Abitur bestanden. Und jetzt? Mit genau dieser Frage musste auch ich mich dieses Jahr auseinandersetzen, und Polen war meine Antwort. Ich heiße Elisa Runchina, bin 19 Jahre alt, komme aus Aachen und werde die nächsten zwölf Monate in Stettin, Polen, als deutsche Freiwillige verbringen und euch durch meine Berichte mit auf meinen Weg nehmen.
Obwohl ich schon konkrete Pläne in Bezug auf meine Studienwahl für die Zukunft habe, habe ich mich trotzdem für einen einjährigen Freiwilligendienst im Ausland entschieden. Wie die meisten Abiturienten hatte ich das Bedürfnis, dem Trend „Ich brauch nach dem Abi erstmal eine Pause“ zu folgen, und so tat ich es auch. Egal wem ich von meinem Vorhaben erzählte, die Reaktionen waren immer gleich.
„Warum Polen? Du könntest doch auch nach Australien gehen …“, durfte ich mir die letzten Monate oft anhören. Doch für mich war es eindeutig, denn meine Familie mütterlicherseits stammt ursprünglich aus Polen. Ich bin also bereits mit der Sprache und der Kultur aufgewachsen. Back to the roots könnte man sagen.
Dabei ist mir aufgefallen, dass Polen für viele Deutsche ein unbekannter Fleck auf der Landkarte ist, obwohl es zu unseren Nachbarländern gehört und somit auch ein Teil Europas ist. Der Freiwilligendienst in Polen wäre also die perfekte Chance für mich, meine bereits vorhandenen Sprachkenntnisse zu vertiefen und ein Land, welches mir so vertraut, aber gleichzeitig doch so fremd ist, besser kennenzulernen. Warum also nicht?
Da ich schon oft im ehrenamtlichen Bereich mit Kindern zusammengearbeitet habe und Englisch in der Schule immer mein Lieblingsfach war, würde ich behaupten, dass meine Einsatzstelle wie für mich gemacht ist. Mein Einsatzbereich wird von der Caritas Szczecin geleitet und besteht aus zwei verschiedenen Tätigkeiten. Hauptsächlich werde ich in einer sogenannten Swietlica (auf Deutsch: Aufenthaltsraum) tätig sein, um Grundschulkinder, die aus schwierigen Familienverhältnissen kommen, nach der Schule zu betreuen und ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen. Zusätzlich werde ich im Senior Club arbeiten und den Senioren dort Englischunterricht geben und hoffe, dass sich der Englischleistungskurs in der Oberstufe auch gelohnt hat.
25. August 2019
Nachdem die letzten Tränchen getrocknet sind, sitze ich nun im Reisebus Richtung Stettin und mir wird bewusst, dass es jetzt wirklich losgeht. Von Deutschland nach Polen. Von der einen in die andere Heimat. Das erste Mal alleine ganz lange weg von zu Hause und weg von all den Lieblingsmenschen in einer fremden Stadt, in der ich nichts und niemanden kenne. Nur die Sprache ist mir bereits vertraut.
26. August 2019, 5 Uhr morgens
Die Grenze ist überquert. Ohne lästige Passkontrollen. Danke, Europa!!! Erst jetzt realisiere ich, dass ich nun wirklich als Freiwillige in Polen bin. Was genau kommt jetzt auf mich zu?
Arbeiten, in einen neuen Alltag finden, neue Leute aus aller Welt kennenlernen, die Stadt und das Land erkunden, in einer internationalen WG mit völlig fremden Leuten leben, gute und schlechte Erfahrungen sammeln, das Leben genießen und dabei auf einer neuen Art und Weise zu mir selbst finden.
Natürlich gehören Wäsche waschen, kochen, putzen und all das auch dazu. Kurz gefasst: auf eigenen Beinen stehen. Fast könnte man meinen, dass so ein Freiwilligendienst etwas mit Erwachsenwerden zu tun hat. Das würde sich dann nächstes Jahr herausstellen.
Ich hoffe, euch Polen und allgemein die Idee eines Freiwilligendienstes mit meinen Berichten näherbringen zu können, und freue mich, weiterhin davon berichten zu dürfen.
Bis bald, i pozdrawiam
Elisa

In diesem Jahr berichtet Elisa Runchina für uns von ihrem FSJ aus Polen.
Außerdem möchten wir gerne bei Freiwilligendiensten in der Region vorbeischauen.
Wer möchte unseren Jugendredakteurinnen und -redakteuren etwas davon erzählen?
Wer das nächste Jahr ein FSJ oder einen BFD plant, kann sich gerne bei uns bewerben.
Es gibt ein Ministipendium von 250 Euro und im Gegenzug berichtest du ein Jahr lang von deinen Erfahrungen.
Bitte meldet euch bei: Birgit Franchy, info@
verlag-umdieecke.de, Stichwort „FSJ/BFD“
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