Erlebnismuseum Lernort Natur: Flauschige Felle, scharfe Krallen – Anfassen erlaubt!

Foto: Birgit Franchy

Wie fühlt sich das Fell einer kleine Wildkatze an? Wie sieht ein Biberfuß aus? Sind diese Krallen scharf? Das alles erfahren Kinder im Erlebnismuseum Lernort Natur in Monschau. Der Jäger und Naturpädagoge Hermann Carl gibt spannende Einblicke in die Welt der Tiere.

Oh, ist das flauschig! Das drei Wochen alte Wildkätzchen darf gestreichelt werden. Aber es lebt gar nicht, es ist ausgestopft und wartet im Erlebnismuseum Lernort Natur in Monschau darauf, beachtet zu werden. Hermann Carl erzählt, was passiert ist. Ein Lkw-Fahrer hatte im Wald große Holzstämme aufgeladen. Als er zum Holzwerk kam, hörte er ein leises Jammern. Zwischen den massiven Stämmen fand er zwei Kätzchen. Eins war leider tot, das andere weinte nach seiner Mutter. Der Mann meldete sich bei Hermann Carl, denn er wollte das kleine Kätzchen nicht sich selbst überlassen. Schließlich folgte er dem Rat, das Kleine in den Wald zum großen Holzstapel zurückzubringen. Dort konnte es seine Mutter wiederfinden. Das tote Kätzchen kam zum Tierpräparator und erinnert nun im Museum an diese Geschichte.

In der gleichen Ecke des Museums ist unter der Treppe ein Fuchsbau angelegt, durch den die Besucherkinder krabbeln können. Fuchsfamilien tummeln sich um den Bau. Auch zu den kleinen Füchsen kann Hermann Carl genau erzählen, was sie ins Museum gebracht hat. Rund 1.000 Exponate sind auf einer Ausstellungsfläche von 200 Quadratmetern ausgestellt, und es scheint, als würde er jedes Tier, jedes Geweih und seine Geschichte persönlich kennen.

Hermann Carl ist in Monschau geboren und kommt aus einer Familie von Jägern. Auch er ist Jäger, und als die Landes- und Bundesjägerschaft vor 34 Jahren die Idee hatte, „Lernorte Natur“ zu schaffen, war er direkt mit dabei. Ein Anhänger wurde umgebaut und mit Tierpräparaten ausgestattet, mit der „rollenden Waldschule“ fuhr Carl zu Kitas, Schulen und Altenheimen. „Alles hat in der Natur seine Aufgabe“, erklärt Hermann Carl die Idee hinter dem Projekt. „Wir dürfen die Natur nutzen, aber nur so, wie sie es verträgt.“ Um die Natur zu schätzen, muss man sie kennen. Hermann Carl ist einer der Ehrenamtler, die heute das Museum betreiben, und einen besseren Kenner und Vermittler als ihn kann man sich kaum vorstellen. Tausenden von Kindern hat er die Natur inzwischen mit der rollenden Waldschule, bei Waldführungen oder im Museum nähergebracht.

Früher standen diese Präparate im Sankt-Leonhard-Gymnasium in Aachen. | Foto: Birgit Franchy

Wie es zu dem Museum kam? Das Angebot der rollenden Waldschule wurde immer populärer und immer mehr Privatleute traten an die Kreisjägerschaft heran, wenn sie ihre Sammlungen auflösen wollten. Früher war es gängig, Tierpräparate zu sammeln, heutige Erben möchte diese Sammlungen aber oft nicht mehr haben. Auch Schulen trennen sich von ihren Naturkundesammlungen, weil sie den Platz für Medienräume benötigen. So landeten viele Sammlungen bei Hermann Carl und seinen Mitstreitern. „Tote Tiere dürfen nur für Schulen oder Museen präpariert werden“, erklärt er. Die Exponate tragen alle Plomben und dürfen nur für das Museum verwendet und nicht verkauft werden.

2013 wurde der prall gefüllte Lernort eröffnet. Es gibt eine Ecke mit heimischen Tieren aus dem Venn und eine Berglandschaft, ein Wasserbiotop mit Tieren im und auf dem Wasser und eine Schmetterlingssammlung, die sonst auf dem Müll gelandet wäre. Eine Besonderheit ist die Sammlung kleiner Schaukästen mit Meeresgetier vom Seestern bis zur Krabbe, liebevoll gesammelt und mit eigenen Illustrationen versehen von Erich Charlier, dem Künstler aus der Eifel, der auch Dorfschullehrer war. Für seine Schülerschaft schuf er die kleinen Kästchen mit Anschauungsmaterial, das er an der niederländischen und belgischen Küste sammelte. Kurz vor seinem Tod vermachte er sein Gesamtwerk dem Stadtarchiv Monschau, von dort wanderte ein kleiner Teil, nämlich diese Schaukästchen, in das Naturkundemuseum.

Exotische Tiere werden vom Zoll beschlagnahmt und kommen dann manchmal ins Naturkundemuseum. | Foto: Birgit Franchy

Im Obergeschoss hängen zig Geweihe an den Wänden. Hier werden angehende Jäger geschult. Sie erfahren zum Beispiel, wie sie erkennen, wie alt ein Tier ist. Eine Ecke beherbergt die exotischen Wildtiere, die zum Teil vom Zoll beschlagnahmt wurden. Manchmal wird es auch ein bisschen gruselig. Mumifizierte Kröten und Kleintiere liegen in einer Vitrine und auch die Mumie einer Katze. Sie soll 300 Jahre in einem Dachstuhl gelegen haben, wo sie wohl seinerzeit versehentlich eingeschlossen wurde.

Zwei Stunden vergehen wie im Flug

Zwei Stunden im Museum verstreichen wie im Flug. Zwei Stunden mit Kindern im Museum – ist das nicht etwas ambitioniert? Nein, nicht hier. Auf Computeranimationen oder immersive Shows, wie sie gerade überall entstehen, wird komplett verzichtet, alles ist analog und hands-on, und zwar wirklich. Es darf gefühlt und gestreichelt werden und ganz viel ausprobiert und selber gemacht werden. An einer Stelle kann man Fellstücke oder verschiedene Rinden ertasten und zuordnen. In einem Kasten hängen präparierte Tierfüße, die Abdrücken in Ton zugeordnet werden. Ist ein Reh geschlendert oder vielleicht vor einem Hund davongelaufen? Hermann Carl erklärt, woran man es erkennt. Wie sieht der Dachsfuß aus und zu wem gehören diese kleinen Krallen? Die Kinder dürfen sich auch einen eigenen Tonabdruck zum Mitnehmen anfertigen. Ein Foto mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf zu machen, sorgt zusätzlich für Vergnügen.

„Die ganzen Geschichten von den Tieren vergessen die Kinder nicht“, weiß Hermann Carl aus jahrelanger Erfahrung. Immer Neues denkt er sich für die Kinder aus. Er würde sich freuen, wenn das Museum noch um einen Raum erweitert werden kann. Etwas bedrückt ihn: Der Museumsbesuch kann zwar von Schulen kostenlos über die Bildungszugabe gebucht werden, aber die Schulen erhalten keinen Fahrtkostenzuschuss mehr, sodass sie sich den Ausflug per Busunternehmen nicht mehr leisten können. Und mit dem öffentlichen Nahverkehr dauert die Anreise von vielen Orten der StädteRegion einfach zu lange.

Für private Besuche ist das Museum absolut zu empfehlen. Es kann auch für Kindergeburtstage gebucht werden, inklusive Führungen, die selbstverständlich ebenfalls schon lange angeboten werden.

Schnulli und Stupsi werden mit der Hand großgezogen. | Foto: Birgit Franchy

Jetzt muss Hermann Carl aber los – zu den lebenden Tieren! Zu Hause hat er neben zwei Pferden, einigen Schafen und Hühnern mit frisch geschlüpften Küken noch Schnulli und Stupsi zu versorgen. Die beiden Rehkitze haben ihre Mütter verloren und werden mit der Flasche großgezogen. Damit zieht er seit seiner Kindheit das 19. und 20. Rehkitz groß! Aber da wären wir schon wieder bei der nächsten Geschichte …

Erlebnismuseum Lernort Natur – Kreisjägerschaft Aachen Stadt und Land e. V.
Burgau 15, 52156 Monschau
02472 9877-530/-531
erlebnismuseum-monschau.de

Öffnungszeiten:
In den Ferien täglich von 11:00 bis 17:00 Uhr, sonst Fr/Sa/So von 11:00 bis 17:00 Uhr
Eintritt: Kinder 2,50 Euro, Erwachsene 5,50 Euro, Familienkarte 13 Euro

Kinder können selber Pfotenabdrücke machen. | Foto: Birgit Franchy
Foto: Birgit Franchy
Schmetterlingsammlung | Foto: Birgit Franchy

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