Derzeit geht ein Aufschrei durch Aachen, seitdem sich sich Dank sozialer Netzwerke wie Facebook wie ein Lauffeuer die Nachricht verbreitet, der Verkauf und die Schließung des Musikbunkers an der Goffartstraße stehe unmittelbar bevor.
Innerhalb eines Tages haben sich in der Facebookgruppe „Musikbunker erhalten“ über 8.500 Menschen eingefunden, die für den Erhalt des Bunkers plädieren. Als Reaktion seitens der Stadt wurde der Bunkerverkauf sogar auf die Tagesordnung des Bürgerforums gesetzt, das am 21.01. im Rathaus stattfindet.
Die gute Nachricht zuerst: Nicht alles was derzeit im Netz zu lesen ist entspricht dem derzeitigen Sachstand. Lars Templin, Geschäftsführer des Vereins Musikbunker e V., blickt durchaus zuversichtlich in die Zukunft: „Alles halb so wild – wir haben Hoffnung auf ein gutes Ende.“
Bund verkauft Bunker
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) veräußert seit geraumer Zeit Bunker in Deutschland. In Aachen sind die Bunker an der Kasinostraße, Sandkaulstraße und Rütscherstraße bereits verkauft worden. Bereits vor zwei Jahren wurde Lars Templin als Geschäftsführer des Vereins Musikbunker e. V. vom Bund informiert, dass der Verkauf der Bunker Goffartstraße und Junkerstraße ansteht, seit zwei Monaten wurden die Gespräche intensiviert. Dabei hat die BIMA dem Betreiberverein und auch der Stadt Aachen ein Vorverkaufsrecht eingeräumt und wird den Bunker vorerst nicht öffentlich ausschreiben.
Ein Wertgutachten soll bald den Kaufpreis des Bunker ermitteln. Templin hofft, den Bunker dann mit dem Verein – und gegebenenfalls der Hilfe der Stadt – erwerben zu können.
120 Proberäume in geschichtsträchtigen Aachener Bunkern
Bereits seit 1987 fungiert der Bunker an der Goffartstraße als „Musikbunker“. 60 Proberäume befinden sich in dem gewaltigen Inneren, im Keller gibt es zudem zwei beliebte Konzert- und Partyräume. Das Veranstaltungsprogramm mit rund 100 Konzerten pro Jahr ist besonders in der alternativen Szene beliebt. Jährlich werden bei den Konzerten rund 40.000 Besucher gezählt.
Seit 1992 ist der Bunker in der Trägerschaft des Musikbunker e. V., der auch die Musikbunker Junkerstraße und Zeppelinstraße verwaltet. Die beiden kleineren Bunker fassen jeweils 30 Proberäume.
Während sich der Bunker Zeppelinstraße schon lange in städtischem Besitz befindet, soll nun auch der Bunker Junkerstraße, der ebenfalls für Proberäume genutzt wird, bald zum Verkauf stehen. Sowohl Goffartstraße als auch Junkerstraße stehen unter Denkmalschutz, so ist vorerst nicht zu befürchten, dass die beiden Bunker einfach abgerissen und zu Wohnraum umgebaut werden können.
Lars Templin, seit 2008 Geschäftsführer des Vereins, kennt die Bunker und alle Räume wie seine Westentasche. Als wir den 1942 fertiggestellten ehemaligen Luftschutzbunker an der Goffartstraße betreten und sofort in einem klammen Betontreppenhaus landen, von dem unzählige schmale Gänge abgehen, läuft mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter.
Das ginge vielen am Anfang so, bestätigt Lars Templin. Dennoch lerne man schnell, sich zurechtzufinden. Zudem sind auf dem Boden Leuchtpfeile aufgeklebet, die an der Außenseite des Ganges entlangführen – wer immer an der Außenseite geht, kommt also raus. Angeblich kann man den 76 Meter langen, 18 bzw. 36 Meter breiten und 13 Meter hohen Bunker von jeder Stelle in 30 Sekunden verlassen – wenn man den Weg kennt. Ich habe da so meine Zweifel.
