Buchtipp: Ausnahmesituationen

in Medien, Standard

Rezensionen von Eva Unterburg / Buchhändlerin, M.A. in Kunst- und Literaturwissenschaft

Die folgenden Bücher handeln alle von Situationen, in die man erst hineinwachsen muss, die vielleicht zunächst überfordern oder sogar Angst machen. Doch die kleinen und großen Heldinnen und Helden dieser Geschichten finden Lösungen und gehen zum Schluss gestärkt aus der Situation hervor. Da wird gezaubert auf Teufel komm raus, aller Mut zusammengenommen, improvisiert und zu unkonventionellen Lösungen gegriffen.

Battle

Amelie ist 17 und scheint alles zu haben, wovon andere Mädchen träumen: eine erfolgreiche Tanzkarriere, eine schöne Villa in einer guten Wohngegend, einen tollen Pool zum Feiern mit der angesagten Clique und einen Freund, um den sie andere beneiden. Dennoch scheint da etwas Zwanghaftes an ihr, und auch das Geheimnis um die einst erfolgreiche Tänzerinnenmutter schwingt bereits in den ersten Seiten dieses lesenswerten Romans mit. Als dann für Amelie völlig unerwartet ihr komplettes Leben von einer Minute auf die andere durch den Konkurs ihres Vaters zusammenbricht, bleibt man als Leser/in fassungslos zurück. Amelie muss Hals über Kopf in ein weit entferntes Brennpunktviertel Oslos ziehen und findet sich plötzlich in einem komplett neuen sozialen Umfeld wieder. Ihrem schulischen Umfeld spielt sie weiterhin die höhere Tochter vor, aber nach und nach lässt sich die Fassade immer schwerer aufrechterhalten. Zum Glück gibt es da diesen Jugendclub in ihrem neuen Wohnblock, wo so ganz anders getanzt wird als in ihrer Schule …
Maja Lunde: Battle. 224 Seiten, gebunden, Urachhaus 2018
ISBN: 978-3-8251-5147-8, 17 Euro, ab 14 Jahren

Du doofes Ding, du!

Der kleine blonde Junge bekommt von seiner Oma ein Geschenk, doch leider ist es so ganz und gar nicht das, was er sich gewünscht hat. Es ist nicht der Karate-Mann, der sogar Holz hacken kann. Nein, es ist ein weißes … Ding, das der Junge einfach nur doof findet. So doof, dass er es am liebsten ins Meer schmeißen würde oder auf den Mond schießen oder noch besser von Ding-Fressern am anderen Ende der Welt aufessen lassen würde. Und nun geht Oma mit ihm in den Zoo und möchte, dass er das Ding mitnimmt. Dort passiert etwas, mit dem wohl keiner gerechnet hat. Am wenigsten das Ding selbst! Wenn das kein perfektes Bilderbuch ist, was dann?
Salah Naoura, Thilo Krapp (Illustr.): Du doofes Ding, du! 40 Seiten, gebunden, Klett Kinderbuch 2017
ISBN: 978-3-95470-167-4, 14 Euro, ab 4 Jahren

Vom Faultier, das nicht faul sein wollte

In der Faultierschule im Schlummertal ist so gar nichts los. Überall hängen dösende, schlafende oder schnarchende Faultiere über allem, worüber man hängen kann. Die Unterrichtsfächer sind „laut Schnarchen“, „Hinlümmeln“ und „Nichts“. Selbst die Sache mit dem Mittagessen wird meist verschlafen, und am Abend muss der Hausmeister die Faultierschüler rauskehren. Und dann taucht eines Tages Fünkchen auf, ein lebenslustiges kleines Faultiermädchen voller Schwung und Tatkraft. Keiner ihrer tollen Vorschläge klappt – keiner will rechnen, einen Turm bauen oder gar ein Gedicht lernen. Doch wer weiß, was aus der Faultierschule geworden wäre ohne Fünkchens rettende Ideen, denn der strenge Eber vom Verein für Schulen ohne Schnarcher war sich bei seiner Inspektion eigentlich sicher: Diese Schule muss geschlossen werden. So viele Faultiere im Schlafanzug in den unmöglichs-ten Schlafpositionen – einfach nur göttlich anzuschauen.
Helen Lester, Lynn Munsinger (Illustr.): Vom Faultier, das nicht faul sein wollte. 32 Seiten, gebunden, arsEdition 2018
ISBN: 978-3-8458-2586-1, 12,99 Euro, ab 3 Jahren

Wer kann denn da nicht schlafen?

