Alles ist anders. Wir dürfen nicht mehr rausgehen, keine Freunde mehr treffen und selbst ein einfacher Einkauf wird zur Qual. Was uns vorkommt wie in einem schlechten Film, den wir uns nicht als gegenwärtig hätten träumen lassen, ist jetzt Realität. Gerade für uns Jugendliche ist das eine sehr schwierige Zeit. Die Schule ist normalerweise der soziale Treffpunkt, in dem wir alle zusammenkommen, uns über dies und jenes unterhalten und neben dem stressigen Schulalltag eine schöne Zeit haben. Abends trifft man sich gemeinsam, geht zusammen in die Stadt ein bisschen shoppen und vergisst so die gesamte Verantwortung, die man ansonsten hat. Diese Jahre sind etwas Besonderes, und jetzt wurde uns etwas von der schönen Zeit genommen.
Der Corona-Alltag sieht bei allen sehr ähnlich aus, man macht viel für die Schule, denn diese geht weiter, jedoch bleibt auch viel Zeit für die Familie, die ansonsten oft zu kurz kommt, denn häufig zieht man seine Freunde der Familie vor, was jetzt nicht mehr möglich ist. Außerdem bleibt viel Zeit für Sport, der sonst gemeinsam im Verein ausgeübt wird und jetzt alleine gemacht werden muss oder mit Videokonferenzen. Zeit ist das, was wir momentan alle haben, und deshalb probieren wir uns in neuen Dingen, die wir sonst nicht machen konnten oder wollten. Auch ich habe das Spazierengehen und das Kochen für mich entdeckt und werde diese Sachen auch in Zukunft weiter verfolgen. Meine Freunde konnten auch das Fahrradfahren oder Tischtennisspielen für sich entdecken, auch ganz neue Hobbys wie das Gitarrespielen sind unter den neu entdeckten Freizeitbeschäftigungen. Durch die freie Zeit bleibt uns also die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren oder wiederzuentdecken, die ansonsten auf der Strecke bleiben oder für die auch schlichtweg die Motivation fehlt. Nun gibt es keine Ausreden mehr, denn das, was wir momentan zur Genüge haben, ist Zeit.
In Sachen Schule gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen kommen gut damit klar und mögen es, sich selbst zu strukturieren und somit selbst ein Stück weit erwachsener zu werden. Die anderen hingegen haben große Probleme damit, sich die Aufgaben selbst einzuteilen, und die Lehrer als direkte Ansprechpersonen bei Fragen fehlen ihnen sehr. Sie haben Angst davor, dass ihnen bei möglicherweise abiturrelevanten Themen in Zukunft Stoff fehlen wird, da sie ihn sich nicht selbst beibringen konnten. Es gilt jedoch bei allem, positiv zu denken und sich nicht von möglichen Nachteilen für die Zukunft herunterziehen zu lassen, denn ändern können wir an der Situation nichts.
Angst haben wir momentan alle vor einer Ansteckung unserer Verwandten. Diese gehören oftmals zu der Risikogruppe und wären im Falle einer Ansteckung sehr gefährdet.
Dadurch, dass wir nun fast eingesperrt leben, lernen wir die kleineren Dinge wie einfach mal ein Eis mit Freunden essen zu gehen, aber auch die Schule und die ungeliebten Familienessen mit den Verwandten zu schätzen. Außerdem können wir von Glück sprechen, solch ein gutes Gesundheitssystem hier in Deutschland zu haben und dass so schnell zur Eindämmung des Virus gehandelt wurde. Auch die Umgebung, in der wir wohnen, lernen wir mehr zu schätzen, uns fällt es leicht, einen kleinen Spaziergang mit dem Hund oder etwas Sport im Garten zu machen. All das, was uns als selbstverständlich schien, lernen wir erst zu schätzen, wenn wir es nicht mehr haben.
Wir alle freuen uns schon sehr, wenn das Leben wieder etwas an Normalität zurückerhält und wir uns alle wieder in die Arme schließen können. Außerdem werden wir alle etwas respektvoller mit unserer kostbaren Zeit umgehen und immer daran denken, wie schnell sie uns doch genommen werden kann. An diese Zeit werden wir uns noch sehr lange erinnern und nicht vergessen, wie gut wir es doch haben.
Text & Fotos: Indra Hölscher

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