(Aus KingKalli 50, 2012)
Über Schadstoffe in Kleidung sprach KingKalli mit Anke Stöppel.
Jede Mutter kennt das: Beim Einkaufsbummel mit Nachwuchs möchten die Kleinen die tollen neuen Klamotten am liebsten direkt anlassen. Aber ist das nicht ungesund? Was ist dran an dem Spruch, den jeder schon von seiner eigenen Mutter kennt: „Nein, das müssen wir erst einmal waschen!“
Damit die Kleidung den Weg vom Produktionsort zum Endverbraucher gut übersteht, wird sie mit Chemikalien behandelt, die verhindern sollen, dass die Fasern während des Transports von Motten befallen werden, schimmeln, Stockflecken bekommen oder einen muffigen Geruch annehmen. „Große Teile dieser Chemikalien werden bereits bei der ersten Wäsche ausgewaschen“, erklärt Anke Stöppel, die sich im Rahmen eines Selbstversuches zum Thema Klimaschutz auch intensiv mit Kleidung befasst hat.
Also tatsächlich: Kleidung vor dem ersten Tragen einmal waschen!
Wer aber ganz sichergehen möchte, greift zu Öko-Kleidung ohne schädliche Chemikalien. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass nicht nur das Material möglichst ökologisch hergestellt wurde, sondern auch die weitere Verarbeitung ökologisch ablief. Das am weitesten verbreitete Ausgangsmaterial ist die Biobaumwolle. Sie kann an der Kennzeichnung „Baumwolle (kbA)“ erkannt werden, welche für „Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau“ steht. Aber auch andere Materialien wie Leinen, Seide oder Hanf kommen zum Einsatz.
Während bei konventioneller Kleidung über 7000 Chemikalien im Bereich der Färbung und Weiterverarbeitung eingesetzt werden, wird bei Ökokleidung darauf geachtet, möglichst wenig Chemikalien zu verwenden. Auf spezielle Extras wie Knittereffekte, abgewetzte Hosen oder Sportbekleidung gegen Schweiß wird vollständig verzichtet.
Besonders bei der Unterwäsche für kleine Kinder greifen Eltern gerne auf ökologische Produkte zurück.
Eine günstige Alternative zu echten Öko-Klamotten sind aber auch Kleidungsstücke aus dem Second-Hand-Laden oder vom Flohmarkt. Da sie mehrfach getragen und gewaschen wurden, ist ein Großteil der Chemikalien bereits ausgewaschen worden.
Ein andere Möglichkeit besteht darin, die Kleidung für die Familie selbst zu schneidern. Dafür muss natürlich auf Stoffe aus Biobaumwolle oder andere „grüne“ Materialien zurückgegriffen werden.
Ankes Erfahrung zum Thema Öko-Kleidung
Während meines Klimaschutz-Selbstversuches wollte ich endlich komplett auf Ökoklamotten umsteigen. Doch schnell stieß ich an meine Grenzen: Für mich als Verbraucher war es kaum nachvollziehbar, woher die einzelnen Bestandteile eines Kleidungsstücks stammten, wo und wie sie weiterverarbeitet wurden und welche Chemikalien zum Einsatz kamen. Also beschloss ich, mich auf das Siegel „Global Organic Textile Standard“ (kurz GOTS) zu verlassen. Kleidung nach GOTS-Standard muss zu 90 % aus Naturfasern bestehen, wobei mindestens 70 % aus biologischem Anbau stammen. Die Kleidung darf nur bestimmten chemischen Prozeduren ausgesetzt werden. Einige Öko-Label erlegen sich selbst sogar noch strengere Richtlinien auf.
Mein Fazit: Leider ist das Sortiment an echter Ökokleidung noch sehr begrenzt. Der Einkauf macht weniger Spaß, da man plötzlich auf Herstellung und Verarbeitung achten muss. Dafür bekommt man qualitativ hochwertige Sachen, die das Zeug zum Lieblingsstück haben!
Buchtipps
„Saubere Sachen: Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt“ von Kirsten Brodde, 256 Seiten, 16,95 Euro
„Textil-Fibel, Wissenswertes über Fäden, Fasern und faire Kleidung zum Wohlfühlen“ vom Greenpeace Magazin, 176 Seiten, 12,50 Euro
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