Auf 100 Quadratmetern im Dachgeschoss eines Wohnhauses in Alsdorf-Zopp sammelt Alfred Reimund alles aus der Region, was ihm in die Hände fällt. Hier hat er seit 1999 sein privates Heimatmuseum aufgebaut. Vorschulgruppen aus Kindergärten und Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 können das Museum besuchen und allerlei lernen. Dabei geht es nicht ums bloße Anschauen und Theorie, sondern die Kinder können selbst tätig werden. Nach zwei Stunden wollen sie meist gar nicht mehr weg.
Wenige Minuten vom Zentrum Alsdorfs entfernt liegt die Wohnsiedlung in Alsdorf-Zopp, in der sich das private Heimatmuseum befindet. Kommt eine Kindergruppe mit bis zu zwölf Personen zu Besuch, gibt es erstmal etwas zu trinken und zu knabbern, dann geht es gestärkt nach oben. Ein paar Kinder werden angehalten Mütze, Schal oder Handschuhe mit in die erste Etage zu nehmen.
Dort zeigt Alfred Reimund den Kindern als Erstes ein altes Übersichtsbild von Alsdorf. „So haben die Menschen hier früher gearbeitet“, erklärt er. Im Flur lässt er einen Püngel aus einem kleinen Schacht im Dachstuhl herunter. In ihm werden der Schal, die Mütze, die Handschuhe der Kinder nach oben gezogen – so haben es die Bergleute in der Waschkaue mit ihrer Kleidung gemacht, bevor sie unter Tage gefahren sind. Die Kinder bekommen kleine Helme, dann geht es an die Arbeit.

Bei Alfred Reimund wird nicht dröge erklärt, alles ist für die Kinder unmittelbar erfahrbar. Egal ob es um Gegenstände aus dem Bergbau geht oder um das Alltagsleben der Menschen. Hier werden alte Bügeleisen herausgekramt, wie haben sie funktioniert? Das eine kam in den Ofen, das andere wurde mit kleinen Kohlestückchen befüllt – die Kinder bekommen je eins zum Anfassen in die Hand. Dort stehen Kästchen mit Kurbeln. Was ist das? Und wieso kommt beim Kurbeln keine Musik heraus? Ach so, eine Kaffeemühle! Die Kinder erhalten Kaffeebohnen und mahlen sie.
Alte Uhren werden betrachtet, auf dem Computer gibt es dazu einen Kurzfilm über die Funktion von Uhren.
Daneben steht ein Apparat. Was ist das schon wieder? Es klingelt. Ein Kind nimmt den Hörer – am anderen Ende ist die Erzieherin. Oh! Ein Telefon!
So geht es weiter. Auch im zweiten Raum im Obergeschoss stehen viele Geräte, die sich sofort anwenden lassen. Ein Bohrer, Schreibmaschinen, Hammer und Nägel, ein komisches Holzstück – ist es ein Kreisel? Nein, damit wurden früher Socken gestopft! Alles kann sofort ausprobiert werden.
Zwei Stunden vergehen in der Zeitkapsel von Reimund wie im Flug. Die Kinder wollen gar nicht mehr weg. 50 bis 60 Gruppen waren bereits zu Gast, die Führungen sind beliebt, weil die Kinder so aktiv mitmachen können. Woher nimmt Reimund das pädagogische Know-how? Er habe vier Enkel, gibt er zu Protokoll, wisse daher, wie man Kinder einzubinden habe.
Die Führungen sind kostenlos. Alfred Reimund bietet seine Leistungen ehrenamtlich an. „Bezahlt“ wird er mit Fundstücken, die ihm die Menschen bringen. Manchmal wird ihm sogar etwas vor die Türe gestellt.
Zwei bis drei Stunden verbringt er täglich mindestens damit, sein Archiv zu pflegen. Neben all den Gegenständen sind 148.371 Bilder und Postkarten aus der Region akribisch digital erfasst, 79.112 Fotos aus dem Bergbau. 450 Zeitungen und Zeitschriften (darunter auch KingKalli!) ergänzen die ständig wachsende Sammlung. Mit PowerPointpräsentationen besucht Reimund regelmäßig 17 Seniorenheime in der Region, auf dem Alsdorfer Weihnachtsmarkt ist er mit einem Zehnmeterstand anzutreffen, dort legt er Material für Interessierte aus. Ewig kann man in den Bildern stöbern.
Am 3. Juli 2022 wird das private Heimatmuseum auf dem Geschichtsmarkt bei Grube Adolf anzutreffen sein – für diese arbeitet Reimund ehrenamtlich als Archivar.
Vorschulgruppen und Schulklassen, die sein eigenes privates Heimatmuseum besuchen möchten, können gerne einen Termin vereinbaren.
Privates Heimatmuseum Alsdorf
alsdorf-zopp.de/heimatmuseum.html
Alfred Reimund
Weidgenstraße 2 a
52477 Alsdorf-Zopp
02404 26305
alfred.reimund@gmx.de
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