Fernsehen mit Mehrwert – Wissenssendungen für Kinder

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Kinder und das Fernsehen – schon immer eine zweischneidige Geschichte: fördernd oder schädigend? Wissenssendungen für Kinder gibt es heute einige, aber nicht jedes Format ist für jedes Kind geeignet, geschweige denn interessant. Und zu viel Fernsehen ist belegbar ungesund. Berieselung oder Aha-Effekt: Was macht eine gute Wissenssendung aus?
Das ist der Christian Dang-anh. Christian hat schon als Kind gerne ferngesehen, und heute schreibt er auch gerne. Zum Beispiel das Folgende. Ja, ich höre heute immer noch gerne Armin Maiwalds Stimme. Er und/oder Christoph Biemann haben mir damals erklärt, wie die Streifen in die Zahnpasta kommen! Und die Maus hat schon damals für mich mit den Augen geklimpert. Bis heute schnüffelt sie kurz (und klimpert), holt ein Werkzeug aus der Hosentasche, verändert oder benutzt es und schafft sich damit eine Lösung. Eine eigene, wenn auch manchmal etwas unkonventionelle. Aber sie kommt zum Ziel.

Einige Einspieler von Maus und Elefant, von Armin und Christoph kenne ich noch, und noch heute sehe ich sie gerne. Was vielleicht auch daran liegt, dass es daneben außer der Sesamstraße nur noch die Knoff-Hoff-Show gab. Jedenfalls ist da etwas hängen geblieben. Heute sieht die Fernsehlandschaft ganz anders aus, entsprechend viele Wissenssendungen für Kinder gibt es mittlerweile. Können die alle so gut wie die Maus sein? Was müssen Wissenssendungen für Kinder überhaupt leisten, um Spaß zu machen und gleichzeitig lehrreich zu sein? Um Neugier zu wecken und Erkenntnisse zu bringen?

Was muss das Fernsehen für Kinder leisten?

Das ist der Dr. Stefan Aufenanger. Stefan ist Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz. Bereits 2004 verfasste er ein Thesenpapier in der TelevIZIon, der Fachzeitschrift des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), mit dem Titel „Anregen statt vorgeben“. Darin lobt er zwar die „engagierten Redakteurinnen und Redakteure des Kinderfernsehens“, die in den vorangegangenen Jahren „eine wichtige Funktion des Fernsehens aufgegriffen und in Bezug auf die jugendliche Zielgruppe umgesetzt“ haben. Doch fehle es angesichts der enormen Rolle, die das Medium Fernsehen (und die Neuen Medien, auch wenn er hier das Internet nicht explizit nennt) als „zentrales Fenster zur Welt“ einnehme, das uns und unseren Kindern im Vergleich zu vorangegangenen Generationen die Welt viel näher bringe, an einem an diese schnelle Entwicklung angepasstes Konzept. Aufenanger schlägt vor, das Lernen zu lehren, um unsere Kinder zu befähigen, sich auf neue Situationen einstellen und mit Problemen umgehen zu können. „Umgang mit Krisen statt Erlernen von Routinen, wie es meist noch in der Schule vermittelt wird, ist hier ein bedeutendes Lernziel. Genau an diesem Punkt sollten die Medien in ihrer Vermittlung und Darstellung von Welt anknüpfen.“ Zudem definiert er den Begriff der Wissenssendung genauer: „Informationen fehlt der Bezug zur Lebenswelt der kleinen Rezipienten. Wissen ist mit Sinn und Kontextbezug versehene Information.“
Etwas grundsätzlicher gefragt: Was muss das Fernsehen für Kinder tun, um zu fördern, statt zu schädigen? Das ist Dr. Maya Götz. Die Maya ist Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) und des Prix Jeunesse International, München. Sie nennt in ihrem TelevIZIon-Artikel „Fernsehen von 0,5 bis 5“ „Einige Grundregeln für das Produzieren von Vorschulsendungen“: Solche Formate sollten genügend Zeit zum Eindenken und Verstehen lassen und Situationen und Inhalte suchen, die Vorschulkinder aus ihrem Alltag bereits kennen, also die Lebenswirklichkeit treffen. Handelnde Figuren sollten im Mittelpunkt stehen, die Handlung sollte chronologisch und etwa ohne Rückblenden erzählt und im Bild stets das Wichtigste gezeigt werden. Studien belegten, dass Vorschulkinder nicht nur langsamer als Erwachsene verstünden, sie könnten auch bestimmte Details nicht entschlüsseln. „So verstehen 3- bis 4-Jährige ausschließlich chronologische Abläufe. Bei 4-Jährigen können beispielsweise nur 4 % der Kinder eine Geschichte mit Rückblenden nachvollziehen. Bei den 8-Jährigen sind es schon 88 %.“

