Mein Freiwilligendienst: Transport und Reisen in Togo

in Von und für Jugendliche

Die Hälfte meines entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes ist vorbei. Verglichen mit dem Anfang ist vieles, was zu Beginn ungewöhnlich und teilweise auch sehr herausfordernd war, zum Alltag geworden. Vor allem nach meinen Reisen und Ausflügen fühlt sich das Zurückkehren nach Kpalimé schon sehr nach Heimkommen an. Zu Beginn rief vor allem der Transport viel Verwunderung bei mir hervor. Vorher war mir nicht bewusst, dass ein Fünfsitzer auch wesentlich mehr Personen transportieren kann. Der bisherige Rekord beträgt elf Personen. Wie das geht? Zunächst einmal passen zwei Personen auf den Beifahrersitz bzw. eine von beiden passt auf die Handbremse. Auf der Rückbank können problemlos vier Menschen Platz nehmen, zuzüglich eines Kindes auf Mamas Schoß – so spart man sich auch die Airbags und Sicherheitsgurte, da jeder sehr gut fixiert ist. Der Kofferraum und oft auch das Dach werden häufig für den Transport von Yams (das ist eine kartoffelartige Wurzelknolle, deren Form der Zuckerrübe ähnelt), Mais und Reis verwendet. Wenn der Kofferraum frei ist, ist dort Platz für drei weitere Personen. Das kann manchmal unbequem werden, lässt sich auf kürzeren Strecken aber mittlerweile ganz gut aushalten. Manchmal klappern die Autos, die schon einige Jahre keinen TÜV mehr gesehen haben, an vielen Stellen. Trotz teils sehr hoher Beladung habe ich aber bisher noch keins auseinanderfallen sehen. Erstaunlich zu sehen, welche Autos immer noch fahren können. Auf längeren Strecken kommen für den Transport Autos, Tro-Tros (Kleinbusse) und Lkw zum Einsatz. Besonders in der Stadt eignen sich Motorräder nicht nur für den Personentransport, sondern auch zur Lieferung von Nahrungsmitteln, Matratzen und Baumaterial. Das Motorradtaxi ist innerstädtisch das beliebteste Fortbewegungsmittel, da sich nur wenige Menschen ein eigenes Fahrzeug leisten können und es pro Strecke maximal 50 Cent kostet. Darüber hinaus müssen viele junge Togoer auf den Job als Motorradtaxi-Fahrer zurückgreifen, da kein Geld für Ausbildung und Studium vorhanden ist oder keine andere Arbeit gefunden werden kann. Selbst nach dem teuren Studium sind die Jobaussichten sehr ungewiss. Viele Menschen in Kpalimé arbeiten deswegen in den zahlreichen Lebensmittelläden, auf dem Markt oder im Gastronomiebereich. Am meisten beeindruckt es mich, welche Lasten auf dem Kopf transportiert werden, ohne dass etwas herunterfällt. Das geht von Maissäcken über Baumstämme bis hin zu 30-Liter-Wasserkübeln.

Meine erste große Reise in den Norden Togos liegt schon mehrere Monate zurück. Zunächst fuhr ich in Togos drittgrößte Stadt Kara. Dort ist das Klima heißer und trockener als in Kpalimé. Dennoch ist auch Kara sehr grün und bekannt für den Anbau von Yams, Baumwolle, Erdnüssen und Früchten. Die leicht hügelige und von hohem Gras und niedrigen Bäumen und Sträuchern gesäumte Landschaft gefiel mir besonders gut. Beeindruckend ist, dass auch mitten auf den Hügeln in harter und trockener Erde Landwirtschaft betrieben wird. In Kara sind die Kabyés, eine der größten Ethnien Togos, beheimatet, deren gleichnamige Sprache aber nur einen Bruchteil der rund 50 Sprachen Togos ausmacht. Auf dem Rückweg machte ich halt in Sokodé. An den vielen Moscheen kann man direkt erkennen, dass Sokodé stark muslimisch geprägt ist.

 

Meiner Erfahrung nach unterscheidet sich das Stadtbild in Togo von Stadt zu Stadt nur gering. Die Häuser sind meist einstöckig und in einem Viereck angeordnet, sodass sich in der Mitte ein Innenhof befindet, der Platz für fast alle alltäglichen Arbeiten bietet. Außerdem sind die Städte weitläufig und von vielen Pflanzen durchzogen, die natürlich gewachsen sind und der Stadt ein schönes, grünes Bild geben. Insgesamt ist Togo sehr grün. In der Trockenzeit, die nun endet, kommt es aber häufiger zu kleinen Wald- und Buschbränden, die allerdings recht schnell wieder von selbst ausgehen – eine Feuerwehr gibt es ohnehin nicht. Gerade bin ich von meiner Ghanareise zurückgekehrt. Dort habe ich schöne Orte in der Natur rund um den Voltafluss, den tropischen Wald und einen gewaltigen Wasserfall gesehen. Außerdem war ich in vielen schönen Küstenstädtchen, die mich schon eher an Europa erinnerten. Die Straßen sind viel häufiger asphaltiert als in Togo, und die meisten Ghanaer/-innen nutzen sogenannte Share-Taxis oder Tro-Tros, die entlang der größeren Straßen fahren und zu kleinem Preis Mitfahrer/-innen aufsammeln. Motorradtaxis sind eher selten. Grundsätzlich scheint der Lebensstandard höher zu sein als in Togo. Insbesondere in Ghanas Hauptstadt Accra gibt es häufig mehrstöckige Häuser, Fastfoodketten und sogar eine Mall. Accra ist auf den ersten Blick wie eine europäische Großstadt. Nach einem halben Jahr war gerade die Mall für mich wie eine bekannte, aber andere Welt. Auf den Märkten, am Streetfood und an der Offenheit und Hilfsbereitschaft der Ghanaer/-innen konnte ich allerdings Togo eindeutig wiederfinden. Auch wenn Togoer und Togoerinnen meiner Meinung nach etwas aufdringlicher sind.

Im Grunde genommen muss man sich aber gar nicht auf weite Reisen begeben. Kpalimé ist vor allem dank ihrer atemberaubenden Natur eine touristisch beliebte Stadt. Es gibt viele Wasserfälle, die mitten im tropischen Wald und umringt von Felsen ein ganz besonderes Erlebnis bieten. Kpalimé liegt in der Plateaux-Region. Ganz in der Nähe befindet sich der Mont Agou, der mit 986 Metern der höchste Berg Togos, aber nicht der einzige in der Region ist. Besonders spannend finde ich, die vielen Dörfer zu sehen, die mitten im Gebirge liegen und häufig nur durch Motorräder beliefert werden und sich selbst versorgen. Ich freue mich schon darauf, in der zweiten Hälfte meines Freiwilligendienstes weitere Dörfer und Orte in der Natur zu entdecken und so noch weiter in die togolesische Kultur einzutauchen. Bis zum nächsten Mal

Euer Franz

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