Sneakerheads campen vor dem Verkaufsstart tagelang vor Läden, um das neueste Objekt der Begierde zu erwerben, bei Raffles wird die Kaufoption für ein limitiertes Sneakermodell verlost und Käuferinnen und Käufer werden zu ihrer eigenen Sicherheit per Taxi mit dem Sammlerstück nach Hause gefahren. Sneaker sind seit Jahrzehnten mehr als ein Turnschuh. Das NRW-Forum Düsseldorf widmet ihnen eine Ausstellung.
Bis zu den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts war ein Turnschuh ein Turnschuh. Als die Hersteller begannen, unterschiedliche Schuhe für die einzelnen Sportarten zu produzieren, war es zur nächsten Idee nicht weit: Warum nicht gleich einem Star das passende Modell auf den Leib schneidern? In den USA war in den 80ern Basketball populär, und als sich Michael Jordan als der kommende Star der NBA abzeichnete, ergriff Nike die Gelegenheit: Jordan wurde unter Vertrag genommen und der eigens für ihn entwickelte Air Jordan wurde zum vielleicht ersten Kultschuh überhaupt. Michael Jordan wurde nicht nur für die jungen People of Colour zum Idol, sondern auch zur Verkörperung des American Dream – und damit auch seine legendären Sneaker.
Parallel hatte die Hip-Hop-Szene den Turnschuh für sich entdeckt, mit den Schuhen konnte jeder Individualität zeigen, sie waren Identifikationsobjekt.
Viele Kooperationen sind seitdem entstanden. Künstler und Musiker wurden zu Designern und auch Marken wie Lego und Coca-Cola sowie Luxuslabels wie Louis Vuitton sind Kollaborationen eingegangen und haben Sneaker entwickelt.

Das NRW-Forum Düsseldorf zeigt 250 berühmte Modelle, darunter die Air-Jordan-Serie von 1985 in allen 20 Farben und hauptsächlich ungetragen (Deadstock), die weltweit nur eine Handvoll Sammler und Sammlerinnen besitzt.
Natürlich sind die Sammlerstücke, die bis zu sechsstellige Summen kosten können, sicher geschützt in Boxen untergebracht und das Tolle ist: Die Besucher und Besucherinnen werden nicht sich selbst und ihrem Vorwissen überlassen, sondern können über jedes Modell Infos und Anekdoten nachlesen (in Deutsch und Englisch).

„Ist es zeitgemäß, so eine Ausstellung zu zeigen?“, fragte bei der Pressevorschau eine Pressevertreterin. Schließlich könne die Ausstellung zum ungehemmten Konsum anregen. Mit der Frage hat sich auch Kuratorin Alina Fuchte beschäftigt, schließlich werden jährlich über 20 Milliarden Schuhe produziert, ein Viertel davon sind Sneaker. Die Ausstellung geht in der Abteilung eco auf den Aspekt ein, zeigt ressourcenschonende und konsumkritische Ansätze in einem – zugegeben etwas unsexy – Raum, der im Dunkeln liegt. Einzelne Lichtspots gehen nur auf Knopfdruck an, hier wird auch bei der Präsentation Energie gespart. In der Abteilung future wird es dann ganz abgefahren. Außer um Schuhe aus dem 3D-Drucker geht es um Sneaker als NFT oder für den Avatar im Metaverse.
Eine spannende Ausstellung zu einem Special-Interest-Thema, bei der man viel Wissen sammeln kann. Und auch wenn es vielleicht zur Kategorie „unnützes Wissen“ gehört, macht es auf jeden Fall Spaß!
Beim Rausgehen wird dann noch das Selfie von den eigenen Sneakern am Selfiepoint geschossen.

Sneaker
Die Ausstellung läuft bis zum 26. Mai 2024.
NRW-Forum Düsseldorf, Ehrenhof 2
nrw-forum.de/ausstellungen/sneaker
Es gibt ein Begleitprogramm für Schulen, samt Gestaltung eines 3D-Sneaker-Pappmodells.

Veranstaltungen:
Design und Nachhaltigkeit?!
11. April 2024, 19:00-21:00 Uhr
Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Möglichkeit, ein eigenes Design zu erarbeiten. Was ist möglich im Design, welchen Herausforderungen muss man sich stellen und welche Kompromisse muss man bei der Herstellung nachhaltiger Schuhe eingehen? Marek Bäuerlein (Creative Director ekn footwear) gibt Einblicke in den Workflow von der Grundidee bis zur Serienproduktion.
Für Personen ab 16 Jahren; die Veranstaltung ist kostenfrei.
Talk: From Trash to Treasure
12. April, 18:00-21:00 Uhr
Mit Julia Schoierer aka Sneakerqueen, Sammlerin,
Helmut Fischer, Senior Advisor PUMA,
und Fabian Schumacher aka Schumzen, Digital Creator und Syrup Founder
Die Veranstaltung ist kostenfrei.
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