Weiterhin sollten formale Gestaltungsmittel, wenn überhaupt, dann nur kontextualisiert eingesetzt werden: Ein Splitscreen als Darstellung zweier paralleler Ereignisse sei etwa noch gerade verständlich, wohingegen eine Unschärfeblende „als Zeichen, dass es sich im Folgenden nun um einen Traum handelt“ von Kindern kaum verstanden würde, so Götz weiter. „Effekte (sogar sehr einfache) können das Verständnis einer Sendung für Vorschulkinder erschweren.“ Gleiches gelte übrigens auch für die Handlungen, die anhand der Bilder entschlüsselt würden. Nicht zu vergessen: Emotionen sollten auch erklärt werden, statt implizit auf ihnen aufzubauen. Komplexe oder indirekte Emotionen könnten laut einer weiteren Studie „Vorschulkinder oftmals nicht verstehen“.

Lernen Kinder vom Fernsehen?

Grundsätzlich wollen Kinder immer lernen – also natürlich auch vom Fernsehen. Eine Studie aus dem Jahre 2003 zeige Hinweise, so Maya Götz weiter, dass schon Babys Emotionalisierungen aus Gegenständen im Fernsehen übernähmen. Reagiere ein Erwachsener in einer Sendung positiv oder negativ auf einen bestimmten Gegenstand, ändere das auch das Verhalten eines 12 Monate alten Babys. Aber: „Nachweise dafür, dass Kleinstkinder durch Fernsehprogramme darüber hinaus geistig gefördert würden – im Sinne des Werbeslogans ,For the genius in your child‘ – finden sich jedoch nicht.“ Außerdem belegten verschiedene Studien, dass „gerade Klein(st)-kinder zwischen 18 und 22 Monaten vom Fernsehen bei weitem nicht so effektiv lernen wie von direkten Interaktionen“, wie es bei Götz weiter heißt.
Bei Vorschulkindern sieht das etwas anders aus; edukative Formate können bei ihnen tatsächlich Lern-erfolge verzeichnen. Dr. Maya Götz hält fest, dass mit entsprechenden Sendungen etwa die Lesebereitschaft verbessert werden könne, die Sprachentwicklung gefördert, ein Verständnis für andere Kulturen geweckt und prosoziale Verhaltensweisen befördert werden könnten. „In Langzeitstudien wurde nachgewiesen, dass Kinder, die im Alter von 2 bis 3 Jahren bildungsorientierte Sendungen wie die Sesamstraße gesehen hatten, im Alter von 5 Jahren besser bei bestimmten Tests abschnitten als jene, die nur Unterhaltungsprogramme gesehen hatten.“ Übrigens immer die Unterstützung, also die Begleitung der Eltern, vorausgesetzt. Denn wichtig sei es, Medien gemeinsam zu nutzen, wie es z. B. in der Ausgabe 2/2014 „Flimmo“ heißt. Das ist die Flimmo. Die Flimmo ist eine Zeitschrift, die Eltern abonnieren können, um sich bei der Programmauswahl ihrer Kinder beraten zu lassen. Außerdem gibt die Flimmo Eltern Tipps zum Umgang mit Medien. Die Flimmo existiert aber nicht nur als Zeitschrift, sondern vor allem als umfangreiche Seite im Internet. Wo ihr die findet, lest ihr unten im Infokasten. Weiter heißt es im Artikel „Wo guckst Du was? TV in der Familie und anderswo“: „Gerade kleine Kinder brauchen Geborgenheit und Unterstützung bei der Verarbeitung neuer Eindrücke.“ Begleitung der Eltern bedeutet also, nicht einfach nur dabeizusitzen, sondern auch mal Dinge zu erklären, beim Kind nachzufragen, um einschätzen zu können, wo die Grenzen des Verarbeitbaren sind. Und warum Gesehenes und Gelerntes nicht auch mal selber anwenden: Wie fandest du das Thema, wie die Experimente? Hat dir die Sendung gefallen oder eher nicht? Sollen wir das auch mal probieren? „Die reale Interaktion ist als Lernumgebung deutlich effektiver!“, um es noch einmal mit Maya Götz zu sagen.

