Ein Bauernhof wird zum Musikstudio – Zu Besuch bei der Produktion von „Der singende Bauernhof“

Foto: Sony

Hier tanzt das Alpaka, hier steppt das Schwein und schwingt die Kuh die Hüfte. An den Liedern und Alben von „Der singende Bauernhof“ führte für viele Kinder, Eltern, Betreuer und Erzieher in den letzten Jahren kaum ein Weg vorbei. Lieder wie „Das tanzende Alpaka“ oder „Der Treckersong“ wurden millionenfach auf Spotify abgerufen. Das Künstlerpaar hinter dem singenden Bauernhof kommt aus dem Kreis Aachen, lebt und arbeitet auch hier. Warum die Produktion auf den ersten Blick etwas unkonventionell wirkt und wie es überhaupt zum singenden Bauernhof kam, das haben wir das Duo einfach mal selbst gefragt.

„Der singende Bauernhof“ ist eine Produktion des Tonträgerlabels EUROPA. Für die Lieder und Umsetzung ist das Künstlerehepaar Sarah Schiffer und David Pfeffer verantwortlich. Zusammen mit ihren beiden Kindern, mehreren Alpakas, Schweinen, Kaninchen, Hunden und zukünftig einigen Hühnern leben sie auf einem kleinen Hof im Raum Aachen. Von hier aus produzieren sie nicht nur ihre Lieder und Alben, sondern auch die Videos für ihren YouTube-Kanal mit rund 68.000 Abonnenten (Stand: Mai 2026), auf dem sie nicht nur Musikvideos veröffentlichen, sondern auch Kindern zwischen dem ersten und sechsten Lebensjahr die Welt des Bauernhofs und der Natur näherbringen. Warum gibt eine Kuh eigentlich Milch und haben alle Tierbabys besondere Bezeichnungen wie Ferkel oder Lamm?

Wer ist Otti Stubs?

Stets dabei und mit auf jedem Albumcover: Otti Stubs. Braunes zotteliges Fell, zwei vorwitzige Schneidezähne, die aus einer langen Schnauze herausragen, kugelrunde braune Augen und meist bekleidet mit Kappe und Latzhose. Um welches Tier es sich hier handelt? Naja, ein Otti Stubs ist eben ein Otti Stubs, ein Fabelwesen, das man so nur auf dem singenden Bauernhof findet. Gesprochen und gespielt wird die Puppe von David Pfeffer. Designt wurde Otti zusammen mit dem Puppenbauer Carsten Sommer, der auch die Puppen für die Serie „Käpt’n Blaubär“ entwarf. Otti ist sehr neugierig und stellt quasi stellvertretend für die Kinder Fragen an Sarah und die Interviewpartner. Und dabei erleichtert Otti den Kindern nicht nur das Verstehen. „Vielen unserer Gäste fällt es tatsächlich leichter, mit Otti zu reden als mit mir, wenn sie vor der Kamera stehen“, berichtet Sarah Schiffer. Auch live ist „Der singende Bauernhof“ unterwegs, zum Beispiel auf dem großen Familien-Musikfestival „Mounds“ in Österreich.

Die Ursprünge von „Der singende Bauernhof“

Das Ehepaar hat erst 2023 seinen Fokus auf Kindermusik gelegt. Zuvor war David Pfeffer vor allem in der Popmusik zu Hause, während Sarah Schiffer hauptsächlich als Schlagersängerin tätig war. „Der singende Bauernhof“ ist mittlerweile aber das Hauptprojekt der beiden.

