#drückmich – wie Stolberger Schüler und Schülerinnen Leben retten

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#drückmich: Schüler üben Wiederbelebung | Foto: Tanja Büchter

Plötzlicher Herztod – was habe ich damit zu tun? Es passiert öfter, als man denkt: auf offener Straße, aber auch im Freundes- und Familienkreis. Allein in Deutschland sterben jährlich etwa 100.000 Menschen an plötzlichem Herztod. Kevin Dreßen vom Team #drückmich erklärt der zehnten Stufe des Ritzefeld-Gymnasiums in Stolberg locker und anschaulich, was im Notfall zu tun ist und warum es so wichtig ist, andere auch mal zu drücken.

Mit einer Herzdruckmassage, die leicht zu erlernen ist, verdoppelt bzw. verdreifacht sich die Überlebenschance der Betroffenen.
Heike Bordfeld, Notärztin am Bethlehem-Gesundheitszentrums in Stolberg, sieht in Zeiten sozialer Netzwerke häufig, dass lebensgefährliche Situationen zunächst gefilmt werden. Oft sammeln sich zahlreiche Zuschauer – und keiner wagt den ersten Schritt. Dabei kommt es darauf an, den Mut, die Zivilcourage zu haben, nach vorne zu gehen und zu helfen. Jede Minute zählt. Denn bereits nach drei bis fünf Minuten können irreparable Hirnschäden auftreten. Deshalb gilt: Es ist immer besser, etwas zu tun, als nichts zu tun! Auch wenn dabei eine Rippe brechen könnte – was ist das im Vergleich zu bleibenden Hirnschäden oder gar zum Tod?

„Es ist erschreckend, aber oft können Erste-Hilfe-Puppen, die mit Bluetooth ausgestattet sind, besser sprechen als so mancher Patient, dem nach einem Herzstillstand nicht schnell genug geholfen wurde“, berichtet die Notärztin.

Stabile Seitenlage üben | Foto: Tanja Büchter

Das #drückmich-Team des Bethlehem-Gesundheitszentrums besucht bereits seit 2018 ehrenamtlich Stolberger Schulen und vermittelt Heranwachsenden ab der achten Klasse in der Praxis, wie die Herzdruckmassage funktioniert. Das engagierte Team setzt sich aus Ärzten und Ärztinnen sowie Intensivpflegekräften des Krankenhauses zusammen. Auch die Stolberger Feuerwehr unterstützt das Projekt und ist wenn möglich mit Rettungsfahrzeugen vor Ort.
Die Termine in den Stolberger Schulen umfassen drei Module: praktische Übungen, Zivilcourage sowie ein paar medizinische Grundkenntnisse.

Zum praktischen Teil gehören neben der stabilen Seitenlage diesmal auch der richtige Umgang mit dem Motorradhelm nach einem Verkehrsunfall sowie die Vorführung des AED (automatisierter externer Defibrillator), auch „Defi“ genannt. Kevin Dreßen vergleicht den Defi-Einsatz mit einem Computerneustart. Das Gerät ist sehr hilfreich, jedoch nur, wenn eine zweite Person vor Ort ist und den Defi schnell holen kann. Sonst dauert es zu lange, bis die Herzmassage einsetzt. Der Defi gibt bei Bedarf einen lebensrettenden Elektroschock ab, um das Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Die Handhabung ist kinderleicht, zumal das Gerät den Helfer komplett anleitet.
Das #drückmich-Team ist erleichtert, dass die Wiederbelebung in NRW ab dem Schuljahr 2026/27 fester Bestandteil des Unterrichts wird – eine Entscheidung, die Leben rettet.

In nördlichen Ländern wie zum Beispiel Norwegen lernen bereits Kindergartenkinder spielerisch, mit dem Thema Erste Hilfe umzugehen. Die Kinder haben deutlich weniger Hemmungen und die Zahl der Hirnschäden ist deutlich geringer als in Deutschland.
Heike Bordfeld hat zuletzt noch eine Bitte: „Lasst die Finger vom Lachgas.“ Die Challenges auf TikTok kommen ebenso wie der Name Lachgas witzig rüber, können aber sehr böse enden. Als Notärztin hat Heike Bordfeld schlimme Fälle erlebt, bei denen Jugendliche nach häufigem Konsum bleibende neurologische sowie Hirnschäden erlitten und nicht selten im Rollstuhl endeten. Abgesehen davon ist Lachgas alles andere als umweltfreundlich.

drueckmich-lebenretten.de

Team #drückmich in Stolberg | Foto: Tanja Büchter

Was soll ich tun, wenn eine Person regungslos zusammenbricht?

• Prüfen:

Ist die Person bewusstlos, atmet sie nicht oder nicht normal?

• Rufen:

112 anrufen oder eine andere Person darum bitten

• Drücken:

Mit der Herzdruckmassage beginnen: fest und schnell in der Mitte der Brust. Nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft
So lange regelmäßig drücken, bis medizinische Helfer eintreffen und übernehmen. Auf keinen Fall aufhören, denn nur so kann das Blut zirkulieren und die Zellen können mit Sauerstoff versorgt werden, was das Absterben der Zellen verhindert.

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