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Das ist Tobias Albers-Heinemann. Der Tobias vom Medienpädagogik-Praxis-Blog ist Diplom-Sozialarbeiter und -Medienberater, der hauptberuflich als Referent für Medienbildung in der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau arbeitet. „Ich finde, das Fernsehen stagniert ein wenig, es gibt nur wenige Innovationen, oftmals sind die Formate nur kurzweilig und ohne großen Lerneffekt“, sagt Tobias Albers-Heinemann. Speziell bezogen auf Wissenssendungen gebe es einerseits schöne Formate für Kinder, andererseits unterliege jede Fernsehsendung natürlich auch gewissen Marktgesetzen. „In meinen Augen sind Tablets heute viel effektivere Lerntools als das Fernsehen“, so Albers-Heinemann weiter. „Mit ihnen kann wesentlich zielgerichteter und interaktiver gearbeitet werden, während das Fernsehen viel zu viele Dinge erfüllen muss, um zu gefallen und eingeschaltet zu werden. Da geht es oftmals leider viel mehr um Zeitgeist als um Inhalte.“

Quoten oder Inhalte?

Das ist die Birgitta Kaßeckert. Birgitta arbeitet als Redakteurin in der Kinderredaktion des Bayerischen Rundfunks, wo sie unter anderem am Checker Can mitarbeitet. Für sie ergibt sich der Erfolg einer Wissenssendung für Kinder aus einer guten, wohlbedachten Mischung: Natürlich spiele die Quote eine Rolle, sie gebe schließlich Orientierung, ob man die Zielgruppe erreiche, „und wir sind hier sehr zufrieden. Aber erfolgreiches öffentlich-rechtliches Kinderfernsehen muss in erster Linie gute Sendungen anbieten.“ Daher würden die Formate der BR-Kinderredaktion regelmäßig durch die Medienforschung des BR, des IZI und des KiKA geprüft, wodurch man ein „sehr konkretes Feedback“ erhalte, was warum beim Klientel ankomme. „Und gegebenenfalls nehmen wir mit diesen Ergebnissen auch Änderungen vor. Wir bekommen außerdem viele Zuschriften, Anmerkungen und Anregungen von Zuschauern.“ Die vielen Auszeichnungen und Nominierungen auf nationalen und internationalen Festivals scheinen diese Linie zu bestätigen.

Die Frage, was Kinderfernsehen und Wissenssendungen im Speziellen leisten müssen, damit Kinder auch etwas davon haben, ist vielschichtig. „Da wäre etwa die Frage nach der Fähigkeit, Dinge aufzunehmen“, sagt Albers-Heinemann, „die sich nach dem Alter der Rezipienten richtet. Schon von daher ist es schwierig, pauschal zu sagen, was Wissensmagazine für Kinder leisten müssen.“ Die Dauer der Inhalte spiele eine große Rolle, denn „bei allem über vier Minuten schalten Kinder ab, weil sie nicht mehr folgen können“, so Albers-Heinemann weiter. Auch die Art der Aufbereitung der Inhalte sei hier relevant, eher spielerisch, musikalisch, situativ oder erklärend. Die Lach- und Sachgeschichten der Maus seien dahingehend ein gutes Beispiel, da hier einfach ein guter Mix gefunden worden sei. Grundsätzlich biete das Fernsehen schon gute Lernmöglichkeiten, da bewegte Bilder einfach verständlicher seien als beispielsweise ,nur‘ der Ton aus dem Radio.

Eine IZI-Studie namens „Wissens- und Dokumentationssendungen für Kinder“ stößt in ein ähnliches Horn: Man befragte im Untersuchungszeitraum zwischen 2002 und 2004 300 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 6 und 12 Jahren zu damaligen Formaten, die sich explizit an Schulkinder richteten. Die Ergebnisse zeigten, dass es sich mit jedem Format anders lernen lässt. Nicht nur die Inhalte seien nämlich unterschiedlich, sondern auch die Art und Weise der Vermittlung. Maya Götz nennt dies die „Lernräume“: „Kinder lernen, indem sie sich mit einer Sympathiefigur Abläufe ansehen. Hier gewinnen sie vor allem konkrete Bilder und Szenen. Fakten memorieren sie leichter, wenn Inhalte didaktisch geschickt aufbereitet werden. Dies kann eine vermittelnde Sympathiefigur, aber auch eine gelungene Erklärung mit entsprechender Visualisierung sein.“ Denn bei attraktiver Aufbereitung böten die Inhalte Kindern Anknüpfungspunkte, wodurch die Kinder einige der angebotenen Fakten aufnehmen könnten. „Grundsätzlichere Zusammenhänge der Fakten und der Gewinn moralischer Orientierung treten seltener auf als das Erinnern von Fakten oder Szenen.“ Über das Verstehen von Konkretem könne so etwas Allgemeines erkannt werden. Die narrative Einbindung von Wissen scheine für diese Art der Konstruktion besonders geeignet zu sein, berichtet Maya Götz weiter und fügt an: „Vermutlich brauchen Kinder für diese komplexeren Arten des Lerngewinns Zeit: Zeit zum Einfühlen, Verstehen und Zeit, aus dem Gesehenen eigene Schlussfolgerungen zu ziehen.“