Templin erzählt, dass ihm manchmal selber ganz komisch werde – nämlich dann, wenn alte Menschen fragen, ob sie einmal in den Bunker dürfen. Menschen, die hier im Krieg Unterschlupf gesucht haben, oder noch bis in die 50er Jahre mit ihren Familien im Bunker gelebt haben und jetzt noch einmal an diesen Ort zurückkehren und ihr „Zimmer“ sehen wollen.
Heute beherbergen die Räume Studios von Musikern. Sie sind unterschiedlich groß. In manchen proben einzelne Musiker, in anderen ganze Bands. Templin ist daran gelegen, alle schalten und walten zu lassen, wie sie möchten. So sind alle Räume individuell gestaltet und die Wände beklebt und mit Graffiti besprüht. Nicht so gerne gesehen wird, wenn die Räume als billiger Abstellplatz genutzt werden: „Lieber unterstützen wir junge Bands und geben ihnen die Chance auf einen günstigen Proberaum.“
Drei Räume sind an die Stadt untervermietet, die hier Streetwork betreibt. Gruppen von jungen Leuten, hauptsächlich Punks, nutzen das Angebot, in diesem Rahmen Musik zu machen, sich auszutauschen und zu feiern.
Solange sie sich an die Regeln des Bunker halten („Hunde dürfen zum Beispiel nicht in die Gänge machen“), geht alles in Ordnung. Auch ein Konzert sei schon gemeinsam veranstaltet worden.
Bunkerkauf soll Thema der nächsten Ratssitzung werden
Vor kurzem hat Lars Templin den Bunker auch vor dem Kulturausschuss der Stadt Aachen vorgestellt und war überrascht, dass nicht alle das Angebot kannten. Jedoch konnte er bei dem Termin viel Zuspruch ernten.
Jetzt blickt er zuversichtlich in die Zukunft und hofft, dass das Thema Bunkerkauf zum Thema der nächsten Ratssitzung der Stadt wird. Ein Antrag wurde bereits von den Grünen gestellt, die anderen Parteien dürften diesem auch zustimmen.
Vorbildliche Arbeit
Zu Gute halten kann man den Bunkerbetreibern auch die Bestrebungen, mit Ordnungsamt und Anwohnern gut auszukommen. Man müsse eben im Gespräch bleiben, so Templin.
Um für die Anwohner eine angemessene Lautstärkt zu gewährleisten, wurden im Bunker viele Dämmmaßnahmen – vor allem an den problematischen, schallleitenden Belüftungssystemen – durchgeführt. Außerdem weisen bei großen Veranstaltungen Türsteher die Besucher darauf hin, bitte draußen leise zu sein: „Manche jungen Leute müssen erst lernen, dass sie bitte drinnen feiern sollen und es Menschen gibt, die um 4 Uhr schlafen wollen“, so Lars Templin. Würde man das aber immer wieder erklären, könnten auch alle gut damit leben.
Nun wartet Templin auf das Wertgutachten für den Bunker.
Der Verein wird derzeit von der Stadt mit 5.000,- Euro pro Jahr unterstützt und finanziert sonstige Ausgaben über Raummieten, Veranstaltungseinnahmen und die Vereinsgebühren. Derzeit gibt es 600 zahlende Mitglieder. Wer einen Raum mieten will, muss auch Mitglied werden.
Die Mitgliedsbeiträge bewegen sich zwischen 32,50 Euro (für Leute mit wenig Geld) über den Normalbeitrag von 65 Euro pro Jahr bis zum Förderbeitrag von 130 Euro pro Jahr. Derzeit gebe es jedoch kein Mitglied, das 130 Euro bezahlt, so Templin.
Wer sich gerne selber zu dem Thema informieren möchte oder seine Sympathie bekunden will, hat dazu die Möglichkeit beim Bürgerforum am Dienstag den 21.01. um 17 Uhr im Ratssaal des Aachener Rathauses.
www.musikbunker-aachen.de
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