Die Segeljungs – Film kommt nach Aachen!

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Foto: Screenshot Filmwelt

Schon während der Schulzeit erkundeten ein paar Freunde Deutschland. Direkt nach dem Abi kauften sie ohne jegliche Erfahrung ein Segelboot und umrundeten schließlich den Erdball. Tim von den „Segeljungs“ hat einen Film über die fünfjährige Reise zusammengeschnitten, der am 22. April auch im Eden Palast in Aachen zu sehen sein wird. Wir haben übrigens dafür gesorgt, dass der Film auch nach Aachen kommt. Hier verlosen wir 3 x 2 Tickets. Es gibt eine weitere Zusatzvorstellung am 26. April 2026.

Was haben Aachen und die Region mit Segeln zu tun? Ungefähr genauso viel, wie Bad Tölz mit Segeln zu tun hat. Aus Bad Tölz kommen Tim, Vince, Michi, Tom und Henrik. Die Schulfreunde wachsen in den Bergen mit Wandern, Skifahren und Klettern auf. Schon während der Schulzeit, im Alter von 15 Jahren, haben sie das Bedürfnis, aus dem Alltag auszubrechen.

2015 fahren sie in den Ferien mit dem Rad 1.000 Kilometer quer durch Deutschland bis Cuxhaven. Das ist die Initialzündung. Sie wollen nun auch mehr über andere Länder wissen. Norwegen wird per Rad erkundet, dann fahren sie mit Kajaks einen Fluss in Spanien hinunter. Kurz vor dem Abi überlegen sie, wie es weitergehen soll. Wie kann man möglichst viel über andere Länder lernen? Wie nachhaltig um die Welt reisen? Vince hat mal einen Kurzfilm über eine Segelcrew gesehen, Tim kennt einen Segler-YouTube-Kanal und plötzlich ist die Idee geboren: Wir kaufen ein Boot und umrunden die Erde!

Erfahrener Segler soll Jungs die Idee ausreden

„Macht doch, das wird eh nix“ ist die erste Reaktion von Familie und Umfeld. Als die Eltern merken, dass es den Jungs ernst ist, gibt es laut Tim „eine Krisensitzung“. Ein erfahrener Segler wird eingeladen, um den Jugendlichen die Hirngespinste auszureden. Als das nach hinten losgeht und die Idee sich verfestigt, steigt auch der Support. Schließlich ist es Tims Bruder, der ihnen das Startkapital für ein Boot leiht.

Während Tim und Michi den Sportbootführerschein absolvieren und die neu erworbene „Eira“ startklar machen, jobben Vince und Tom Vollzeit in der Fabrik, um das Geld für Anschaffungen zu generieren. Später wollen sie über YouTube Einnahmen eintreiben, um ihr Projekt zu finanzieren. Bereits ihre ersten Touren haben die Freunde gefilmt und auf YouTube hochgeladen. Als sie das Boot kaufen, benennen sie den Kanal von „Jungs“ in „Segeljungs“ um. Das war 2018.

„Wir waren schon sehr naiv und haben uns auch selbst überschätzt“, erzählt Tim am Telefon. „Wir waren richtige Larrys“, lacht er. Als er 2025 aus dem Videomaterial über die fünfjährige Tour einen Film zusammengeschnitten hat, bekam der aus diesem Grund den Untertitel „Mit null Ahnung um die Welt“.

Bildrechte: Segeljungs

Urvertrauen, Willenskraft und Durchhaltevermögen

Wer sich die knapp 350 Videos anschaut, mit denen die Jungs ihre Reise dokumentieren, bekommt jedoch schnell einen anderen Eindruck von der jungen Crew, denn man realisiert von Anfang an, wie unglaublich ernsthaft, mit welcher Willenskraft und welchem Durchhaltevermögen die Freunde bei der Sache sind.

Foto: Screenshot Filmwelt

Während das fünfte Crewmitglied bereits in der ersten Woche aussteigt, schaffen es Vince, Tim, Michi und Tom 2019 bis in die Karibik. Als ihr Boot „Eira“ an seine Grenzen stößt und sie ein neues Boot zu einem guten Preis angeboten bekommen, entscheiden sie sich für den Kauf und einen Neustart ab Frankreich. Aus unterschiedlichen persönlichen Gründen können Michi und Tom den Schritt nicht lange mitgehen. Ein Jahr nach dem Start müssen Tim und Vince lernen, das große Segelschiff zu zweit zu handeln – sie wollen die Weltumseglung definitiv zu Ende zu bringen.

Ihnen dabei zuzuschauen, ist spannend und faszinierend zugleich. Und ich habe dabei mehr über andere Länder gelernt als in der Schule. Wie ist die Vegetation, wie leben die Menschen vor Ort, wie ist die politische Lage? Schwimmt wirklich Plastik in den Weltmeeren und wie steht es um die Korallenriffe? Tim und auch Vince bemühen sich darum, viel Zusatzinformation in den Videos zu bieten.