Der „gute Mix“ der Maus ist nur ein Beispiel von vielen beliebten Wissenssendungen für die verschiedenen Altersgruppen. Die Sendung mit dem Elefanten richtet sich etwa an Frühgucker ab 3 Jahren, während pur+, logo! oder Erde an Zukunft eher Kinder ab 6 bis 8 oder 10 Jahren ansprechen. Ganz unterschiedliche Inhalte und Lernräume, anderes Tempo, Schnitt, Emotionen oder Längen – sie alle entscheiden, für wen die Sendung über das bloße Interesse hinaus auch geeignet ist, also einen Lerneffekt hat. „Die Sendung darf nicht zu schnell sein“, bestätigt etwa Tobias Albers-Heinemann, „nicht zu oberflächlich. Und Wiederholungen sind für Kinder und ihr Lernen enorm wichtig.“ Hinzu kommt die vielzitierte Lebenswirklichkeit der Kinder: Ist der Inhalt relevant für sie? In welchem Alter kommen Kinder mit welchen Problematiken und Fragen in Berührung? Können sie sich mit der Art der Darstellung identifizieren? Die Konzeption eines edukativen Formats bedarf daher einer pädagogischen Beratung. „Die Pädagogik gibt die Richtung vor“, so Albers-Heinemann.
Beim BR arbeite man daher eng mit dem IZI oder auch dem FWU, dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, zusammen, berichtet Redakteurin Birgitta Kaßeckert. Denn der pädagogische Ansatz sehe so aus, dass man die Zielgruppe, die 6- bis 10-jährigen Kinder, für die Themen dieser Welt begeistern wolle: „Wir wollen ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie ein Teil davon sind und diese mitgestalten können. Das funktioniert nur, wenn wir wissen, wie unsere Zielgruppe tickt, sonst erreichen wir sie mit unseren Sendungen nicht.“ Als „Kinderfernseh-Macher“ habe man in der Kinderredaktion des BR selbstverständlich auch selbst sehr viel Erfahrung, die man in die Konzeption einbringe.

Zu viel Fernsehen schadet!

Natürlich bieten das Fernsehen allgemein und Wissenssendungen im Speziellen tolle Möglichkeiten der Förderung von Kindern, auch schon im Vorschulalter. Es ist aber auch belegt, dass zu viel Fernsehen schadet. Maya Götz zieht auch hier verschiedene Studien heran, die z. B. aus neurobiologischer Sicht zeigen, dass in der Reizstärke des Fernsehens Gefahren liegen. Das Fernsehen als rein audiovisuelles Medium verhindere zudem einige entscheidenden Verknüpfungen im Gehirn, „die später für komplexe Denkzusammenhänge benötigt werden“. Insgesamt sei eine deutliche Tendenz aus den Forschungsergebnissen zu lesen: Vielseher hätten deutliche Defizite bei Lesefähigkeit, Leseverständnis und Leistung des Kurzzeitgedächtnisses. Auffällig seien auch ein vergleichsweise geringer Wortschatz und weniger Sprachkenntnisse allgemein. Hinzu kämen Schlafstörungen, teils auch Übergewicht bei vielsehenden Vorschulkindern, die mehr als eine Stunde täglich fernsehen.

Gutes Fernsehen für Kinder muss die richtige Mischung treffen: ansprechen, anregen, erwecken, begeistern. Viele Wissenssendungen schaffen das. Gutes Kinderfernsehen bedeutet aber auch, dass Eltern ihre Kinder dabei begleiten. Um zu wissen, was man seinem Kind schon zumuten und was ihm fördernd zur Seite gestellt werden kann, ohne es dabei zu überfordern. Und wie immer gilt (für Eltern und Fernseh-Macher gleichermaßen) der gesunde Menschenverstand: auf die Kinder eingehen, Neugier wecken, Erkenntnis anregen, statt mit Bildern, Tönen und Informationen zuballern. „Wissen ist mit Sinn und Kontextbezug versehene Information“, sagte der Stefan ja am Anfang. Kinder wollen lernen und wissen. Dafür gibt es heute auch mehr als „nur“ die Maus, das Neugier weckt und sie befriedigt und auch durchaus gut ist, wenn es zum Kind passt. Das ist meine Erkenntnis für heute. Klimperklimper.

