Es klingt ein wenig altmodisch und ja, das stimmt auch – Filzen ist wahrscheinlich eine der ältesten Techniken der Welt, um Textilien herzustellen. Doch es lohnt sich, das Filzen von Schafwolle mit warmem Wasser und Seife mal selbst auszuprobieren. Zum Beispiel durch die Herstellung einer Fingerpuppe. Denn wenn durch Streicheln und Reiben aus der losen Wollfaser eine Gestalt wird, kann das mitunter zu einem meditativen Erlebnis werden, das nicht nur kleinen Filzern Freude bereitet. Und am Ende entsteht eine robuste und ausdrucksstarke Fingerpuppe – oder sogar eine ganze Bühnenshow.

Material
Um eine Fingerpuppe aus Filz herzustellen,
wird Folgendes benötigt:
• Merinowolle im Vlies
• Luftpolsterfolie
• Rutschfeste Folie für die Schablone
• Schere
• 1 Spritzflasche oder Kindergießkanne
• 1 Stück Seife
• 1 Schüssel
• 1 Handtuch
• 1 Filznadel
• 1 Schwamm als Nadelunterlage
• Klebeband
• Olivenseife
Tipp: Feine Merinowolle eignet sich am besten zum Filzen der Fingerpuppen. Für eine Figur werden circa 15 Gramm Wolle benötigt.
So geht’s – mit dieser Technik lassen sich die vielfältigsten Figuren filzen:
Die Arbeitsfläche mit Luftpolsterfolie auslegen (mind. 80 x 60 cm), die Ränder mit Klebeband fixieren. Die Folie sollte möglichst nicht mehr verrutschen, auch nicht, wenn man mit kräftigem Druck darüberreibt.
Nun wird zur Anfertigung der Schablone die rutschfeste Folie verwendet. Hierzu wird ein 8 bis 10 cm hoher und 4 cm breiter Umriss (ähnlich einer Spielfigur) aufgezeichnet, der danach mit der Schere ausgeschnitten wird.
Wenn das gewünschte Motiv für die Fingerpuppe feststeht, werden zuerst aus der noch trockenen Wolle alle relevanten Teile vorbereitet. Dazu gehören beispielsweise Flügel, Schnabel, Nase, Ohren, Schwanz oder Hörner. Für die Schnauze von einem Fuchs (wie in unserem Beispiel) wird etwas trockene Wolle vom Vlies abgetrennt und mit den Fingern zu einem Päckchen gewickelt, das der gewünschten Form ungefähr entspricht. Dann wird das Bündel mit der Filznadel bis zur gewünschten Form bearbeitet. Der Widerhaken an der Nadelspitze verhakt hierbei die Wollfasern ineinander und festigt den losen Filz. Hierfür einen Schwamm oder ein Stück Schaumstoff unterlegen, in das die Nadel eindringen kann, und immer senkrecht von oben in das Wollpäckchen stechen, weil die Filznadel sonst brechen kann. An den Stellen, wo die Körperteile später an die Figur gefilzt werden, bleiben die Fasern vorerst unbearbeitet (siehe Abbildung oben). Mit der Filznadel wird ausschließlich im trockenen Zustand gearbeitet.
Wenn die Einzelteile vorbereitet sind, kann mit dem Rumpf begonnen werden. Dieser wird mit der Technik des Nassfilzens hergestellt. Hierzu wird die ausgeschnittene Schablone, in die Mitte der Arbeitsfläche auf die Luftpolsterfolie gelegt und komplett mit Wollfilz bedeckt. Wollvlies hat mehrere Schichten, die sich durch Auseinanderziehen trennen lassen. Es sollten mindestens vier Schichten in verschiedenen Winkeln übereinandergelegt werden, damit der Filz später nicht zu dünn wird. An allen Rändern der Schablone sollte das Material mindestens einen Zentimeter überstehen. (Es wird später nach hinten umgeklappt und dient zur Befestigung der Rückseite.)
Nun kommt die Spritzflasche oder eine kleine Gießkanne mit warmem Seifenwasser zum Einsatz. Hierzu einen Teelöffel Seifenraspel von der Olivenseife abreiben, z. B. mit einer Käseraspel, in die Spritzflasche geben und mit sehr warmem Wasser auffüllen. Dann ein wenig Seifenwasser aus der Flasche auf die Wollschichten gießen, bis die komplette Schablone leicht benetzt ist. Die überstehenden Fasern sollten weniger nass werden. Nun die Wolle mit den Händen erst ganz sanft und, wenn sie schon etwas angefilzt ist, immer stärker in kreisenden Bewegungen reiben und drücken. Je nach Gefühl kann noch Wasser hinzugefügt oder mit Hilfe eines Frotteetuchs reduziert werden. Das gilt auch für die Verwendung der Seife. Aber bitte das Seifenstück nicht direkt über den Filz reiben, sondern erst die Hände einseifen und dann in kreisenden Bewegungen auftragen. Grundsätzlich gilt: nicht zu viel und nicht zu wenig Wasser und Seife verwenden. Was beim ersten Ausprobieren vielleicht noch schwierig erscheint, entwickelt sich mit der Zeit ganz von alleine. Das Gefühl sagt den Filzern meist nach ein paar Versuchen, wann mehr oder weniger Wasser nötig ist.
Ist die erste Seite verfilzt, kann die Schablone mitsamt der Wolle vorsichtig gewendet werden. Die überstehenden Ränder werden nach innen umgeklappt und die Rückseite wird wieder mit Wollvlies ausgelegt und genauso bearbeitet wie die Vorderseite. Dort, wo noch Teile (Ohren, Schnauzen etc.) angesetzt werden, sollte die Wolle noch etwas „roh“ bleiben, denn wenn sie schon dicht verfilzt ist, verbinden sich die Fasern später nicht mehr.

