Vorab vielleicht das Wichtigste: Die Gamescom 2013 ist ausverkauft. Wer noch kein Ticket besitzt, sollte von der Idee eines Spontanbesuchs in den verbleibenden zwei Tagen direkt Abstand nehmen.
Wir waren heute acht Stunden vor Ort und haben auch die großen Schlangen enttäuscht Wartender vor der Halle gesehen – das sollte man sich besser ersparen und dafür im nächsten Jahr frühzeitig Tickets besorgen.
Aufgebrochen sind wir heute Morgen mit dem Zug aus Aachen – das Gamescom Ticket ist gleichzeitig Bahnkarte von Düren bis Köln. Bis Düren können Schüler das School & Fun Ticket nutzen, wer kein Ticket hat muss bis Düren eins lösen.
Der ganze Zug schon voller Jugendlicher, die sich ebenfalls auf den Weg nach Köln machen. Zwei Jungs neben uns haben verschlafen und ihre Kumpels verpasst, die nun bereits mit Ticket nach Köln gefahren sind. Die Sorge um Ärger mit dem Schaffner ist groß – doch dieser reagiert heute kulant, glaubt die Geschichte vom vorgereisten Ticket und verhängt keine 40 Euro Strafe. Großes Aufatmen.
In Deutz ist bereits die Hölle los, Menschen strömen zum Messegelände. Viele warten auch bereits im Bereich für Angereiste ohne Ticket. Wir haben Gutscheine, gehen erstmal fälschlicherweise direkt zum Eingang. Also wieder zurück, Gutschein in Ticket umtauschen. Dennoch geht hier alles zügig voran.
Auf dem Gelände weisen Ordner der Weg. Die direkte Strecke über die Treppe in die Messehallen ist gesperrt, der Besucherstrom wird über das Außengelände umgeleitet.
Sofort denkt man an die Loveparade – offenbar wurde inzwischen einiges gelernt, was Zu- und Rückwege bei Großveranstaltungen betrifft – wir werden es heute noch bei weiteren Gelegenheiten bemerken, denn hin und wieder staut es sich auf dem Hauptweg zwischen den Hallen. Zu jeder Zeit sind jedoch Ordner vor Ort, die entsprechend reagieren und die Menge wieder entzerren.
Einige Besucher haben jetzt schon die Altersbändchen am Arm, die junge Besucher aus Jugendschutzgründen tragen müssen, wenn sie an die Spiele heranwollen.
Wir haben keine Bändchen – verpasst! Wem es so geht wie uns: in Halle 6 kann man ebenfalls noch Bändchen besorgen.
Der erste Eindruck: Wir befinden uns auf einem großen Festival, nur geht es hier nicht um die Musik. Das Publikum ist jung, großteils zwischen 16 und 30. Ältere sieht man nur vereinzelt, ebenso Familien mit kleinen Kindern. Sie sind hier, dominieren aber nicht das Bild. Kids bis ca. 14 Jahren befinden sich in Begleitung Erwachsener (auch wenn diese auf dem Gelände dann eigene Wege gehen).
Wir erreichen die Hallen 6 bis 9, in denen die großen und kleineren Spieleanbieter ihr Angebot präsentieren. Vor den Ständen sind kurze bis sehr lange Schlangen. Dennoch nehmen es zahlreiche Besucher in Kauf zu warten, bis sie ein Spiel testen können – teilweise dauert die Wartezeit bis zu 2 Stunden. Deswegen haben sich Gamescom-Kenner auch eigene Hocker und Sitzgelegenheiten mitgebracht, um es sich gemütlich zu machen.
Überhaupt gibt es hier anders als bei Konzerten keinerlei Einschränkungen, was das Mitbringen von Gegenständen, Taschen, Verkleidungsutensilien, Essen oder Trinken anbelangt.
Richtig voll ist es in Halle 8. Riot Games, mit dem Spiel League of Legends führend im E-Gameing Sektor, veranstaltet während der gesamten Gamescom gleich mehrere Turniere.
Unter anderem kämpfen die besten europäischen Teams um einen Platz in der Qualifikation für die nächste Saison. Außerdem findet die Qualifikation für die Weltmeisterschaft statt. Gestartet haben die EU Play-offs heute, wobei Sonntag erst endgültig geklärt wird, wer letzten Endes nach Los Angeles fliegen und an der Weltmeisterschaft teilnehmen wird.
Die Riot Games Area hat hunderte junger Menschen angezogen, die die Spiele über große Leinwände verfolgen.
Hinter Halle 8 befindet sich der Außen-Funbereich. Bei strahlendem, fast schon zu heißem Wetter wird hier heute im Beachclub gechillt, Beachvolleyball gespielt, geklettert und Musik gehört.