Infos
Neben dem IZI gibt es im Netz und in gedruckter Form auch weniger wissenschaftliche Portale und Publikationen. Diese geben einen guten Überblick darüber, welche Sendungen und Sehgewohnheiten für Kinder in welchem Alter geeignet sind. „Das ist eine gute Orientierung, um sich als Eltern mal eben schlau zu machen“, sagt auch Tobias Albers-Heinemann. Ihre Seriosität lasse sich zudem gut aus dem Impressum herauslesen: Wer unterstützt die Portale oder Redaktionen? „Häufig sind das Landesinstitutionen, und die sind verlässlich!“ Hier eine kleine Auswahl:

www.izi.de: Forschung und Dokumentation zur Förderung der Qualität von Kinder- und Jugendfernsehen, auch mit abonnierbarer Publikation („TelevIZIon“).

www.flimmo.tv: Programmberatung für Eltern, gibt auch ein vierteljährliches Heft heraus, das sich abonnieren lässt. Greift verschiedene Themen rund um Kinder- und Jugendfernsehen auf.

www.medienbewusst.de: Deutschlandweites Projekt der TU Ilmenau, das sich mit Medienkompetenz im Allgemeinen befasst. Redaktionell betrieben von Wissenschaftlern und Studenten, mit Programmtipps uvm.

www.medienpaedagogik-praxis.de: MedienpädagogInnen aus ganz Deutschland sammeln hier „Materialien, Methoden, Projektbeispiele, Tipps, Tricks und aktuelle Informationen für die medienpädagogische Praxis in Jugendarbeit und Schule“. Auch hier geht es um Medienkompetenz im Allgemeinen.

Die Sendungen

Checker Can/Checker Tobi

CheXperimentSeit 2011 produziert der Bayerische Rundfunk dieses Format für Kinder von 6 bis 13 Jahren (eig. Angabe). Zur Einführung schrieb damals Andreas M. Reinhard, Leiter Kinderprogramm BR, man mache mit Checker Can „jungen und jung gebliebenen Zuschauern ein Angebot, das die neuen Seh- und Nutzungsgewohnheiten bedient: kürzere Inhaltszeiten aufbereitet als Reportage, Chat, Experiment, Online-Recherche, Quiz – präsentiert von Can Mansuroglu, der den Ton der nachwachsenden TV-Generation trifft und vielleicht auch Zuschauer binden kann, die bisher die öffentlich-rechtlichen Angebote für Kinder weniger angenommen haben“.

Tatsächlich läuft die Sendung heute noch regelmäßig, ein weiterer Checker ist dazugekommen (Tobi), der sich die Checker-Sendungen mit Can teilt. In jeder Folge stellt der Checker Fragen zu einem bestimmten Thema: Wie funktionieren Skateboardtricks, wie wird Salz abgebaut, wie treibt man einen Tunnel durch einen Berg? Das trifft zwar nicht unbedingt immer die nähere Lebenswirklichkeit von Kindern, zeigt aber, das Menschen hinter diesen Phänomenen stehen, die man durchaus fragen kann, wie was funktioniert. Auch das Internet wird einbezogen – in Recherchen, Chats und Interviews.
Der Checker checkt seine Fragen in Reportagen und mit viel Humor – also extrem sympathisch. Dabei experimentiert er in der Checker-Bude, trifft Experten vor Ort und erklärt in anschaulichen Animationen. Schnitte und Musik sind relativ schnell und damit eher nicht für Fernsehanfänger geeignet. Der „Theatercheck“ wurde 2012 für den Grimme-Preis nominiert.
Ab Oktober wird es übrigens ein Spin-off namens Chexperiment geben, in dem Tobi Experten aus den Checker-Folgen trifft. Diesmal stellen sie ihm eine Aufgabe, die er an seinem Chexperimentier-Tisch eigenhändig lösen muss. Das Publikum hilft ihm dabei.
Di + Do, 14:05 Uhr, BR, So, 9:00 Uhr KiKA (Can) und Mi + Fr, 14:05 Uhr, BR, Sa, 8:00 Uhr, Das Erste, 19:25 Uhr, KiKA (Tobi)
www.br-online.de/kinder/radio-tv/checkercan/

Wow – Die Entdeckerzone

WOW Die EntdeckerzoneSeit 2004 bei Super RTL. Die Eigenproduktion (bzw. die deutsch-britisch-australische Koproduktion) hat 2013 neue Moderatoren und ein neues Outfit verpasst bekommen. Laut Senderangaben ist das Format für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren konzipiert und konzentriert sich auf das Erforschen von Alltagsphänomenen, die gleich mal naturwissenschaftlich erklärt werden. „Mit ,Wow‘ vermitteln wir Wissen auf unsere Art – kindgerecht, unterhaltsam, innovativ und immer mit emotionalem Aufhänger“, so Programmdirektor Carsten Göttel über das Sendungskonzept.

