Inzwischen ist nachhaltig zu leben ein Thema, das uns täglich begegnet. Ob Fridays for Future, die Reduzierung von Verpackungsmüll oder dass einem überall die Idee begegnet, weniger Fleisch zu essen. Nun möchte der Veggietag in Aachen den Verzicht auf Fleisch erleichtern. Statt tierische Produkte komplett von der Einkaufsliste zu streichen, schlagen seine Initiatoren vor, damit anzufangen, sich wenigstens donnerstags vegetarisch zu ernähren.
In Deutschland wurde das Ganze durch eine Kampagne der Organisation ProVeg in die Wege geleitet, die versuchte, mit dem Slogan „Donnerstag ist Veggietag“ die Menschen zu motivieren. Durch Greenpeace Aachen kam dieses Vorhaben nun auch zu uns mit der Gründung des Aktionsbündnisses „Veggietag Aachen“. Sein Ziel ist es, für mehr Nachhaltigkeit und ein bewussteres Konsumverhalten zu sorgen. Dazu werden Kantinen von Schulen, Kitas und Firmen sowie auch Lokale und Privathaushalte ermutigt, jeden Donnerstag vegetarisch zu essen.
Um uns anzuschauen, wie das Ganze funktionieren kann, haben wir die KGS Bildchen am Kronenberg besucht. Als wir die Schule betreten, riecht es schon nach Mittagessen. Herzlich empfängt uns Sylvia Wilbrink samt einer Horde spielender Kinder. Kurz nach unserer Ankunft steht auch schon das Essen auf dem Buffettisch, wo sich die Kinder eilig anstellen, um als Erstes an Nudeln und Parmesan zu kommen. Auf der Speisekarte stehen auch noch Rohkost und Obst. „Die Nüsse und der Käse sind dafür da, um sicherzustellen, dass die Kinder auch Eiweiß zu sich nehmen“, erzählt uns Sylvia Wilbrink im sich füllenden Speisesaal.
Auch wenn die Kinder sich selbst bedienen dürfen, achten die Erzieher darauf, dass sie sich ausgewogen ernähren. Dafür geht Sylvia Wilbrink während des Essens mit Gemüse herum und bestärkt die Kinder darin, etwas Neues zu probieren. Dies auch manchmal auf spielerische Art und Weise. An einem Tisch sitzt sie zusammen mit einer Gruppe Kinder und lässt sie rätseln, wie viele Gemüsearten in der Schale sind und um welche es sich handelt. „Sechs Gemüsesorten in einer Schüssel! Das ist ja richtiges Poweressen!“, stellt die Gruppe fest, und schon wollen viele der Kinder selbst das Poweressen probieren.
Nachdem der große Hunger gestillt ist, setzen wir uns mit den Schülerinnen und Schülern Jason, Saladin, Amelia, Hamta und Yashmith zusammen und fragen sie nach ihren Erfahrungen mit dem Veggietag. „Ich find das nicht schlimm“, sind sich alle einig. „Manche essen kein Schweinefleisch, manche essen kein Rind. Dann ist es besser, gar kein Fleisch zu essen, weil wir dann alle das Gleiche essen können“, bemerkt Saladin. Yashmith sieht das genauso. Vor fünf Monaten erst hat er angefangen, Deutsch zu lernen, doch er redet bei solchen Themen schon genauso viel mit wie die anderen. „Meine Familie kommt aus Indien und wir essen kein Rind. Manchmal weiß ich nicht, ob das Fleisch Rind ist. Deshalb esse ich dann lieber gar kein Fleisch.“
Die Gruppe findet Fleisch zwar lecker, aber in einem Ferienworkshop zum Thema Nachhaltigkeit haben sie gelernt, weswegen es gut ist, nicht zu viel Fleisch zu essen. „Ich hab im Fernseher gesehen, wie die Hühner alle keinen Platz haben, und hab mir kurz vorgestellt, wie es sich anfühlen würde, das Huhn zu sein. Das fand ich so traurig, dass ich mit meinen Eltern geredet hab, und jetzt essen wir einmal im Monat eine Woche lang vegetarisch“, erklärt Hamta, die der Veggietag schon angeregt hat, weniger Fleisch zu essen. Dies freut Sylvia, denn die KGS legt Wert darauf, die Kinder nicht zur Nachhaltigkeit zu zwingen, sondern an das Thema heranzuführen. „Mir ist es wichtig, zu sensibilisieren und nicht zu missionieren.“
Den Kindern liegt jedoch nicht nur das Tierwohl am Herzen, sie wissen auch, welche Auswirkungen das Fleischessen auf die Umwelt hat. „Je mehr Fleisch wir essen, desto mehr Tiere brauchen wir und desto mehr CO2 ist in der Luft.“ Auch dass man die Tiere aus Deutschland in andere Länder transportiert, um sie dort günstiger zu schlachten, sie aber dann wieder abgepackt bei uns im Supermarkt landen, finden die Kinder unverständlich. „Wenn zu viel CO2 auf der Welt ist, dann wird die Erde immer wärmer“, weiß Jason. Deswegen findet Amelia: „Es ist kein Weltuntergang, auf Fleisch zu verzichten.“
Wie sich zeigt, kann Klein wie Groß etwas bewirken, wenn man auf Fleisch verzichtet. So ist es bereits bekannt, dass der CO2-Ausstoß der Fleischindustrie einer der ausschlaggebenden Faktoren für die Zerstörung des Klimas ist. Schon die Halbierung des Fleischkonsums in Deutschland würde über 13 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr einsparen.
Aber auch uns selbst würden wir einen großen Gefallen tun, wenn wir weniger Fleisch essen als im Moment. Wie die Kinder auch erkennen, hat „Fleisch viel Fett und ist in großen Mengen nicht gesund“. Denn jeder Mensch in Deutschland nimmt pro Woche durchschnittlich 1,2 kg Fleisch zu sich. Hochgerechnet sind das 1.094 Tiere im Laufe des Lebens. Diese Massen könnten der Grund für das hohe Aufkommen von Volkskrankheiten wie Übergewicht oder auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, wie Forschungen zeigen.
Am Beispiel der KGS Bildchen kann man sehen, dass der Veggietag keinem schadet, sondern sehr viel Größeres bewirken kann, als man zunächst denkt. Wenn man von klein auf für Nachhaltigkeit sensibilisiert wird, können Eltern auch von ihren Kindern lernen. So brachte Hamta ihre Mama auf die Idee, im Unverpackt-Laden einzukaufen, Saladin schlug seinem Papa vor, mit dem Fahrrad zum Einkaufen zu fahren, und die Kinder einigten sich darauf, statt der Trinkpäckchen eine wiederauffüllbare Wasserflasche zur Schule mitzubringen.
Eine fleischarme Ernährung würde also allen guttun. Den Veggietag bei sich zu Hause einzuführen, ist einen Versuch wert, und man wird schnell merken, dass es möglich ist, auch vegetarisch vielfältig und gesund zu kochen.
Für Inspiration und weitere Information kann man veggietag-aachen.de besuchen.
Hier gibt es auch Rezepte sowie eine Liste der mitmachenden Lokale und Institutionen.
Von Manuela Batlle und Lilli Wynands
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