Verblüfft schaut man dabei zu, was die Jungs, die im Laufe der Videos zu jungen Männern werden, alles können und lernen. Genannt seien das Handling eines großen Bootes, Hochseesegeln, Navigation, Bootspflege und Wartung, Holzarbeiten, die Verlegung von Elektrik, die Reparatur des Motors oder das Ausbessern von Segeln – und selbst kochen können sie augenscheinlich fantastisch! „In der Lebensschule haben wir gelernt, was man braucht“, sagt Tim dazu nüchtern. Außerdem managen sie die internationale Bürokratie in 38 Ländern ebenso wie den Umgang mit fremden Kulturen und Menschen. Nebenbei werden sie immer professioneller im Produzieren von Videos und im Social-Media-Game.

Da sie während der Coronazeit unterwegs sind, müssen sie immer wieder kreativ umplanen. Als sie nicht weiterkommen, weil Häfen gesperrt sind, entschließen sie sich zum Beispiel, mehrere Monate durch die USA zu reisen. Mal eben einen kleinen Bulli zu kaufen und innerhalb eines Tages zu einem Camper umzubauen, ist da schon eine Kleinigkeit für sie. Natürlich ist nicht alles Arbeit, zwischendurch werden allen möglichen Wassersportarten und das Tauchen mit Sauerstoffgerät erlernt. Krisenmanagement ist ebenfalls ein ständiger Begleiter. Besonders drastisch ist die Szene, als Tim sich schwer am Fuß verletzt und die Wunde selbst näht. Geübt hatten die Jungs das vorher unter Anleitung eines Arztes an einem Stück Schweinefleisch oder einer Rinderhälfte.

Don’t try this at home?

Den Zuschauern – gerade auch wenn man im Alter der Eltern der Jungs ist – stockt oft der Atem, wenn man die jungen Leute in Gefahrenlagen wie einem Sturm oder im Piratengebiet sieht oder Vince mal wieder mit Haien schwimmen geht. Aber immerhin ist man ja nicht live dabei, sondern weiß schon, dass die Segeljungs gut im Heimathafen angekommen sind.

Foto: Screenshot Filmwelt

Was also ist die Message des Films, was möchte Tim damit aussagen? „Wir waren naiv und haben uns überschätzt, als wir anfingen. Aber das muss man manchmal sein. Wir wollen jungen Menschen sagen: Man muss auch einfach mal machen, sich was trauen!“ Und das lässt sich auf viele Lebenslagen übertragen, egal ob in Bad Tölz oder in Aachen.

 

Im Kino

 

Segeljungs – Mit null Ahnung um die Welt

Ein Film von Tim Hund und Tobias Steinigeweg
Vor und hinter der Kamera: Tim Hund, Vincent Goymann, Thomas Schwarz und Michael Bischof
Deutschland 2025
Dokumentarfilm/Abenteuer/Coming of Age
Laufzeit: ca. 118 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Mi 22.04.2026, 19:00 (ZUSATZVORSTELLUNG) und 19:30 Uhr (fast AUSGEBUCHT), Eden Palast, Aachen
Tim Hund wird bei beiden Vorstellungen für ein Q&A anwesend sein.

Weitere Zusatzvorstellung: Sonntag, 26.04.2026, 16:30 Uhr

Das Buch

Vincent Goymann: Segeljungs – Zwei Freunde, drei Ozeane und null Ahnung

Malik Verlag, April 2025, 18 Euro

Während Tim am Film gearbeitet hat, hat Vince auf Basis seiner Reisenotizen ein Buch geschrieben. Es liest sich wie ein lockerer (Jugend-)Roman. Schnell wird man in das Abenteuer hineingezogen. Karten der Route, kurze Infopassagen mit Segelfachbegriffen und Fotos komplettieren das Werk. Selbst wer alle Videos kennt, erfährt hier noch Neues. Vince thematisiert nicht nur die Reise, sondern auch Aspekte wie Freundschaft, Vertrauen und Liebeskummer, denn nirgends bleiben Vince und Tim lange. Menschen, die sie kennenlernen, werden immer zurückgelassen. Das Buch ist einem guten Freund gewidmet, der von einem Tauchgang nicht zurückgekommen ist.

Tim lebt derzeit in Hamburg und restauriert ein altes Holzsegelboot. Er betreibt weiterhin den Kanal Segeljungs.
Vince lebt heute in Innsbruck und studiert Geografie.

youtube.com/@Segeljungs
61.100 Abonnenten

instagram.com/segeljungs
45.300 Follower

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