„Naturwissenschaften machen Spaß!“ So oder ähnlich könnte man das Motto dieses Formats umschreiben. Schallwellen werden mit einer Backform und Plastikfolie erörtert, Wasserkraft mit einer durchlöcherten Getränkedose. Alltagsgegenstände aus dem Haushalt, also Dinge, die jedem Kind zur Verfügung stehen, helfen beim Forschen, Entdecken, Experimentieren. Dabei erklären die Moderatoren die Versuche bzw. die Fragestellung, Kinder führen die Experimente aus. In gespielten Alltagssituationen (das ist der international produzierte Teil), also sehr locker und oft mit Humor – der emotionale Aufhänger, von dem Programmdirektor Carsten Göttel spricht. Ein Quotenhit, so ist zu lesen: 2007 lag der Spitzenwert gar bei über 51 % bei der Gruppe der 3- bis 13-Jährigen.

Die Experimente zielen durch den Einbezug von Alltagsgegenständen und -situationen darauf ab, jungen Interessierten das relativ einfache und schnelle Ausprobieren näherzubringen und zudem die naturwissenschaftliche Basis des Gezeigten zu vermitteln. Ohne trockene Labor-umgebung, sondern eben aus dem Alltag heraus. Der Erfolg spricht für sich. Für Fernsehanfänger ist dieses Format sicherlich inhaltlich und wohl auch vom Bild- und Erzähltempo her weniger geeignet. Die „Wissens-offensive im Vorabend“, wie Super RTL es betitelt, kommt aber beim Zielpublikum sehr gut an, wie die seit Jahren guten Quoten belegen. Mit der Wow-Homepage auf den Toggo-Webseiten sei ein weiterer Pluspunkt genannt, da man dort viele Experimente nochmals im Video oder in Fotostrecken nachvollziehen bzw. herunterladen kann.
Täglich 18:45 Uhr, Super RTL
www.toggo.de/serien/wow/index-326.htm

Erde an Zukunft

Erde an ZukunftEine KiKA-Eigenproduktion für Kinder und Jugendliche, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, so die Beschreibung des Senders. „Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss sich aber auch kümmern, dass das notwendige Wissen darum in allen relevanten Bereichen geschaffen wird. Hier steht auch das öffentlich-rechtliche Kinderfernsehen in der Verantwortung“, heißt es in der Pressemappe zur Sendung. So setze auch KiKA auf das Thema Nachhaltigkeit und „vermittelt Kindern auf spannende Weise das Wissen und die Kompetenzen, die sie zu einem nachhaltigen Leben befähigen“.

In Erde an Zukunft kommen Kinder und Jugendliche selbst zu Wort, indem sie ihre Vorstellung einer sinnvoll nachhaltigen Zukunft skizzieren. Moderator Felix Seibert-Daiker greift diese Ideen auf und fragt bei Experten nach, wie die Forschung oder bereits bestehende Technologien in die eine oder andere Richtung gehen. Eine umfangreiche Webpräsenz begleitet die Sendung und vertieft ihre Themen nochmals. So bleiben die jungen Zuschauer idealerweise aktiv in der Diskussion oder werden gar aktiv, tauschen sich aus und diskutieren, was zudem weitere relevante Fragestellungen aufwirft.

Gleich zu Beginn der Sendung kommt ein Kind oder Jugendlicher – ein „Zukunftsmacher“ – zu Wort, das seinen Wunsch eine nachhaltige, gesunde Zukunft betreffend formuliert. Diese Phantasie leitet durch das Zukunftsmagazin, indem Moderator Seibert-Daiker zunächst in der Gegenwart nach Experten oder Technologien sucht, die sich schon jetzt des betreffenden Themas annehmen, um danach gemeinsam mit dem Kind einen Zukunftsausblick in einer animierten Umgebung zu wagen: „Gemeinsam finden sie in einem Was-wäre-wenn-Zukunftsszenario heraus, welche positiven wie auch negativen Folgen unser jeweiliges Handeln haben könnte. So regt ,Erde an Zukunft‘ seine jungen Zuschauer zum Nachdenken an und zeigt Optionen für nachhaltiges Verhalten auf“, so der Pressetext weiter. Die direkte Interaktivität, die Bindung des jungen Zuschauers zu Themen und auch der Sendung selbst legen nahe, dass das Konzept aufgeht. Immer vorausgesetzt natürlich, man interessiert sich für dieses komplexe Themenfeld.