Überall friedliche, freundliche Stimmung. Gereizte Menschen trifft man den ganzen Tag nicht auf dem Gelände. Auch die Warnungen „Achtung, überall nur ungeduschte, miefende Nerds, die kein Deo kennen“, kann ich gar nicht bestätigen.
Ich sehe eher angenehme, neugierige und gut gelaunte Jugendliche und junge Erwachsene, die sich an der positivem Stimmung und den Angeboten erfreuen.
Viele sind verkleidet gekommen und posieren bereitwillig in ihren Cosplays und lassen andere Besucher Fotos machen.
Ja, eigene Kameras sind hier ebenfalls in jeder Form erlaubt und es wird mehr als eifrig davon Gebrauch gemacht.
Einen Treffpunkt haben die Cosplayer in Halle 10.1.
In einer Cafeteria treffe ich auf Maren (16), Susann (16), Sebastian (17) und Fiona (17). Die vier sind Fans der Spiele von Daedalic Entertainment und haben sich entsprechend vorbereitet. Fiona ist heute als „Edna“ (Edna bricht aus) unterwegs, Susann als „Lilli“ (Harveys neue Augen). Sie haben Harvey Kuscheltiere dabei und ein rosa Einhorn.
Die vier Freunde teilen die Leidenschaft für Computergames und sind bereits den zweiten Tag auf der Messe. Ihre Kostüme haben sie – so wie fast alle Cosplayer – natürlich selber zusammengestellt.
Auf der Gamescom gefällt ihnen die Stimmung. Sie sind einfach zum „Schauen“ hier, stellen sich selber nicht bei den Games an.
Die Preise finden sie für Schüler sehr moderat, kostet doch das Tagesticket für Schüler nur 6,50 Euro. Da sie aus der Eifel kommen ist die Fahrt ab Düren ebenfalls für sie enthalten. Auch das Essen ist nicht zu kostspielig. Ein bisschen zu trinken sollte man an heißen Tagen aber auch selber schon mitbringen.
Außer der Cosplay Area gibt es in Halle 10 einen Indoor-Funbereich mit menschlichem Kicker, Skaterbahn und vielen weiteren Spielen, außerdem einen Bereich mit alten Konsolen und Computerspielen wie Tetris oder Pacman.
Und auch die Speaker-Area ist hier, mit Rahmenprogramm und Fachvorträgen.
Bischen dröge, befürchte ich, als ich zum Vortrag der RWTH Aachen gehe und überlege, ob wohl jemand da sein wird. Jedoch wieder eine Fehleinschätzung. Die rund 50 Plätze vor dem Rednerpult sind belegt und alle Jugendlichen hörten sich den kompletten Vortrag zum Thema „Studium Computergrafik an der RWTH Aachen“ an. (Infos: www.graphics.rwth-aachen.de)
Noch einmal mache ich mich auf den Weg quer durch die Hallen. Um 17 Uhr ist schon deutlich weniger los.
Wie ich erfahre, haben sich ein paar let’s player (Minecraft) im Funbereich hinter Halle 8 eingefunden. Auch hier erlebe ich fröhliche, ausgelassene, freundschaftliche Stimmung. Die let’s play Stars wie „unbespielt“ lassen sich von ihren Fans feiern, geben Autogramme und lassen sich gemeinsam mit den angereisten Jugendlichen fotografieren. Die Infos zu diesem Zusammentreffen hat ungespielt übrigens kurzfristig über youtube und facebook rausgeschickt.
Ein gelungener, spannender Tag, an dem man tatsächlich nicht mehr als einen ersten Eindruck gewinnen konnte. Wer tiefer einsteigen und selber Neuerungen testen will, muss mehr Zeit mitbringen.
Und trotzdem nicht vergessen: Dies ist eine Großveranstaltung und kein lauschiger Familienevent.
Die KingKalli-Altersempfehlung: ab ca. 14 (+/-2) Jahren lohnt sich ein Besuch.
Infos:
Die Gamescom in Deutschland ist die weltgrößte Messe für interaktive Unterhaltungselektronik, insbesondere Video- und Computerspiele. Zahlreiche Hersteller aus aller Welt präsentieren neue Unterhaltungssoft- und -hardware. Die Messe findet seit 2009 in Köln statt und zieht 275.000 Besucher. 2013 war die Messe bereits im Vorfeld ausverkauft, die Ticket-Page der Kölnmesse war in den Tagen unmittelbar vor und während der Veranstaltung überlastet und nicht mehr aufrufbar.
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