wären oder gar befreundet gewesen wären? Dieses Was-wäre-wenn-Szenario ist Ausgangslage des Stücks „SOPHIE & ICH“ von Ursula Kohlert. In drei Zeitabschnitten wird die fiktive Entwicklung der Freundschaft zwischen den beiden jungen Frauen entworfen: Die erste gemeinsame Zigarette besiegelt die Freundschaft, der Krieg bedeutet, die ersten großen Verluste verarbeiten zu müssen, die Nachkriegszeit erlebt nur eine der beiden – doch bleibt Sophie lebendig durch fiktive Gespräche und in Traudels Träumen, in denen Sophie jeweils als Anklägerin auftritt, aber zugleich auch Freundin bleibt.
Nächstes Jahr am 9. Mai jährt sich der Geburtstag von Sophie Scholl zum hundertsten Mal. Umso mehr ein Anlass, sie ins Zentrum der Spielzeit zu stellen. Pädagogisch wird im Begleitmaterial, das es zu jedem Stück gibt, das Thema NS-Widerstand in Aachen thematisiert, um den regionalen Bezug für die Jugendlichen herzustellen. Auch konnte man das Geschwister-Scholl-Gymnasium als Premierenschule für den 19. Februar 2021 gewinnen.
GRETA bietet zu jedem Stück Begleitmaterial an und ebenso Vor- und Nachgespräche mit den Schauspielern und Schauspielerinnen sowie mit der Theaterpädagogin. Neu im Programm ist GRETA-GO, die mobile Theaterwerkstatt für den Unterricht als praktische Ergänzung zum Begleitmaterial.
Mehr Infos: grenzlandtheater.de/theater/greta-das-junge-grenzlandtheater
Spieltermine:
„Patricks Trick“ ist nicht mehr buchbar.
„SOPHIE & ICH“ (auch als Gastspiel buchbar):
Aachen, Geschwister-Scholl-Gymnasium: 19.02.-05.03.2021, 11:00 Uhr
Alsdorf, Energeticon: 08.-10.03.2021, 11:00 Uhr (am 09. & 10.03. zusätzlich um 13:00 Uhr)
Stolberg, Kulturzentrum Frankental: 15.-18.03.2021, 11:00 Uhr (am 17.03. zusätzlich um 13:00 Uhr)
Monschau, St.-Michael-Gymnasium: 23.-25.03.2021, 11:00 Uhr (am 25.03. zusätzlich um 13:00 Uhr)
Weitere Informationen sowie überregionale Buchungen: Claudia Döhmen, Theaterpädagogin
0241 4746117, greta@grenzlandtheater.de
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