„Man kann das in einem Satz erklären: Ich wollte das schon immer machen, und jetzt hab ichs gemacht.“ Der gebürtige Herzogenrather Bernd Watzlaw hat sich einen ganz persönlichen Kindheitstraum erfüllt. Für die wahrscheinlich größte stationäre und öffentlich zugängliche Ninco-Autorennbahn in ganz Deutschland (wenn nicht in ganz Europa, die Recherchen gestalten sich alles andere als einfach) befanden sich bereits große Teile im Besitz des Liebhabers und Sammlers. Um die angestrebten Superlative zu erfüllen, musste aber noch ein weiter Weg gegangen werden. Bernd „Bemmel“ Watzlaw begleitet die Leidenschaft für kleine und große Motoren schon sein Leben lang – sowohl als passionierter Autoschrauber und Fan PS-starker Oldtimer als auch mit dem Regler in der Hand neben einer Miniaturstrecke.
Im Frühjahr 2013 war es dann endlich so weit: Bernd Watzlaw mietete ein Ladenlokal in Herzogenrath-Merkstein an und machte sich an die lange und mühevolle Arbeit. Wenn er die investierte Zeit überschlägt, kommt er auf ungefähr 500 Arbeitsstunden, die er bis zur Eröffnung im letzten Dezember in die Bahn gesteckt hat. Das gigantische, tragende Holzgerüst hat der handwerkliche Allrounder ebenso selbst gefertigt wie die Kalibrierung der Technik und die komplexe Planung der Strecke an sich. Bis hin zu kreativ erdachten Hilfsmitteln, um die verunglückten Autos an schwer erreichbaren Stellen wieder von der Bahn zu kriegen, wurde an alles gedacht.
Sieht man das fertige Ergebnis, so kann man sich tatsächlich keine bessere Raumnutzung vorstellen: Dabei ist die gesamte Strecke ausgestattet mit liebevoll arrangierten Gimmicks und Details. In der Boxengasse tummeln sich geschäftige Technik-Teams, mit gutem Blick auf die Bahn sind kleine Restaurants vorhanden. Die Mini-Figuren sind handbemalt und erzeugen ein fantastisches Flair – selbst die in den Grünflächen der Kurven angelegten Bäume sind mühevoll über Monate hinweg entstanden. Spektakuläre Highlights bieten die „Nachtrennen“ (auch am Tag möglich, da das Ladenlokal mit Vorhängen verdunkelt werden kann): Die gesamte Strecke ist beleuchtet von maßstabsgetreuen, gebogenen Laternen, und auch die Autos sind jeweils mit realistisch anmutenden Lampen versehen. Ein paar Runden unter diesen Bedingungen erhöhen die Schauwerte enorm, selbst wenn man nur als unbeteiligter Zuschauer im Raum ist. Etwas Vergleichbares hat man tatsächlich noch nicht gesehen, und an einer gewöhnlichen Modellbahn will man hinterher nicht mehr stehen – gegen Watzlaws sechsspurige High-End-Strecke wirkt jeder handelsübliche Ersatz für daheim zwangsläufig kläglich.
Verwechselt man das riesige Ungetüm, das den ganzen Ladenbereich raumgreifend einnimmt, mit einer Carrerabahn, so hat Inhaber Watzlaw dafür stets nur ein müdes Lächeln übrig. Diese falsche Assoziation entsteht oft, weil für die meisten aus der Kindheit bekannt ist: Autorennbahn bedeutet für zu Hause Carrera-Rennbahn. Die in Merkstein aufgebaute Bahn besteht ausschließlich aus Teilen des spanisches Herstellers Ninco, der seit den frühen Neunzigerjahren alle anderen Marken abgelöst hat und unter Profis wie Aficionados schon längst als das Nonplusultra gilt. Die Strecken sind aus überaus robustem Kunststoffmaterial gefertigt, achtzehn Zentimeter breit und im Maßstab 1:32 hergestellt. Seit den frühen Achtzigern ist diese einst sehr populäre Freizeitgestaltung (in den Sechzigerjahren gab es noch häufiger Ladenlokale mit großen stationären Autorennbahnen) leicht in Vergessenheit geraten, was heute den anachronistischen Reiz in die Höhe schraubt. Die Bemmelbahn erlaubt eine Neuentdeckung, eine Zeitreise, in jedem Fall eine Show, die man nicht so schnell vergisst.
Seit den späten Neunzigern ist Ninco auch Hersteller von solchen Komplettsystemen, auf denen seitdem alle erdenklichen Meisterschaften in der Szene ausgetragen werden. Letzteres wäre für die Bemmelbahn mehr als denkbar, hat sich ihr Ausmaß erst unter Experten rumgesprochen. Bernd Watzlaw ist auf alles gefasst und hat schnell die ersten Kenner angelockt – wer Blut geleckt hat, kann sich als Mitglied einschreiben und für dreißig Euro monatlich unbegrenzt fahren. Der Inhaber ist auch gerne beratend tätig, wenn es um die Wahl eines eigenen Autos geht, und steht bei etwaigen Fragen mit fachkundigem Rat zur Seite. Wir können also mitnichten von Kinderspielzeug in Groß reden, wenn es um die Bemmelbahn geht. Trotzdem ist die Rennstrecke auch für Familien mit kleineren und größeren Kids ein ideales Ausflugsziel: Die schiere Größe des Dargebotenen und der Rausch der Geschwindigkeit packen Jungen wie Mädchen jeder Altersgruppe gleichermaßen – und als Heranführung bietet die raffinierte Anlagetechnik viele Möglichkeiten: Dreht Bahnchef Watzlaw auf einigen Spuren die Voltzahl runter, so wird die Höchstgeschwindigkeit geringer, gleichzeitig aber auch das Risiko, mit Schwung aus jeder zweiten Kurve zu fliegen. Außerdem können Autos mit oder ohne Magnete, Bleizusatz und anderen Justierungen eingesetzt werden, um dem Anfänger nicht gleich die Frustration ins Gesicht zu treiben. Denn es lässt sich durchaus konstatieren: Eine Fahrt auf der Bemmelbahn unter unlimitierten Bedingungen gestaltet sich alles andere als leicht und verlangt Aufmerksamkeit sowie feines Fingerspitzengefühl. Das soll aber nicht abschrecken, sich selbst zu versuchen – im Gegenteil, die Bemmelbahn bietet nicht nur originellen Freizeitspaß mit erheblicher Suchtgefahr, sondern auch eine echte Herausforderung. Falls man es mit den Großen aufnehmen will.
Für Getränke und freundliche Atmosphäre ist gesorgt, was für „Bemmel“ auch weiterhin im Vordergrund steht: Hier soll kein elitärer Club entstehen, die Bahn soll für alle und jeden Spaß ohne Leistungsdruck bedeuten.
Die Bemmel-Bahn 3D
Geilenkirchener Straße 518, 52134 Herzogenrath Mobil: 0174 4147572
www.die-bemmel-bahn.de
Update 2016: Leider ist das Angebot inzwischen geschlossen
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