Ab 2022 wird die Hebammenausbildung gemäß einer EU-Verordnung nur noch als Studium möglich sein. NRW plant daher die Einrichtung von 300 Studienplätzen im ganzen Bundesland. In Aachen sollen an der Medizinischen Fakultät der RWTH 40 dieser Studienplätze angeboten werden. Auch wurde eine Professur für Hebammenwissenschaft geschaffen. Die Hebammenschule des Luisenhospitals wird jedoch schließen.
Die bisherige Hebammenausbildung wird mit dem Jahr 2022 abgelöst durch eine Hochschulausbildung. Diese Änderung geht zurück auf eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2013. Der Landeshaushalt für das Jahr 2021 sieht rund 8,75 Millionen Euro für die Ausbildung und Errichtung der Studienplätze vor, sodass rund 30.000 Euro pro Platz bei 300 Plätzen in ganz NRW investiert werden. Die Umstrukturierung der Ausbildung stellte auch die Stadt Aachen vor Planungsherausforderungen. „Uns treibt das Thema seit gut zwei Jahren um. Wir sind eines der wenigen Länder im europäischen Vergleich, in denen es die Akademisierung des Hebammenberufs noch nicht gibt. Diese Tatsache stellte uns vor große Herausforderungen, weil nur an wenigen Hochschulen im gesamten Bundesgebiet und an einer Hochschule in NRW entsprechende Lehrstühle existieren“, erklärt Werner Pfeil (FDP). Jetzt wird am Universitätsklinikum eine Professur für Hebammenwissenschaft eingerichtet und ab dem Wintersemester 2022/23 werden 40 Studienplätze angeboten. Mit dem Angebot der Studienplätze erhofft man sich auch, den „Klebeeffekt“ nutzen zu können, das heißt, man hofft, dass die Hebammen auch nach der Ausbildung in der Region Aachen bleiben.
Um den regionalen Bedarf an jährlich neu auszubildenden Hebammen in Aachen, Heinsberg, Düren, Euskirchen und in der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Ostbelgien zu ermitteln, wurde eine Umfrage durchgeführt. Das Ergebnis: Um den Bedarf vollständig decken zu können, müssten jährlich 90 Hebammen ausgebildet werden, so der Gesundheitsdezernent der StädteRegion Aachen, Dr. Michael Ziemons. Bisher wurden an der Hebammenschule des Luisenhospitals (CBG) 20 Ausbildungsplätze angeboten. Angesichts dieses numerischen Unterschieds habe man sich vergangenen Februar dafür entschieden, zunächst eine Verdopplung der Plätze zu fordern – mit dem Hinweis, dass jeder zusätzliche Platz natürlich hilfreich sei, führt Ziemons weiter aus. Der Minister der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Antonios Antoniadis, hatte in diesem Kontext ebenfalls geäußert, dass das Interesse seitens der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien an den 40 Studienplätzen hoch sei, da es sonst keine grenzübergreifende Möglichkeit für eine deutschsprachige Ausbildung gebe.
Das Land NRW habe auf den Bedarf in der Region positiv reagiert und nicht nur 40, sondern sogar 60 Studienplätze für Aachen genehmigt, berichtet Hendrik Schmitz (CDU). Dabei wurde auch eine salomonische Entscheidung in Bezug auf die Wahl der Ausbildungsstätte getroffen, denn von diesen 60 Plätzen sollten eigentlich 40 an der RWTH und 20 an der Hebammenschule des Luisenhospitals in Kooperation mit der Katholischen Hochschule NRW in Köln angeboten werden. Zuvor standen diese beiden Ausbildungsstätten als Bewerber für das Angebot der Studienplätze in Konkurrenz. Überraschenderweise habe sich aber das Luisenhospital dazu entschieden, das Angebot des Landes abzulehnen und langfristig die Hebammenschule zu schließen, erläutert Ziemons. Die Gründe für diese Entscheidung sind nicht näher bekannt. „Es wäre eigentlich eine geniale Lösung und für uns als Region natürlich besonders schön gewesen, wenn man 60 statt 40 Plätze hätte anbieten können. Damit wären immerhin zwei Drittel des ermittelten Bedarfs gedeckt gewesen. Zu unserer großen Enttäuschung hat sich das Luisenhospital dazu entschieden, die bewilligten 20 Plätze nicht anzunehmen. Das ist wirklich bedauerlich und mir auch völlig unverständlich“, führt der Gesundheitsdezernent weiter aus. Das Luisenhospital bleibe aber als Kooperationspartner des Universitätsklinikums erhalten, denn die praktische Ausbildung solle nicht am Universitätsklinikum konzentriert werden, sondern weiterhin auch an allen kooperierenden Kliniken stattfinden.
Gefordert wird vom Luisenhospital seitens der Politik aber ganz klar, dass auch im kommenden Jahr, also 2021, die Hebammenausbildung in bisheriger Form angeboten werden muss, um einen lückenlosen Übergang zu garantieren. Das Uniklinikum startet nämlich mit dem ersten Studienjahrgang erst 2022. Auch wird weiterhin gefordert, dass die Lehrkräfte des Luisenhospitals eine berufliche Perspektive erhalten müssen.
Das Ausbleiben der 20 weiteren Studienplätze bleibt ein kleiner Wermutstropfen, soll aber den Erfolg der Schaffung der 40 Studienplätze nicht mindern. Man habe trotzdem das gesetzte Ziel erfüllt und könne hierauf sehr stolz sein. „Wir sind gerade wie ein Schüler, der sich ärgert, dass er nicht die 1+ geschrieben hat“, scherzt Ziemons. „Wir können 40 Plätze in Aachen anbieten, haben eine eigene Professur für Hebammenwissenschaften und bilden grenzüberschreitend aus. Damit entsteht in der Region ein Leuchtturm. Darüber können wir uns freuen, auch wenn der Leuchtturm nicht noch einen Ticken heller strahlt.“
Danke für die Infos