Fithe aus Ostbelgien: „Matze, die kleine Miezekatze“

Foto: Birgit Franchy

In einem kleinen Haus lebt eine einsame Frau, die nicht mehr alleine sein möchte. Eines Tages läuft ihr das junge Kätzchen Matze zu. Doch anfangs ist die Frau nicht so begeistert von ihrem neuen Freund. Werden die beiden sich noch liebgewinnen? – Diese Geschichte erzählt das neue Stück „Matze, die kleine Miezekatze“, aufgeführt von dem ostbelgischen Theaterensemble Fithe. Hierfür haben wir mit dem Regisseur Tim Velraeds sowie der Puppenspielerin Olga Blank gesprochen. Beide empfingen uns im gemütlichen Chaos ihres Proberaums im ehemaligen Grenzhäuschen in Kelmis zwischen allerlei Werkzeugen, selbstgebauten Kulissen und niedlichen Katzenhandpuppen.

Fithe ist ein deutschsprachiges Figurentheater, das im Jahr 2016 von Heinrich Heimlich gegründet wurde. Heinrich Heimlich genießt seit 30 Jahren eine gute Reputation als Figurentheaterspieler, sodass Fithe eins von drei Theatern in Ostbelgien ist, das finanziell vom Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft gefördert wird.

Das neue Stück ist nun erstmalig von Olga Blank, die mit „Der Löwe und die Maus“ ihre Premiere bei Fithe hatte, und Regisseur Tim Velraeds erdacht, denn Fithe möchte expandieren und neue Puppenspieler ins Team holen. Blank und Velraeds lernten sich auf einem Festival in Amsterdam kennen.
Tim Velraeds’ Liebe fürs Theater hält schon seit seiner Kindheit an, das Puppenspiel entdeckte er für sich, als er mit seinen Großeltern Stücke einer kleinen Landbühne besuchte, die mit ihrem Kartontheater herumtourte. „Ich finde vor allem die Verbindung von Kunst und Handwerk, also die vom Bauen und Beleben der Puppen, so spannend“, so Velraeds leidenschaftlich. Schon seit 18 Jahren ist der studierte Puppenspieler und Theatermacher beim Straßentheater aktiv und arbeitet auch für das niederländische Fernsehen.

Das Beleben der Figuren ist die Aufgabe von Olga Blank, die mit „Matze, die kleine Miezekatze“ ihr erstes Solostück aufführt. Gegenüber der Tanzkunst, dem Bereich, aus dem sie ursprünglich kommt, fasziniert die Künstlerin hier das „mit Sachen spielen“, wie zum Beispiel das Miteinbeziehen der Bühne ins Stück.
Das Bühnenbild ist aus eigener Hand und mit viel Mühe gebaut worden. Das gemütliche Wohnzimmer der einsamen Frau besteht aus bunt zusammengewürfelten Stücken: Eine selbstgehäkelte Decke liegt zwischen Wollknäueln auf einer neu bezogenen Vintage-Couch. Auch bei der Kulisse fürs Schattenspiel wurde bei der Konstruktion mit viel Liebe aufs Detail geachtet. Was immer sie sich in den Kopf setzen, Blank und Velraeds machten es möglich, selbst wenn die komischsten Materialien benötigt werden: alte Fahrradschläuche oder Spezialpappe, die normalerweise Architekten für ihre Modelle verwenden. Die Puppen hat diesmal Stefanie Czapla genäht, eine Künstlerin aus der Region, die heute in Leipzig lebt.

Für seine Auftritte packt das Fithe-Team all dies in sein kleines Auto und tourt zu Schulen und Kitas, wobei die beiden vor dem Spielen das Bühnenbild selbst aufbauen. Dass dies 2,5 Stunden in Anspruch nimmt, ist es ihnen wert. Blank unterstreicht, wie wichtig es sei, zu den Kindern in die Einrichtung zu kommen, denn viele würden sich sonst nie auf den Weg zu einem Theater machen: „Heute kostet ja schon ein Busticket so viel wie ein Theaterbesuch“, gibt sie zu bedenken. „Der Aufwand bedeutet uns viel, da unsere Stücke oftmals der erste Berührungspunkt für Kinder mit Theater ist. Deshalb geben wir uns so viel Mühe, den Auftritt zu einer wertvollen Erfahrung zu machen.“
Beide versuchen daher, das Erlebnis so persönlich und einzigartig wie möglich zu gestalten. Hierfür dürfen die Zuschauer auch hinter die Kulissen schauen. Dabei gibt es viele Aha-Momente, wie wir auch selber erfahren durften. Der Theaterbesuch kostet die Einrichtung nichts, da die Auftritte durch die Kulturförderung „Kultur macht Schule“ in Ostbelgien oder die „Bildungszugabe“ der StädteRegion Aachen finanziert werden (Link).

Wer das Stück mit Matze, der niedlichen Miezekatze, in seine Einrichtung holen möchte, bekommt Infos bei: fithe.be

Text: Birgit Franchy, Manuela Batlle und Lilli Wynands

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