Eingewöhnung in die Kita

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Wir haben Stephanie Wentz (Leiterin der Villa Luna) gefragt, wie ein guter Start in den Kindergarten gelingen kann.

 

Im Herbst startet das neue Kindergartenjahr. Viele Kinder kommen neu in die Kita. Wie gelingt ein guter Einstieg? Müssen die Eltern das Kind zu Hause vorbereiten?

Stephanie Wentz: Der Einstieg in die Kindergartenzeit ist sowohl für Eltern als auch für Kinder eine sehr bedeutende Zeit. An einem gelungenen Einstieg sind Eltern, Kinder und Kita gleichermaßen beteiligt. Wenn wir „gelungen“ definieren, so meinen wir zunächst, dass Kinder und Eltern sich in der ausgewählten Kita willkommen und wohlfühlen und so erst einmal grundsätzlich bereit für einen beginnenden Ablösungsprozess sind. Das Kind darf von zu Hause ein Kuscheltier oder etwas Ähnliches mitbringen. Diese „Übergangsobjekte“ haben die Funktion, in Belastungssituationen die Kinder zu beruhigen, und oft ist dies als feststehendes Beruhigungsritual in den Familien bereits installiert.

 

Was tut eine gute Kita, um den Kleinen den Einstieg zu erleichtern? Wie lange dauert dieser im Normalfall?

Stephanie Wentz: Grundsätzlich ist wichtig, dass pädagogisches Personal Folgendes versteht und verinnerlicht: Die Eltern beabsichtigen, ihr „Wertvollstes“ – ihre Kinder – in zunächst fremde Hände zu geben. Eine gute Kita installiert deshalb frühzeitig Veranstaltungen oder andere Inhalte in ihrem Kita-Jahreskalender, welche erste Begegnungen und Austauschmöglichkeiten zwischen Eltern, Kindern und Kita ermöglichen. Informationsabende, Kennenlernnachmittage, Sommerfeste oder vergleichbare Angebote ermöglichen allen Beteiligten eine niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeit in die Kindergartenthematik. Sehr sinnvoll ist vor dem Kita-Einstieg ein Erstgespräch, in dem die Eltern die Möglichkeit haben, mit einem zuständigen Fachkollegen über ihr Kind zu sprechen. Jedes Kind ist auch in sehr jungem Alter eine individuelle Persönlichkeit, und es schafft zwischen Eltern und Kita eine große Vertrauensbasis, wenn die zukünftigen Erzieher/-innen diese Persönlichkeit verstehen. Sofern die Kita dies personell leisten kann, ist es natürlich gut, wenn nicht zu viele Kinder gleichzeitig eingewöhnt werden. Eine gestaffelte Eingewöhnung der neuen Kinder ermöglicht eine intensivere Begleitung des einzelnen Kindes und der Eltern und wirkt sich immer sehr positiv auf den Ablösungsprozess aus.

Wir rechnen im Schnitt ungefähr zwei Wochen für eine Eingewöhnung. Dies ist allerdings nur ein durchschnittlicher Richtwert. Es gibt Eingewöhnungen, die schneller gehen, und auch welche, die mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wir gewöhnen als Fachkräfte nicht nur die Kinder in den Kita-Alltag ein, sondern begleiten auch die Eltern in diesem entscheidenden Ablösungsprozess. Sie sind oft sehr dankbar für eine aufmerksame und einfühlsame Begleitung, bei welcher auch die Eltern in den Blick genommen werden.

 

Wie funktioniert die optimale Zusammenarbeit zwischen Kita und Eltern in der gesamten Eingewöhnungsphase?

Stephanie Wentz: Die sensible Eingewöhnung des Kindes in die Kita erfolgt schrittweise und zunächst während der Anwesenheit der Bezugsperson. Sinnvoll ist es, wenn kontinuierlich das gleiche Elternteil die Eingewöhnungsphase begleitet. Dies ist eine wichtige Information für die Eltern, welche gut im Vorfeld mitgeteilt werden kann, damit die Eltern dies organisieren können. In der Eingewöhnungszeit ist die Betreuungszeit sinnvollerweise zunächst reduziert und wird erst langsam gesteigert. Das begleitende Elternteil ist als sicherer Hafen anwesend und die/der Bezugserzieher/-in beginnt vorsichtig, über Spiel- und Kontaktangebote mit dem Kind eine tragfähige Beziehung aufzubauen, welche zukünftig die Grundlage für die Kita-Zeit und die dann folgenden Bildungsprozesse sein wird. Wenn dies gelingt, folgen erste kurze Trennungsphasen, bei denen sich die Bezugsperson aus dem Raum entfernt, aber noch in der Kita anwesend ist. Hier ist für die Eltern auf einen angenehmen Aufenthaltsbereich zu achten. Elterncafés oder ähnliche Aufenthaltsbereiche sind hier sehr geeignet. Dies wird nun einige Tage erfolgreich wiederholt, bis die Eltern dann in der Schlussphase die Einrichtung verlassen, aber bei Bedarf schnell erreichbar sind.

 

Was für Möglichkeiten stehen zur Verfügung, wenn sich ein Kind (und/oder die Eltern) mit der Trennung sehr schwer tun?

Stephanie Wentz: In jedem Fall sollten alle Beteiligten Ruhe bewahren. Zeigen die Kinder deutliche Verunsicherungen, so wird die Zeit der Eingewöhnung ausgedehnt. Manchmal erschweren unvermeidbare zusätzliche Belastungssituationen wie ein Umzug, die Geburt eines Geschwisterkindes oder andere Faktoren die Eingewöhnung. Als grobe Faustregel gilt ein Kind als sicher eingewöhnt, wenn es sich von den Bezugserziehern trösten lässt und ein interessiertes, neugieriges Verhalten gegenüber möglichen Spiel- und Materialangeboten zeigt. Zeigen die Eltern dennoch Schwierigkeiten, sich von ihrem Kind zu trennen, so helfen Verständnis und zusätzliche vertrauensbildende Gespräche meistens weiter.

 

Ist eine besonders frühe Eingewöhnung vorteilhafter für das Kind oder ist die Situation einfacher, wenn die Kinder bereits drei Jahre alt sind?

Stephanie Wentz: Diese Frage wird mir von den Eltern auf unseren monatlichen Informationsabenden häufig gestellt. Man kann nicht pauschal sagen welches Alter vorteilhaft ist. Grundsätzlich sollte das pädagogische Fachpersonal über gute entwicklungspsychologische Kenntnisse verfügen, sodass eine Zuordnung zu den Entwicklungsphasen eines Kindes in jedem Alter erfolgen kann. Je nach Alter des Kindes – und wir gewöhnen auch sehr junge Kinder im Alter von fünf Monaten ein – finden passend der Entwicklungsstand des Kindes und auch die individuelle familiäre Situation grundlegende Berücksichtigung in der Eingewöhnungsphase. Die Entscheidung und der Wille der Eltern, ihr Kind in einer von ihnen ausgewählten Kita betreuen zu lassen, ist grundlegend bedeutsam, damit sich Eltern, Kinder und Kita auf den gemeinsamen Weg der Eingewöhnung in einen schönen Kita-Alltag machen können. Ist das gelungen, so stellt dies die Grundlage für die kommenden Entwicklungs- und Bildungsprozesse dar.

Bleibe immer auf dem Laufenden

Ich will nichts verpassen und möchte wöchentlich den kostenlosen KingKalli-Newsletter erhalten und über aktuelle Themen und Termine auf dem Laufenden gehalten werden.

Ich bin damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar