Ausbildung zum „Bademeister“ – Nur am Beckenrand stehen?

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Zuerst mal vorweg: Der „Bademeister“ steht nicht nur am Beckenrand und er heißt auch gar nicht „Bademeister“. Bei unserem Schülerpraktikum in der Redaktion hatten wir die Möglichkeit, den Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe mit all seinen Pflichten und Aufgaben kennenzulernen, und haben sogar eine exklusive Führung von Klaus Schmidt, dem Badleiter, und seinen beiden Auszubildenden durch den Keller der Südhalle bekommen. Danach hatten wir die Chance, die Auszubildenden Yannick Rompe (19) und René Pütz (26) zu interviewen. Auf diesen zwei Seiten wollen wir euch den Beruf näherbringen.

Welche Aufgaben hat ein Fachangestellter für Bäderbetriebe?

Viele bezeichnen ihn als Bademeister, was jedoch die falsche Bezeichnung für diesen Beruf ist. Denn der Beruf des Bademeisters beinhaltet eigentlich Anwendungen am Kunden, wie zum Beispiel Massagen und Fango. Der Fachangestellte für Bäderbetriebe sorgt für Sicherheit, beaufsichtigt den Badebetrieb, gibt Kurse, nimmt Schwimmprüfungen ab, befasst sich mit einem Teil der Bädertechnik und ist mitverantwortlich für die Reinigung im Schwimmbad.
Die Arbeiten im Schwimmbad sind also sehr viel vielseitiger, als man es erwarten würde. Denn wenn man diesen Beruf ergreifen möchte, muss man nicht nur gut schwimmen können, sondern auch Grundkenntnisse in Chemie aufweisen können. Zu den alltäglichen Arbeiten des Fachangestellten für Bäderbetriebe gehört beispielsweise die Überprüfung des Chlorgehalts und des pH-Werts. Das Chlor sorgt für eine Desinfektion im Wasser, und wenn der Chlorgehalt nicht stimmt, darf nicht gebadet werden – keine Desinfektion, kein Badebetrieb. Die Chlorwerte werden dreimal pro Tag von Hand geprüft. Falls der Chlorgehalt im Becken zu sehr sinken sollte, wird dies auf einem Computer im Aufsichtsraum in der Halle angezeigt. Dann sind die Fachangestellten für Bäderbetriebe dafür zuständig, über eine Rufbereitschaft einen Techniker anzufordern, der die automatische Chloranlage überprüft und die Chlorwerte in den Sollzustand bringt. Die Fachangestellten für Bäderbetriebe müssen während ihrer Ausbildung die Bädertechnik erlernen, welches ein großer Ausbildungsschwerpunkt ist. Die Bädertechnik wird in Aachen von den Mitarbeitern des Gebäudemanagements überwacht.
In Aachener Schwimmhallen wird im Schichtdienst gearbeitet. Als Auszubildender arbeitet man von 7:30 bis 16:15 Uhr. Die gesamte Arbeitszeit, die in der Schwimmhalle absolviert wird, dauert von 5:30 bis 22:00 Uhr, wird aber nicht von einem allein durchgehend ausgeführt, sondern in drei Schichten. Für Fachangestellte für Bädertechnik ist es Pflicht, einmal pro Jahr an einer Rettungsfähigkeitsprüfung teilzunehmen.

Der Arbeitsplatz Südhalle

Die Aachener Südhalle wurde 1972 gebaut. Damals gab es nur ein großes und ein kleines Becken, die für Leistungsschwimmen verwendet wurden. Der Umbau zu einem Familienschwimmbad mit Babybecken im Jahr 2003 kostete die Stadt Aachen rund drei Millionen Euro. Das große Becken, welches nur von Betonsäulen gestützt wird, fasst ungefähr 770.000 Liter Wasser. Für den Frischwasseraustausch werden laut DIN 19643 30 Liter pro Badegast pro Tag dem Beckenwasser zugeführt. Zwischendurch wird es natürlich ständig gefiltert und gereinigt. In Aachen kann man sich wünschen, ob man lieber in einem Freibad oder einem Hallenbad arbeiten möchte, was aber von der Personalsituation abhängig ist. Die Angestellten des Freibads werden im Winter als Springer eingesetzt, falls zum Beispiel Unterstützung im Hallenbad benötigt wird oder ein anderer Angestellter verhindert ist.

