„Die wilden Möhrchen“ im HirschGrün

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Kinder erleben Natur in der Aachener Innenstadt

Der urbane Gemeinschaftsgarten HirschGrün liegt mitten in Aachen in der Richardstraße und steht jederzeit allen Besuchern offen. Im April 2013 gegründet, um wieder für die Natur und Umwelt zu sensibilisieren, bauen hier Menschen aller Altersgruppen mit möglichst alten Baumaterialien gemeinsam Obst und Gemüse an. Der Name des Gartens soll dabei an den engagierten jüdischen Bürger Freddy Hirsch erinnern, der bis 1933 in der Richardstraße 7 lebte und 1944 in Auschwitz-Birkenau starb.

An einem sonnigen und heißen Mittwochnachmittag im Sommer mache ich mich auf ins HirschGrün in der Innenstadt. Mit wenigen Schritten scheine ich die grauen Hochhäuser hinter mir zu lassen und ins entspannende Grün zu schreiten. Neben dem Spielplatz finde ich ein kleines Gemüsebeet, eingezäunt mit kleinen Möhrchen-Bildern, und die Leiterin der Gruppe und Gründerin der Initiative „Fair Family“, Nadine Garufo, erwartet mich schon.

Aus Mangel an anderen Räumlichkeiten in der Aachener Innenstadt wurde die Idee der Kindergruppe „Die wilden Möhrchen“ geboren, was jedoch keine schlechte Wendung war. Die Aktivität für die Kinder nach draußen zu verlegen, kam wie gerufen, denn draußen ist es sowieso besser! Zustande kam der Name der Gruppe dann, weil sie ihre Tochter Jara immer wildes Möhrchen nannte, erzählt mir Nadine. Andere Alternativen waren aber auch vorhanden, zum Beispiel „Die kleinen Gartenzwerge“.

Zwischen mit Holz eingezäunten Abgrenzungen, gespendet von „Essbares Aachen“, sieht man allerlei ordentlich eingezäunte Gemüsearten aus der Erde wachsen, obwohl das Fleckchen Erde für die Kinder größtenteils im Schatten liegt. Ob Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten, Radieschen, Bohnen, Mangold oder Himbeerbüsche am Rand, man findet so ziemlich alles, was einen Gemüsegärtner  und auch die Jüngsten erfreut. Ausgesucht wurden die verschiedenen Pflanzen natürlich nach Eignung für die ein- bis dreijährigen Kinder der Spielgruppe, die mit kleinen Schaufeln selbst Hand anlegen dürfen und mit etwas Hilfe der Eltern zu eifrigen Gärtnern werden.

Dabei steht vor allem der Umgang mit Pflanzen im Vordergrund, die Kinder bekommen ein Verständnis für den Wachstumsprozess, lernen Rücksicht im Umgang mit der Natur kennen und schätzen sie dafür umso mehr. „Kinder sollen sich dreckig machen!“ ist hierbei das Motto, mit vollem Körpereinsatz wird eingepflanzt, Unkraut gezupft und auch diverse Blumen werden ausgesät. Die ein oder andere Schnecke oder ein Regenwurm, der auf der kleinen Schaufel entdeckt wird, wird dann auch neugierig bestaunt. Nicht nur die Kinder der Eltern, die sich bei den „wilden Möhrchen“ treffen, finden sich im kleinen Gemüsegarten wieder, immer wieder kommen auch andere Kinder vom angrenzenden Spielplatz vorbei, um sich die verschiedenen Pflanzen anzuschauen oder vielleicht die ein oder andere Erdbeere zu ergattern. Generell sind ältere Kinder auch daran interessiert mitzuhelfen, wird mir geschildert.

Ganz Bio, mit Bio-Samen von Demeter und Pferdemist-Dünger, werden die Gemüsesorten aufgezogen, aber auch wenn einmal die Tomate nicht so wachsen will, wie sie soll, helfen benachbarte Gärtner im HirschGrün gerne mit einigen Tipps und Tricks weiter. Da der Garten offen zugänglich ist, verlässt man sich auch darauf, dass andere respektvoll mit der Arbeit der Kleinkinder umgehen. Ganz verhindern, dass zum Beispiel die Zwiebelblätter teilweise abgeschnitten werden, kann man leider natürlich nicht.

Zusätzliche Aktionen versprechen Spaß für die Kleinen, wie zum Beispiel das Schneckenrennen der vergangenen Woche oder wie bei meinem Besuch eine Menge Seifenblasen, die von den Kindern bestaunt werden. Oder man legt sich in die Sonne, setzt sich auf die kleine Bank mit Tisch nebenan und genießt einfach nur die Idylle und den Blick auf die getane Arbeit und die angrenzende, hochgewachsene Blumenwiese mit Bienenstöcken.

Für die Ernte gibt es noch keine konkreten Pläne, Ideen sind aber unter anderem ein gemeinsam gekochtes Erntedankfest im September, oder jeder nimmt sich etwas mit nach Hause. In ihrer Elternzeit wolle sie Sachen machen, für die sie vorher keine Zeit hatte, erzählt mir Nadine, woraus ein tolles Gemeinschaftsprojekt entstand, zu dessen Erfolg alle etwas beitragen können. Zum Abschied meiner tollen Zeit in der kleinen Gruppe gibt es dann noch ein paar hübsche Blumen für mich mit auf den Weg.

Die Gruppe trifft sich einmal in der Woche am Mittwoch von 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr, auch sonst können Leute aus der Gruppe sich nach Anmeldung außerhalb der Zeiten mit dem Gemüsegarten beschäftigen.

Wer Interesse bekommen hat, ein „wildes Möhrchen“ zu werden oder auch an den anderen Aktionen von „Fair Family“, wie dem fairen Elterncafé, der Kinder-Kleider-Tausch-Aktion, einer Waldgruppe und vielen weiteren geplanten Veranstaltungen teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail bei FairFamily@gmx.de melden. Allgemeine Infos über das HirschGrün und auch den anderen Gemeinschaftsgarten Vielfeld im Stadtgarten hinter dem NAK gibt es auf essbaresaachen.wordpress.com oder info@essbares-achen.de.

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