Eine Leidenschaft für Tiere hegte Sarah Schiffer schon immer, und das große Gelände hinter ihrem Elternhaus mit so vielen Tieren wie möglich zu bevölkern, war ein Plan, den sie schon sehr früh fasste und so bald wie möglich in die Tat umsetzte – lange bevor „Der singende Bauernhof“ überhaupt eine Idee war. „Der erste Song, den wir geschrieben haben, war tatsächlich ,Das tanzende Alpaka‘. Wir haben das Lied für das Kind von Freunden geschrieben, ohne direkt zu denken, dass da ein ganzes Album draus werden könnte. Aber es hat uns echt Spaß gemacht und wir haben immer weitergesponnen, was wir noch so machen könnten. Sony hatte zu dem Zeitpunkt eine passende Ausschreibung, also dachten wir uns: Warum unsere Ideen nicht pitchen und mal ausprobieren?“, erzählt uns Sarah Schiffer. Singen, Kinder und Tiere, für sie bildet der singende Bauernhof einen Dreiklang, den man nur lieben kann. Und das ist auch gut so, denn beim singenden Bauernhof liegen Arbeit und Alltag sehr nah beieinander.

Ungewöhnliche Produktionsbedingungen

Wer braucht schon ein Hochglanzstudio, wenn man auch einen Bauernhof haben kann? Deswegen produzieren Sarah Schiffer und David Pfeffer auch direkt aus der Mitte der eigenen Tiere heraus und haben sich dafür auf dem Hof ihr eigenes Aufnahmestudio eingerichtet. Auch die Dreharbeiten für den YouTube-Kanal finden größtenteils auf dem Hof statt. Hinter der Kamera steckt nicht etwa ein großes Produktionsteam, sondern Sarahs Bruder, der die Aufnahmen macht, die später von ihr selbst geschnitten werden. Und wenn es für den Dreh dann doch einmal weiter weg geht, springen Schiffers nahe wohnenden Eltern zur Betreuung der Tiere auf dem Hof ein. Fast schon ein Familienunternehmen.

Auch die in den Videos tanzenden Kinder kamen anfangs meist aus dem Bekanntenkreis der beiden Künstler. „Mittlerweile fragen aber auch immer wieder Tanzgruppen an, ob sie mal mitmachen können, und manchmal haben wir auch Castingaufrufe auf Instagram“, berichtet Sarah. Für die Videos ist der singende Bauernhof aber auch immer wieder auf Höfen im Raum Aachen unterwegs, wenn es um Tiere geht, die nicht beim Künstlerpaar beheimatet sind, wie z. B. Kühe, Pferde oder auch Bienen.

Welche Themen Otti und Sarah als Nächstes in ihren Videos erkunden, ist ihnen überlassen. „Meistens nehme ich das, was mich selbst gerade interessiert“, lacht Sarah. Für sie ist das Thema Bauernhof eine unendliche Fundgrube an Inspiration. „Ich könnte ein Lied über ein Blatt machen, wenn mir gerade etwas dazu einfällt, was könnte ich mir mehr wünschen?“, lächelt sie. Und so läuft auch die Ideenfindung für neue Lieder: Etwas summt, flattert, hopst oder läuft den beiden Musikern vor die Nase, kurz wird innegehalten und dann prompt mit Melodie und Reimen herumexperimentiert. Ein singender Bauernhof eben.

Weitere Vorhaben auf dem singenden Bauernhof

Bereits drei Alben und eine EP (im Grunde ein Album mit weniger Liedern) sind von „Der singende Bauernhof“ erschienen, und es sollen noch mehr werden. Obwohl das letzte Album „Kuhle Muuuh-sik für Kinder“ erst vor knapp zwei Monaten erschienen ist, arbeiten die beiden Künstler schon fleißig am neuen Album. Außerdem ist ein Hörspiel in Planung, in dem es um die Bauernhofabenteuer von Otti und Sarah gehen soll.

Und die eigenen Pläne von Sarah Schiffer? Viiiiiel mehr Tiere. Emus wären doch toll oder Enten. Oder wie wäre es mit Ziegen? Solange dem Künstlerehepaar der Platz für eine artgerechte Haltung nicht ausgeht, werden wohl auch die Bewohner des singenden Bauernhofs immer zahlreicher werden. „Das hier ist nicht nur ein Projekt“, lächelt die Musikerin. „Das ist unser Leben, und ich kann mir kaum etwas Schöneres vorstellen.“

Alles von „Der singende Bauernhof“ findet ihr auf YouTube unter youtube.com/@dersingendebauernhof/videos und auf Spotify.

Hinterlasse einen Kommentar