Auslandsjahr: Begegnungen mit Menschen in Togo

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Seit meinem letzten Bericht, der sich hauptsächlich mit dem Ankommen in Togo und ersten Eindrücken beschäftigte, ist schon wieder einige Zeit vergangen. Genug Zeit, um mit vielen Togolesen und Togolesinnen in Kontakt zu kommen.

Insgesamt sind mir diese sehr kontaktfreudig und offen entgegengetreten. Häufig werde ich auf der Straße angesprochen. Das hat unterschiedliche Gründe: Viele sind daran interessiert, sich mit mir zu unterhalten und gemeinsame Unternehmungen zu machen. Auf dem Markt oder mit den Fahrern der hier so zahlreichen Motorradtaxis geht es meistens ums Geschäft. So ähnlich wäre es auch auf dem Markt in Deutschland. In Togo werde ich aber allgemein wesentlich häufiger angesprochen. Allerdings akzeptieren die allermeisten ein „Nein“ und sind nicht hartnäckig. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen – wie einen Gürtelverkäufer, der mich eine Stunde durch die ganze Stadt verfolgte.
Auf der anderen Seite habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele, die ein Geschäft machen könnten, trotzdem ehrlich und hilfsbereit sind. Besonders ein Motorradtaxifahrer. Meistens befand ich mich mit Mototaxifahrern eher in einer Diskussion über den Preis. Dieses Mal forderte der Fahrer eine sehr hohe Summe und erklärte mir daraufhin jedoch, dass es günstiger sei, ein Autotaxi zu nehmen, da diese wesentlich billiger auf langer Strecke seien. Auch gab er mir noch einige Tipps, wie ich von der Zwischenstation am besten nach Hause käme.

„Yovo, Yovo, bonsoir!“ (Weißer, Weißer, guten Abend!)

Darüber hinaus werde ich auch abseits des Marktes häufiger angesprochen, als ich es von zu Hause gewohnt bin. Da ich hier nur einer der wenigen Weißen bin, falle ich auf und Weiß-Sein wird von vielen mit Schönheit und Reichtum in Verbindung gebracht. An fast keinem Kind kann ich vorbeigehen, ohne schlachtrufartig mit „Yovo, Yovo, bonsoir!“ (Weißer, Weißer, guten Abend!) gegrüßt zu werden. Von ihrer Seite wird das in der Regel als freudiges Lob verstanden. Für mich ist es dennoch etwas befremdlich, da ich es als eine Bewertung aufgrund meiner Hautfarbe empfinde.

Besonders auffällig finde ich es, dass mir selbst eine Person, die ich zum ersten Mal sehe, bereits nach wenigen Sätzen anbietet, die Nummern auszutauschen. Das läuft dann häufig auf den Wunsch nach einem Treffen hinaus, um mir dieses oder jenes zu zeigen. Da ich aufgrund meines Projektes nicht die Zeit habe, um mich mit den vielen flüchtigen Bekanntschaften zu treffen, habe ich bisher nur ein paar wenige besser als rein oberflächlich kennengelernt.
Auf der einen Seite bin ich froh, mit sehr vielen Einheimischen in Kontakt zu kommen. Auf der anderen Seite finde ich es manchmal schade, dass ich dadurch viele Leute oberflächlich kenne, sich aber noch keine wirklichen Freundschaften entwickeln konnten, was aber ja auch seine Zeit braucht.

Manchmal kommt es vor, dass mir z. B. der nette Togolese oder die freundliche Togolesin plötzlich sein/ihr Geschäft zeigt oder mir eine Fremdenführung anbietet. Andere suchen tatsächlich Kontakt, auch wenn es manchmal so scheint, dass die Kontaktaufnahme zunächst nur durch meine Hautfarbe zustande kommt. Mit den sogenannten Rastas verstehe ich mich zumeist gut, da ich ihre Lebenseinstellung als locker und offen erlebt habe. Rastas sind Togolesen und Togolesinnen, die sich fast immer mit Kunst beschäftigen, ihr eigenes kleines Kunstgeschäft haben, gerne musizieren und durch ihre Rastalocken auffallen. So hat mir einer von ihnen gezeigt, wie man ein Armband flicht, und mit zwei anderen treffe ich mich regelmäßig. Auch mit meinen Kollegen verstehe ich mich gut.

Ansonsten wird Kpalimé zu Recht als Freiwilligen-Hochburg bezeichnet. Deswegen habe ich auch viel Kontakt mit anderen Freiwilligen, mit denen ich mich gut über ihre Erfahrungen in Togo austauschen kann.
Zu den Kindern, die mit mir im Waisenhaus wohnen, habe ich eine gute Verbindung. Es ergibt sich immer wieder die Möglichkeit, gemeinsam Fußball, Karten usw. zu spielen, auch zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus der Nachbarschaft. Da die Verantwortlichen Maman Teresse und Perel auf ein familiäres Umfeld Wert legen und hier auch nur zwölf Kinder untergebracht sind, fühle ich mich schon ein bisschen wie in meiner togolesischen Großfamilie. So habe ich immer jemanden, den ich bei Problemen oder auch Anliegen jeglicher Art um Rat bitten kann.

In der nächsten KingKalli-Ausgabe werde ich von meinem Projekt im Radio VGK berichten. Später werde ich dann nochmal darauf zurückkommen, wie sich meine Kontakte entwickelt haben.

Bis bald! 
Euer Franz

 

In diesem Jahr wird Franz Harren für uns von seinem FSJ aus Togo berichten.
Außerdem möchten wir gerne bei Freiwilligendiensten in der Region vorbeischauen. 
Wer möchte unseren Jugendredakteurinnen und -redakteuren etwas davon erzählen?

Bitte meldet euch bei: Birgit Franchy, info@
verlag-umdieecke.de, Stichwort „FSJ/BFD“



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