„Das kalte Herz“ im Theater Aachen

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Unsere Nachwuchsredakteurin Vanessa Chodak war bei der Premiere vor Ort. Wir haben ihr fünf Fragen zum Stück gestellt und bieten damit eine Entscheidungshilfe für wen sich der Theaterbesuch lohnt.

Worum geht es in dem Stück?

Das Theaterstück basiert auf der Erzählung von Wilhelm Hauff, dem Märchen „Das kalte Herz“. Es ist die Geschichte von Peter Munk, der seinem Alltag in der Köhlerei seines verstorbenen Vaters überdrüssig wird. Er führt ein Leben voller harter, schlecht bezahlter Arbeit und wünscht sich nichts mehr, als endlich einmal Geld und Ansehen zu besitzen. Von seiner Mutter erfährt Peter von dem Glasmännchen, einem Waldgeist im Schwarzwald, das sich nur Sonntagskindern, wie ihm selbst zeigt und dabei drei Wünsche gewährt. Natürlich macht er sich gleich auf den Weg um es zu suchen, trifft aber auf den bösen Holländer-Michel, dem er zum Glück entkommen kann. Peter findet schließlich das Glasmännchen und wünscht sich die Fähigkeit zu tanzen und Geld, um endlich die Leute im Wirtshaus beeindrucken zu können. Denn Peter will endlich einmal in seinem Leben dazugehören. Später jedoch gerät er abermals an den Holländer-Michel, der ihm einen folgenschweren Handel vorschlägt. Ein Leben ohne Angst, Reue und Sorgen, aber mit einem Herz aus Stein. Peter willigt dem Handel ein, doch ob das für ihn so gut geht? So wird schon der Spruch des bösen Königs des Waldes zu einer bösen Vorahnung, als er ihm schließlich das Herz herausoperiert: „warmes Herz weg, kaltes Herz rein. Wenn du erwachst wirst du ein anderer sein.“

War der Stoff verständlich?

Meiner Meinung nach war der Stoff des Stückes verständlich inszeniert, bis auf einige Modernisierung, die dieses Familienstück aus meiner Sicht nicht gebraucht hätte. So ist es eine Sache die Figuren moderner zu gestalten und in einem aktuellen Kontext zu verpacken. Wenn zum Beispiel aus Glasmännchen und Holländer-Michel ein epischer Kampf zwischen dem milliardenschweren Großunternehmer im teuren Mantel und dem freundlichen „Waldgeist-Anwalt“ mit Laubgebläse und Pullunder wird, oder die Mutter gegen die Abholzung des Waldes im Sinne des Umweltschutzes protestiert ist es in dem Kontext dieses Märchens für mein Empfinden noch schlüssig und man kann der Überlegung folgen. Den Austausch von Wirtshaus und Glashütte für Tanzfläche mit Elektromusik und vollautomatisierter Glasfabrik mitten im Märchenwald konnte sich mir im Hinblick auf die Vorlage nicht erschließen und fühlte sich unnötig an.
Für jüngere Kinder könnte es schnell verwirrend werden, wenn sich der Märchenrahmen mit der Modernisierung vermischt, auch im Hinblick auf die vielen Aktionen, die in der Geschichte der Handlung schon ablaufen. Schließlich ist die Vorstellung aber für Kinder ab 8 Jahren gedacht und bietet für Familien ebenso wie Schulgruppen eine gute Grundlage, um im Nachhinein über die Bedeutung von Gefühlen und wie wichtig ein „warmes Herz“ ist, zu reden und sich zusammen mit der Thematik zu befassen, die in der Vorstellung angesprochen wird.

Das kalte Herz | Theater Aachen | Foto: Carl Brunn

Wie haben dir die Schauspieler gefallen?

Alle Schauspieler haben auf mich einen guten Eindruck gemacht, ob es nun Tommy Wiesner als Peter Munk, oder Julian Koechlin als der böse, gruselige Holländer-Michel ist. Besonders hat mir Nadine Kiesewalter als Lisbeth gefallen, die für mich den Rahmen für die ganze Erzählung gebildet hat. Nicht nur in ihrer Funktion als Erzählerin, sondern auch in ihrer Rolle als beste Freundin und Stimme der Vernunft von Peter wurde das deutlich. Ihr Ausdruck und Körpereinsatz in den verschiedenen Szenen hat mit zu meiner Meinung beigetragen. Gleiches gilt für Thomas Hamm, der einem als Glasmännchen immer wie eine zweite Stimme der Vernunft vorkam, ein guter Geist, der Peter auch aus falschen Entscheidungen wieder heraushelfen konnte.

Das kalte Herz | Theater Aachen | Foto: Carl Brunn

Die Bilder sehen teilweise düster aus. War das Stück sehr spannend? Für wen ist es geeignet?

Man kann dafür argumentieren, dass dieses Stück für kleine Kinder zu gruselig sein kann, ich würde jedoch behaupten, dass Märchen im Kern immer etwas gruselig sind. Dementsprechend würde ich trotzdem sagen, dass das Stück nur in bestimmten Teilen gruselig wirken könnte, wenn man sich beispielsweise die Fratzenmasken der Waldgeister anschaut, oder wenn der Holländer-Michel in seiner bösen Form mit Hörnern auf dem Kopf erscheint.

Spannend war das Stück auf jeden Fall, da man sich Mühe gegeben hat, mit verschiedenen Bühnenelementen, Lichteffekten und Projektionen verschiedene Perspektiven in die Vorstellung und Handlung zu bringen. So kann Peter Munk über eine Projektion auf der durchsichtigen, heruntergefahrenen Leinwand schon einmal auf dem Mond tanzen. Oder das herausgenommene Herz kann leuchtend über der Bühne schwebend, um einen immer wieder daran zu erinnern, was Peter verloren hat. Auch der Kampf von Glasmännchen und Holländer-Michel am Ende des Stücks wirkt durch die Projektionen viel spektakulärer.

„Das kalte Herz“ ist ein Familienstück ab 8 Jahren und das Alter sollte man als Zuschauer mindestens haben, um sich mit dem Stoff der Vorstellung befassen zu können. Auch für ältere Kinder und Familien ist es sicherlich interessant, vielleicht sogar mehr als für besonders junge. Ein Austausch über das Gesehene ist empfehlenswert, besonders mit jüngeren Kindern. Geeignet ist es meiner Meinung nach für Märchenfans, die auch an einer modernisierten Fassung des Originals ihre Freude haben.

Alle Infos & Karten:
Link zum Theater Aachen



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