Man steht schon am Herd, aber hat ein paar Zutaten oder den Nachtisch vergessen? Die Freundinnen kommen spontan zum Bachelor-Abend, aber der Batida ist aus? Die Kinder sind krank oder in Quarantäne und man kann sie nicht alleine lassen, müsste aber einkaufen gehen? Kein Problem: Per Flink-App bestellt man das Fehlende, legt 1,80 Euro Liefergebühr obendrauf und spätestens nach zehn Minuten nimmt man das Gewünschte aus dem pinken Rucksack des Flink-Radkuriers entgegen. Einkaufen anno 2021!
Überall hängen derzeit die Plakate des neuen Lieferdienstes und die Social-Media-Kanäle werden ebenso mit Werbung geflutet. Das Konzept scheint aufzugehen: Wie die flinken Bienchen schwärmen sie nahezu im Minutentakt aus – die neuen „Rider“ in unserer Nachbarschaft, die aus einem lange leerstehenden und jetzt umgebauten Ladenlokal in Burtscheid Einkäufe per Elektrobike zur Kundschaft transportieren.
Den Einkauf revolutionieren
Flink ist ein sogenannter Blitz-Lieferdienst, der den Einkauf innerhalb von zehn Minuten nach Hause liefert – quasi ein mobiler Supermarkt, wodurch vom Snack bis zum Wocheneinkauf alles ganz wie von alleine nach Hause kommt. Das Sortiment besteht aus mehreren tausend Produkten, Marken, lokalen und frischen Artikeln. Durch dezentrale Standpunkte, E-Bikes und maximal zwei Kilometer Lieferradius wird die Lieferzeit von zehn Minuten garantiert. Seit Neuestem ist dieses Angebot außer in über 30 anderen Städten auch in Aachen verfügbar. Geliefert wird im gesamten Innenring, in Burtscheid und Teilen des Süd- und Ostviertels. Nächste Woche wird ein weiterer Standort in der Vaalser Straße hinzukommen und damit ein weiteres Liefergebiet erschlossen.
Das Sortiment ähnelt dem des Supermarkriesen REWE, denn Flink kooperiert seit Juni mit der großen Supermarktkette. Der Lieferdienst wird exklusiv mit REWE-Produkten versorgt – täglich liefern die Lkws Ware an. Laut Aussage des REWE-Chefs Souque wird REWE einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass Flink zur Nummer eins in seinem Segment in Deutschland wird.
Unsere Recherche im lokalen REWE-Markt Stenten am Krugenofen hat allerdings ergeben, dass dort über eine Kooperation mit Flink nicht informiert wurde: „REWE hat investiert, aber leider ist aktuell keine Zusammenarbeit geplant“, so Max Stenten. So sei Flink zumindest in Aachen Konkurrenz für den hauseigenen Lieferdienst: „Auf eine Anfrage haben wir die Antwort bekommen, dass Flink sich eine Kooperation mit REWE Stenten nicht vorstellen können“, bedauert Max Stenten. Und auch die Flink-Zentrale in Berlin möchte die Handelsbeziehungen zu REWE auf Anfrage nicht näher kommentieren.
Das Flink-Konzept entstand aus dem Hamburger Start-Up „Pickery“ – anfangs wurde die Ware noch von den Fahrerinnen und Fahrern im Hamburger Supermarkt besorgt – und ging Anfang 2021 auf den Markt; beinahe zeitgleich mit der Konkurrenz „Gorillas“. In Pandemie-Zeiten passte es perfekt zu den Maßnahmen, so kann man sich in der Quarantäne Lebensmittel liefern lassen, ohne Verwandte, Freunde und Nachbarn zu bemühen, oder kann sich von Menschen fernhalten, wenn man auf Kontakte verzichten will. Die Gründer sind überzeugt, dass das Konzept auch ohne Lockdown-Bedingungen funktionieren wird: „Unser Ziel ist es, die Art, wie wir einkaufen, zu revolutionieren“, so Simon Birkenfeld von der PR-Abteilung in Berlin auf unsere Nachfrage. Außer mit REWE will man mit lokalen Partnern kooperieren – regionale Produkte sollen ins Sortiment inkludiert werden. Jetzt schon gebe es an jedem Standort auch eine Vereinbarung mit den lokalen Tafeln, damit diese ungenutzte Produkte weiterverwenden können, erklärt Simon Birkenfeld.

Mitarbeiterzufriedenheit
Die „Picker“ und „Rider“ – Mitarbeitende im Lager und in der Zustellung – werden laut Simon Birkenfeld über Tarif bezahlt und dürfen laut PR-Abteilung darüber hinaus sowohl einen Mitarbeiterrabatt auf Einkäufe nutzen als auch das jeweilige Trinkgeld behalten. Auch auf soziale und arbeitsrechtliche Faktoren soll Wert gelegt werden.
Das bestätigt der Aachener Hub-Manager Artur Ohl beim Ortstermin in Burtscheid. Um die Zufriedenheit der Crew zu gewährleisten, gibt es einen lokalen Rider-Captain, an den sich Fahrer und Fahrerinnen bei Problemen wenden können. Bevor jemand eingestellt wird, testen die Interessierten die Räder und Lasten aus, nicht alle kommen damit gleich gut zurecht. So besteht das Aachen-Team bislang hauptsächlich aus Männern. Monica, die beim Fototermin dabei ist, ist bislang die einzige weibliche Riderin. Transportiert werden auf dem Rücken bis zu zehn Kilo, dass es nicht mehr wird, wird bei der Annahme der Bestellungen digital erfasst. Wird das Maximalgewicht überschritten, fahren mehrere Rider los. Natürlich gebe es auch Tage, die nicht allen Spaß machten, zum Beispiel wenn im strömenden Regen gefahren werden müsse, so Ohl. Bei Glatteis werden die Hubs übrigens geschlossen – die Sicherheit der Fahrerinnen und Fahrer gehe immer vor.
Dass es im Netz auch negative Rückmeldungen von Ridern gibt, motiviert ihn eher, noch mehr zu geben. „Wir wollen, dass alle glücklich beim Kunden ankommen“, so Artur Ohl. „Und wir lernen jeden Tag dazu.“ Man nimmt ihm diese Aussage gerne ab.
Gewaltige Nachfrage
Besonders freut er sich über die positiven Rückmeldungen von Kunden und Kundinnen. „Die Nachfrage in Aachen ist gewaltig“, berichtet er, der sich auch um die Hub-Eröffnung in der Vaalser Straße kümmert. „Neben vielen positiven Kommentaren, aber auch Wünschen, was wir noch ins Sortiment aufnehmen sollen, haben wir auch schon richtig lange Nachrichten bekommen, zum Beispiel von alleinerziehenden Müttern oder Menschen, die nicht mehr gut tragen können und die uns erzählt haben, wie sehr wir ihr Leben erleichtern“, freut er sich über motivierendes Feedback.
Massimo, der im passenden Lieferradius wohnt, hat den Service schon ausprobiert. Beim Kochen in der WG-Küche war ihm aufgefallen, dass noch Zutaten für das geplante Gericht fehlen. „Acht Minuten später war alles da“, zeigt er sich sehr zufrieden mit dem Lieferdienst.
Wir sind gespannt auf die weiteren Entwicklungen des Start-ups! Für das Aachen-Team werden derzeit ständig weitere Fahrer und Fahrerinnen gesucht.
Text: Birgit Franchy & Lena Jansen (Praktikum)
Hey! Wir warten bis ihr auch in Richtericher liefert! Wir werden uns freuen