Endlich ist es so weit: Häschen darf bei Wusel übernachten. Große Freude, zunächst wird ausgepackt, gespielt und getobt und nochmal gespielt. Danach wird gegessen und aufgeräumt, Sandmännchen geschaut und die Zähne werden lange geputzt, denn eigentlich wollen die beiden nicht ins Bett. Doch dann kommen Häschen die Tränen. Er hat Heimweh und ihm fehlt all das, was er daheim hat. Ob Wusels Mama da helfen kann? Jedes Elternteil kennt diese Alltagssituation, in der sich Kinder gerne mal überschätzen und vom Heimweh geplagt werden. Aber zum Glück gibt es ja Telefone und Mamas, die einen mitten in der Nacht abholen. Entzückend geschrieben und gezeichnet.
Stina Wirsen: Wer kann denn da nicht schlafen? 32 Seiten, gebunden, Klett Kinderbuch 2019
ISBN: 978-3-95470-207-7, 8,50 Euro, ab 3 Jahren

Der Schusch 
und der Bär

Bär ist am Ende des Sommers ein gemachter Mann. Mit dem Honigsammeln hat er richtig viel Geld verdient. Deshalb zieht er in die schickste Höhle ins Simmerlgebirge und kauft sich ein großes Bett mit dicker Matratze, wo er das restliche Geld verste­cken kann. Gerade macht er es sich auf der Sonnenliege bequem, schon läuft ein Huhn mit einem Sack über der Schulter vorbei. Oh je, das will sicher an sein Geld, also schnell eine Türe an die Höhle bauen. Und so geht es weiter. Überall wittert Bär diebische Gesellen, und so wird sein Zuhause nach und nach eine Festung, die komplett verbarrikadiert ist. Bis der Schusch vorbeikommt und Bär zu etwas ganz Besonderem einlädt … Welch eine schöne Geschichte um das, was wirklich reich macht im Leben, nämlich echte Freunde.
Charlotte Habersack, Sabine Büchner (Illustr.): Der Schusch und der Bär. 32 Seiten, gebunden, Ravensburger 2019
ISBN: 978-3-473-44710-7, 12,99 Euro, ab 3 Jahren

Der blaue Fuchs

Der blaue Fuchs ist mit seiner Teekanne Kamilla unterwegs, um ein neues Zuhause zu suchen. Aber irgendwie passt alles nicht so richtig, es ist entweder zu laut oder zu eng, zu verschlafen oder zu hoch. Doch dann trifft er im Wald auf die roten Füchse und freut sich sehr, endlich zu Hause zu sein. Doch die roten Füchse scheinen ihn nicht zu mögen, sie hecken einen Plan aus, um ihn zu vertreiben. Mit seiner blauen Farbe passt er einfach nicht in den Wald, finden sie. Wäre der kleine blaue Fuchs nicht so mutig gewesen und hätte allen klargemacht, dass es gar nicht auf die Farbe ankommt und jeder Fuchs ein Fuchs ist, es hätte sicher böse geendet für den blauen Fuchs. Aber so kann er getrost mit den anderen einen Begrüßungstee trinken – das machen Füchse nämlich gerne, egal ob rot oder blau. Ein Mutmachbuch mit schönen Bildern.
Karolina Benz: Der blaue Fuchs. 32 Seiten, gebunden, Ravensburger 2018
ISBN: 978-3-473-44704-6, 12,99 Euro, ab 3 Jahren

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