Das Magazin arbeitet viel mit Animationen und Augmented Reality, also der Verbindung von realen und computergenerierten Bildern. Felix Seibert-Daiker erklärt viele Sachverhalte vor passenden animierten Hintergründen im Studio, trifft aber auch Gesprächspartner vor Ort und erläutert mit ihrer Hilfe Technologien und Ideen. Auch hier geschieht das humorvoll und nicht zu trocken, Seibert-Daiker trifft einen sehr angenehmen Ton. Die Länge der Sendung beträgt ca. zehn Minuten – hinsichtlich Aufnahmefähigkeit und Komplexität des Themas Nachhaltigkeit kann das angenehm sein, könnte aber je nach Wunsch des „Zukunftsmachers“ limitieren: Sollte ein Thema zu komplex sein, um es in dieser relativ kurzen Zeit vorzustellen, wird es dann entsprechend aufbereitet oder fällt es ganz aus dem Raster? Der Sender selbst empfiehlt Erde an Zukunft ab 10 Jahren.
Sa, 20:00 Uhr, KiKA
www.erde-an-zukunft.de

Wissen macht Ah!

Wissen macht Ah!„Ah, der Klassiker!“, sagt die freundliche Dame der Pressestelle, die ich nach Infos zum „Klugscheißen mit Shary und Ralph“, so der Untertitel des Magazins, frage. Ich dachte immer, die Sendung mit der Maus sei der Klassiker. Doch der WDR produziert mit Wissen macht Ah! einen weiteren Hit, der nicht wenige Preise einheimsen konnte: 2002 den Silver Screen Award, 2008 den „EMIL – Preis für gutes Kinderfernsehen“ der Zeitschrift TV Spielfilm und 2009 den Goldenen Spatz für die Moderation sowie den Grimme Online Award. Es muss also was dran sein am Klassiker.

Zunächst einmal augenscheinlich die Moderation. Shary Reeves und Ralph Caspers sind unschlagbar gut eingespielt und pendeln zwischen gegenseitigem Erklären, Anstacheln und Piesacken. Der lockere Humor, der sehr von den Moderatoren lebt, macht vieles durchaus zugänglicher und die Zuschauer offener. Hinzu kommt, dass sich das Duo für nichts zu schade ist und sich auch gerne zum sprichwörtlichen Affen macht, wenn es der Sache dient: Verkleidungen, anschaulichen Erklärungen und schrägen Experimenten sind keine Grenzen gesetzt. Seit 2001 funktioniert dieses Zusammenspiel und hat auch schon einige internationale Ableger und Abonnenten, die das Original mit Untertiteln senden, zu verzeichnen.

Transportiert wird, dass die vermeintlich blöden Fragen auch beantwortet werden wollen. Und dass Nachfragen und Wissen durchaus cool sein kann. Denn die Anmoderationen und Erklärungen sind voller Wortspiele, lockerer Sprüche und oft genug unfassbar anschaulicher Verkleidungen, ohne dabei „peinlich“ zu wirken. Thematisch werden Alltagsdinge auf ihren Ursprung oder ihre Wirkweise hin untersucht: Woher kommt das Sandwich, woher die Rillen in der Kordhose, wie führt ein Blindenhund oder was ist ein Rhönrad? Beinahe geraten die einzelnen Themen vor dem Augenzwinkern, mit dem Wissen und Neugier vermittelt werden, in den Hintergrund. Was aber nur die Message unterstützt: Klugscheißen ist cooler als nur Besserwissen, für Wissen muss sich niemand schämen.