Wie werde ich Fachangestellter für Bäderbetriebe und welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Wer eine Ausbildung für den umfassenden Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe machen möchte, braucht einen Real- oder Hauptschulabschluss. Die Ausbildung dauert drei Jahre, mit einem Abitur kann man jedoch auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Als Auszubildender muss man zweimal in der Woche zur Berufsschule nach Düsseldorf fahren. Eine zweite Berufsfachklasse für Fachangestellte für Bäderbetriebe gibt es auch in Köln. Es ist hilfreich, vor der Ausbildung einen Rettungsschein gemacht zu haben, sollte dies aber nicht der Fall sein, kann man den Schein in den ersten drei Monaten nachmachen. Voraussetzungen für den Beruf des Schwimmmeisters sind vor allem Menschlichkeit und Freundlichkeit, denn man muss offen auf Badegäste zugehen können. Außerdem benötigt man Fingerspitzengefühl, wie man Strenge zeigt, aber trotzdem noch freundlich bleibt, und ein gutes Gespür für den Umgang mit Kindern.
Körperliche Fitness sei auch eine Voraussetzung, erzählen die Auszubildenden. Der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe sei körperlich viel anstrengender, als René Pütz (26) erwartet hätte. Weil er Fußball spielte, dachte er, dass er körperlich fit sei. Aber das Schwimmen beansprucht nicht nur Kraft in den Beinen, sondern auch ganz andere Muskeln des Körpers. Am Anfang der Ausbildung habe er also mit Muskelkater zu kämpfen gehabt, gibt er zu Protokoll. Yannick Rompe (19), ebenfalls Auszubildender, nickt zustimmend. Der zukünftige Fachangestellte für Bäderbetriebe sollte sich im Klaren sein, seinen Dienst zu versehen, wenn seine Freunde, vor allem am Wochenende, Freizeit haben.

Die Ausbildung und Aufstiegsmöglichkeiten

Die Ausbildung besteht aus 15 Berufsfeldern. Während im ersten Abschnitt noch Aufgaben anfallen wie die Reinigung der Duschen werden die Azubis im zweiten Abschnitt schon mit der Kassenführung vertraut gemacht. Ein weiterer Abschnitt ist das Leiten von Schwimmkursen. Natürlich beinhaltet der Beruf auch die Beckenaufsicht. Man startet als Fachangestellter für Bäderbetriebe. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten aufzusteigen. Man kann den Meister für Bäderbetriebe machen, dann darf man sich auch offiziell Schwimmmeister nennen. Außerdem besteht die Möglichkeit, Badleiter zu werden. Die höchste Stufe, die man erreichen kann, ist die des Oberschwimmmeisters. An dieser Stelle arbeitet man jedoch hauptsächlich im Büro. Der jetzige Aachener Oberschwimmmeister Ingo Diesburg gibt u. a. Bestellungen für Schwimmbäder der Stadt auf und ist auch noch in der Elisabethhalle als Badleiter tätig.

Wie kommt man dazu, Fachangestellter für Bäderbetriebe zu werden?

Der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe hat Nachwuchssorgen. Zurzeit werden nur vier Azubis in der Stadt Aachen zum Fach-angestellten für Bäderbetriebe ausgebildet. Viele ergreifen den Beruf, da sie durch die Familie darauf gekommen sind. René Pütz zum Beispiel kam auf diesen Beruf durch seinen Bruder und seinen Onkel, die beide in der Branche beschäftigt sind. Badleiter Klaus Schmidt wollte zuerst Maschinenschlosser werden, fand aber seinerzeit keinen Ausbildungsplatz. Seine Mutter, die in einer Schwimmhalle arbeitete, gab auch ihm den Tipp, sich beim Fachbereich Sport als Fach-angestellter für Bäderbetriebe zu bewerben. Klaus Schmidt gefiel die Ausbildung und er blieb in dem Beruf hängen. Er machte seinen Meister, um auch ausbilden zu können, wurde stellvertretender Badleiter und bekam später die Stelle des Badleiters, als diese frei wurde.

Anekdoten aus dem Job am Beckenrand

Eine Geschichte aus der Anfangszeit in seinem Job wird Klaus Schmidt nicht vergessen: Er hat alleine eine Spätschicht, als die Kollegin von der Kasse ihn anruft mit der Information, dass vor der Tür eine ganze Gruppe alkoholisierter Biker stehe. Als die Männer, so groß wie Kleiderschränke, das Schwimmbecken betreten, ist es mit dem fröhlichen Planschen und ruhigen Schwimmen vorbei. Gerangel, Geschubse und Geschrei bringen das Becken zum Beben. Der junge Klaus Schmidt ist der einzige Fachangestellte weit und breit. Alle Badegäste, außer den Bikern natürlich, schauen ihn erwartungsvoll an. Er fasst all seinen Mut zusammen und schreitet auf die Gruppe zu. Er sucht den Mann raus, der der Anführer zu sein scheint, und versucht ihm zu erklären, dass er und seine Gruppe ihr Verhalten ändern müssten, da sie sonst das Schwimmbad verlassen müssten. Das scheint den Biker jedoch nicht zu interessieren.
Der Schwimmausflug der Biker endet schließlich damit, dass die Polizei eingreifen muss. Den letzten Satz des Bikers, bevor er von der Polizei abgeführt wird, wird Schmidt wohl niemals vergessen: „Man sieht sich immer zweimal im Leben …“

Bewerben

Der Beruf des Fachangestellten für Bäder-betriebe scheint besonders für Männer interessant zu sein. Denn im Moment üben in Aachen sieben Frauen und zwanzig Männer den Beruf aus. Frauen werden also, ebenso wie Männer, gerne gesehen. Mehr Infos rund um Sachen Bewerbung und Verdienst gibt es unter karriere.aachen.de/stellenangebot/baederbetriebe.

Fotos: Birgit Franchy

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