Bevor also alle Fasern eng verfilzt sind, werden die vorbereiteten Körperteile angesetzt und ebenfalls im Nassfilzverfahren befestigt. Auch hierbei wieder erst vorsichtig arbeiten, bis sich die Fasern verbinden. Wenn die Teile angefilzt sind, wieder stärker reiben, bis sich die neuen Teile genauso fest anfühlen wie der Körper. Jetzt darf auch immer wieder mit den Händen über die Ränder gerieben werden, sodass auch diese robust verfilzen. Am Ende, wenn sich alles schön fest anfühlt, darf die ganze Figur von beiden Seiten über die Luftpolsterfolie gerieben werden, bis alle Flächen und auch die Kanten kräftig verfilzt sind.
Mit der Schere wird nun die Unterseite der Figur aufgeschnitten und die Schablone herausgezogen. Jetzt kann mit den Fingern auch die Innenseite der Figur bearbeitet werden sowie der aufgeschnittene Rand. In diesem Zustand lässt sich die Figur mit den Fingern von innen ausbeulen und in Form ziehen. Aus der zweidimensionalen Form wird eine dreidimensionale Figur.
Sitzt alles und ist formschön und fest, wird die Seife mit klarem Wasser aus dem Filz ausgewaschen. Hierzu einfach die Filzfigur in die Schüssel mit Wasser tauchen und danach vorsichtig auswringen. Jetzt darf die Fingerpuppe auf einem Handtuch vollständig trocknen, bevor es weitergeht.
Ist das Püppchen vollständig trocken, kann mit der Gestaltung des Gesichts und der Feinheiten begonnen werden: für die Augen einfach zwei gleichgroße Kugeln formen und mit der Filznadel anbringen. In der gleichen Technik können Nasenlöcher, Mund und ein Fellmuster nachträglich aufgebracht werden. Die Details zum Schluss machen besonders viel Spaß, weil sie der Figur einen unverwechselbaren Charakter verleihen.

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