Angesprochen werden sollen Kinder ab 8 Jahren, die Tonalität spricht aber durchaus auch noch Erwachsene an. Für Fernsehanfänger also eher ungeeignet, nicht zuletzt weil auch oft das Tempo in Schnitt und teils in Moderation für sie zu hoch ist. Einspielfilme wechseln sich mit Studio-Experimenten ab, insgesamt werden fünf bis sechs Fragen pro Sendung beantwortet. Teils widmen sich Sendungen auch nur einem einzigen Thema. Animationen, Gebasteltes und oftmals auch Kostüme unterstützen die Erklärungen.
Mo-Do, 19:25 Uhr, KiKA, Sa, 7:35 Uhr + So, 5:30 Uhr, Das Erste, So, 6:55 Uhr, rbb
www.wissen-macht-ah.de

OLIs Wilde Welt

OLI's Wilde Welt - Die ExpeditionenDer SWR produziert diese Tiersendung, die bereits seit 2002 läuft. Das Stofftier OLI (Oskar Leopold Immergrün) führt die Sendung und fragt Tierpfleger und andere Experten über Tiere aus. Der Löwe OLI möchte später nämlich König der Tiere werden, weshalb er natürlich alles über Tiere wissen möchte. Da er und sein Mitbewohner Tobi Tüftel aber noch längst nicht alles wissen, schaut sich OLI in Deutschlands Zoos um, wo er die Antworten auf all seine Fragen findet: Wie sehen die Tiere aus, was fressen sie, welches Alter erreichen sie? In einem grünen Buch, seinem Tierlexikon, hält OLI alles Gelernte fest. Das Tierlexikon lässt sich übrigens im Internet studieren. Zudem moderiert OLI ein Tierquiz, das auf bestimmte Fragen aus der Wilden Welt Bezug nimmt („3,2,1 … keins!“). Das Quiz gibt es auch als App für Handy und Tablet.

War OLI bisher in Zoos und Tierparks unterwegs, ändert sich das mit den neuen Folgen, die seit Mitte September im KiKA laufen: OLIs Wilde Welt – Die Expeditionen und OLIs Wilde Welt – In Afrika. „Auf seinen spannenden Expeditionen reist OLI rund um den Globus, um die Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen zu besuchen. Ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft – kein Weg ist dem kleinen Löwen dafür zu weit. Und in seiner Heimat Afrika erlebt er zusammen mit seiner Freundin Davina auf der Harnas-Farm jede Menge lustige und aufregende Abenteuer“, so die Pressemitteilung zu den neuen Folgen, von denen bei Redaktionsschluss noch keine gelaufen war.
Ein freundlicher Löwe als Puppe, eine lustige WG, in der Tobi Tüftel immer ein wenig den Tollpatsch gibt, und auskunftsfreudige Tierpfleger sind die Säulen von OLIs Wilde Welt. Dass OLI sich nicht nur in seiner Studioumgebung, sondern auch auf Außendrehs begibt und dort aktiv in den Dialog tritt, macht das Nachfragen vor Ort natürlich authentischer und zeigt: Wer fragt, der bekommt auch Antworten. Und in diesem Fall auch noch kindgerecht – OLIs Wilde Welt wird ab 6 Jahren empfohlen – und aus erster Hand. Die Hinleitungen sind humorvoll, die Bildsprache in angenehmem Tempo und die Dialoge zwischen OLI und den Experten einfach und kindgerecht gehalten. Auch die Dauer der Sendung ist mit 13 Minuten in einem angenehmen Rahmen. Interessiert sich ein Kind für Tiere, wird es hier locker und die erste Neugier stillend an diese herangeführt – und seit September sogar in den natürlichen Lebensräumen.
Die Expeditionen: Sa, 9:50 Uhr, KiKA
In Afrika: Sa, 10:05 Uhr, KiKA
www.oliswildewelt.de

O-Töne:

Justus (9): „Ich sehe gerne pur+, weil die Themen interessant sind. Moderator Eric testet selbst: Wenn es ums Surfen geht, stellt er sich auch selbst aufs Brett!“

Timo (11): „Ich schaue am liebsten Galileo, Quarks & Co. und Wissen macht Ah!, weil da immer mehrere Themen behandelt werden und mehrere Experimente stattfinden. Das finde ich besser als bei den Kindersendungen.“

Nick (5): „Mir gefallen Checker Can und pur+ am besten, denn da wird gezeigt, wie man viel erfahren kann und wie ich das später auch selbst ausprobieren kann.“

Zoe (7): „Ich finde toll, dass man bei Checker Tobi/Can im KiKA etwas lernen kann und dass die zwei sich auch so viel trauen, wovor andere Angst haben, so wie ein Bungee-Sprung. Ein Gummi ist nämlich stark!“



Bleibe immer auf dem Laufenden

Ich will nichts verpassen und möchte wöchentlich den kostenlosen KingKalli-Newsletter erhalten und über aktuelle Themen und Termine auf dem Laufenden gehalten werden.

Ich bin damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar