Ein Baby ist da und plötzlich ist alles anders – nicht nur im Alltag, sondern auch im Urlaub. Reisen mit Baby? Eine völlig neue Erfahrung. Wir wandern gern und wollten es wissen: Das muss doch auch mit Baby möglich sein!
Die Planung der Tour
Nachdem wir uns wagemutig entschieden hatten, mit einem Baby in den Alpen von Hütte zu Hütte zu wandern, ging es an die Tourplanung. Wir überlegten, wie viel Wanderzeit wir uns zutrauen, wie viele Windeln und Breigläschen wir tragen können und ob ein Baby im Matratzenlager schlafen kann. Unsere Reisegruppe bestand aus der Oma, uns Eltern und dem neun Monate alten Emilijan, der keine Rücksicht auf seine Eltern nahm und vor dem Urlaub locker die Zehn-Kilo-Gewichtsgrenze knackte. Immerhin zeigte er nur wenig Interesse an Beikost und wurde lieber gestillt, so konnten wir zumindest bei der Babynahrung an Gepäck sparen.
Nach eingehender Recherche entschieden wir uns für eine zehntägige Wanderung in der Verwallgruppe in den Tiroler Alpen. Die Streckenlänge lag zwischen drei und sechs Gehstunden pro Tag, wobei der Überstieg vom Ost- zum Westverwall nur über eine anspruchsvolle Tagestour von sieben bis acht Stunden möglich war. Unterwegs merkten wir jedoch, dass diese lange Etappe zu viel für uns war. Deswegen stiegen wir spontan hinab ins Tal, um diese Strecke zu umgehen. Den einen Tag Pause im Tal in einem kleinen Studio mit Dusche, Bettwäsche, Handtüchern, kleiner Küche, Bäcker und Supermarkt um die Ecke haben wir dann sehr genossen. Nächstes Mal würden wir sicherlich schon im Vorfeld einen Pausentag einplanen.
Die Hütten hatten wir rechtzeitig reserviert, sodass wir immer ein eigenes Mehrbettzimmer hatten und nicht auf das Matratzenlager ausweichen mussten. Das war nicht nur gut für Emilijans Schlaf, sondern sicherlich noch wichtiger für das Wohl der anderen Wanderer!
Die Kindertrage
Vor der Reise hatten wir kaum Gelegenheit, die Rückentrage auszuprobieren, aber Emilijan saß von Anfang an gerne darin. Die Kindertrage hatte ein Eigengewicht von 3.550 Gramm, war sehr komfortabel ausgestattet und bot reichlich Stauraum. Emilijan saß bequem, konnte entspannt schlafen und fühlte sich wohl. Ein dickes Polster für seinen Kopf sorgte dafür, dass wir auf ein Nackenkissen verzichten konnten. Das Sonnendach war ständig im Einsatz und wir rüsteten die Trage nur mit einer Schnur für wechselndes Spielzeug nach, damit er während der Wanderung etwas zu tun hatte. Die Kraxe ließ sich leicht verstellen, sodass sie gut von Mutter und Vater getragen werden konnte.
Die Wandertage
Für das Wandern mit Baby ist es sehr hilfreich, eine feste Routine zu finden. Wir hatten nach ein paar Tagen unseren Rhythmus gefunden. Zum Glück sind die Tagesabläufe in den Hütten sehr babyfreundlich. Frühstück gibt es zwischen 7 und 8 Uhr, Abendbrot um 18 Uhr, Hüttenruhe ist um 22 Uhr. Emilijan wachte immer zwischen 6 und 7 Uhr auf, dann gab es Frühstück. Vorher haben wir schon ein bisschen gepackt, denn nach dem Frühstück freut sich das Hüttenteam, wenn alle Wanderer möglichst schnell losziehen, damit Zeit bleibt, die Hütte aufzuräumen und sich für den Mittagsansturm zu rüsten.
Waren wir losmarschiert, hatte Emilijan meist noch eine halbe Stunde gute Laune, bevor er müde wurde. Dann legten wir eine Pause ein, er konnte spielen und trinken. Anschließend war Schlafenszeit und wir wanderten weiter, während er einschlief. Falls ihn die schöne Aussicht auf die Berge oder die Spielzeuge, die wir ihm vor die Nase gebunden hatten, nicht einschläferten, sangen wir ihm Wanderlieder vor. Oder wir spielten, wenn uns beim Anstieg die Puste ausging, eine Spieluhr, aufgenommen auf dem Handy, in Dauerschleife ab. Nicht immer passten seine Schlafenszeiten zu den schönsten Pausenorten, sodass wir manchmal die Aussicht vom Joch nur kurz genießen konnten und an einigen Almen vorbeigehen mussten (zum Glück gab es häufig hausgemachten Käse oder Wurst zum Mitnehmen). Sobald er aufwachte, hatten wir noch eine halbe Stunde Zeit, bis ihm in der Kraxe langweilig wurde. Die erste lange Pause stand an, darauf freuten sich die Erwachsenen mindestens genauso wie Emilijan. Dann ging es wieder von vorne los, eine halbe Stunde wandern, Stillpause und schlafen. Je nach Tourlänge wurde das einige Male wiederholt. Wichtig war, sich Zeit zu lassen und auf Emilijans Bedürfnisse einzugehen – wenn er quengelte, machten wir lieber noch eine Pause, anstatt weiterzugehen.

Ein besonders schöner Moment des Tages war immer, wenn wir nach der anstrengenden Wanderung die Hütte erreichten. Dort warteten Topfenstrudel und Radler auf die erschöpften Wanderer. Wenn man noch das Glück hat, dass eine Oma dabei ist, können die Eltern sogar in den Gletschersee springen oder auf der Wiese in der Sonne liegen, während Oma und Enkel Bergblumen pflücken.
Unterwegs trafen wir immer wieder andere Wanderer, so auch eine fünfköpfige Familie aus den Niederlanden. Sie hatten ihre Kinder anders an das Wandern herangeführt. Als das jüngste Kind fünf Jahre alt war, begannen sie mit einer Tour inklusive einer Hüttenübernachtung und hatten das mittlerweile auf drei Nächte gesteigert. Nach 1.000 Höhenmetern mit 15 Kilo Gepäck verspürte ich Neid auf Eltern, deren Kinder selbstständig gehen und ihre eigenen Rucksäcke tragen konnten.
Der Gipfel
Der Höhepunkt der Tour war die Gipfelbesteigung des Hohen Riffler auf 3.168 Meter. Wir schliefen zwei Nächte in der Hütte am Fuße des Berges, sodass wir den Gipfel ohne schweres Gepäck erklimmen konnten. Nur die Person mit Baby auf dem Rücken hatte keine Entlastung. Ein wenig überrascht waren wir von den Schotter- und Kletterabschnitten, die uns anfangs etwas nervös machten, aber mit kühlem Kopf dennoch gut zu bewältigen waren. Emilijan verschlief den spannenden Aufstieg und wachte erst bei der beeindruckenden Aussicht von seinem ersten Dreitausender auf. Nach dem anspruchsvollen Abstieg zur Hütte wartete dort Kaiserschmarren als Belohnung auf uns. Das Highlight für Emilijan waren jedoch nicht die eindrucksvollen Aussichten auf Berge und Schluchten, sondern all die leckeren Steine, die in den Pausen ausgiebig auf Konsistenz und Geschmack getestet wurden.
Einige Monate sind vergangen und Emilijan hat inzwischen das Laufen gelernt. Jetzt würde er nicht mehr so lange in der Kraxe sitzen wollen, ist aber noch nicht in der Lage, solche Strecken selbst zu bewältigen. Die nächste Alpenwanderung muss also warten, bis er die Berge auf eigenen Füßen erobern kann!
Text: Marie Mohr
KingKallis Fragen an die Oma:
Hattet ihr einen Plan B für den Fall, dass es nicht so gut geklappt hätte?
Bärbel: In den Bergen muss man immer flexibel sein, allein schon wegen des Wetters. Wir haben auch spontan – wie es im Text steht – einen Zwischenstopp im Tal gemacht, weil uns die eine Strecke zu lang war und es an dem Tag geregnet hat. Wir sind einfach ins Tal gewandert und haben uns ein Apartment über ein gängiges Bookingprogramm gebucht. Dann wieder ab in die Berge und die Tour zu Ende gewandert. Die Hütte, die wir eigentlich gebucht hatten, haben wir telefonisch abgesagt.
Bei euch gab es mehr oder weniger ungeplant einen anspruchsvollen Gipfelanstieg. Habt ihr immer die einfachsten Wege gewählt? Kam da trotzdem diese Passage vor?
Bärbel: Grundsätzlich sind wir keine schwarzen Wege gegangen, das ist mit Kind in der Kraxe nicht ratsam und das möchte man auch gar nicht. Der Gipfelanstieg war anspruchsvoller, aber ich weiß nicht mehr, ob er als schwarze Tour gekennzeichnet war. Da hatten wir bis auf Emilijan kein schweres Gepäck, unsere Rucksäcke waren auf der Hütte. Man hatte hier aber wenig Spielraum, wenn möglich haben wir immer den einfachsten Weg gewählt. Also ich würde sagen, mit Baby auf keinen Fall schwarzen Touren.
Es kann passieren, dass man auf eine schwierigere Passage trifft als gedacht. Man muss sich schon vorher bewusst machen, dass man dann auf alle Fälle umdreht und nicht denkt, man versucht es oder es ist bestimmt nicht so schlimm, sondern einfach zurückgehen, wenn der Weg schwieriger ist als gedacht!
Wie habt ihr die Reise geplant?
Bärbel: Wir haben vorgebucht, direkt bei den Hütten oder über ein Portal vom Alpenverein.
verwall.de (wenn man genau diese Tour machen möchte)
alpenverein.at (da findet man ganz viele Hütten und Tourenvorschläge)
Sicherheit zuerst
Viele Tipps von familienfreundlicher Hütte über Sicherheitstipps bis Packliste finden Wanderinteressierte auch beim deutschen Alpenverein.
alpenverein.de/kinder
Durch eine gute Tourenplanung lassen sich mögliche Gefahren beim Wandern mit Kindern vermeiden.
- Immer berücksichtigen: Kinder vergessen Anweisungen schnell und haben häufig keinen Blick für Gefahrensituationen.
- Kinder nur in sicherem und überschaubarem Gelände vorausgehen lassen. So sind sie jederzeit im Blick.
- Im Aufstieg bleibt man als Erwachsene*r direkt hinter dem Kind, um mögliche Ausrutscher abzufangen oder um bei großen Stufen Hilfestellung zu geben.
- Besteht Rutsch- bzw. Sturzgefahr im Abstieg, so kann das Kind an die Hand genommen bzw. mit Hilfe von Brust- und Hüftsitzgurt und „kurzem Seil“ gesichert werden.
- Kritische Stellen einzeln bewältigen: Die Erwachsenen sichern die Passage durch Handreichen oder Seilsichern.
- Besonders mit kleineren Kindern sollten Situationen und Aktionen vermieden werden, vor denen sie Angst haben. Steinschlaggefährdetes Gelände ist unbedingt zu umgehen, das Unterwegssein im Gewitter ist zu vermeiden.
Ein Seilstück (9mm Durchmesser, 10m Länge) sollte auf schwierigen Wegen zur Sicherung der Kinder immer dabei sein.
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