Auf’m Weg sein in Tansania

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Während meines Freiwilligendienstes, der sich im August bereits dem Ende zuneigt und weswegen dies daher auch wahrscheinlich mein letzter Erfahrungsbericht sein wird, den ihr zu lesen bekommt, hatte ich die Gelegenheit, neben meiner Arbeit auch ein wenig durch das Land zu reisen. Dafür habe ich hauptsächlich die vier Wochen Schulferien im Juni genutzt. Da ich vorhatte, auch entferntere Städte zu besuchen, kam ich nicht drum herum, das Reisen in Tansania nochmal von allen Seiten richtig kennenzulernen. Deshalb entschied ich mich, meinen Bericht in dieser Ausgabe dem Reisen und Von-Ort-zu-Ort-Kommen in Tansania zu widmen.

Angefangen bei kleinen Strecken: Distanzen, die im Gehen zu schaffen sind, werden auch zu Fuß zurückgelegt.

So laufe ich in meinem derzeitigen Heimatdorf Himo ob zum Markt oder sonst wohin ausschließlich zu Fuß. Natürlich sieht man auch einige, die die unausgebauten Straßen mit dem Fahrrad befahren, wobei ich davon eher das ganze Jahr Abstand gehalten habe, da erstens unser Fahrrad nicht den sichersten Eindruck macht und ich zweitens ganz bestimmt nicht auf die Nase fliegen will, gerade zur Regenzeit, wenn die Straßen komplett matschig sind. Übrigens geht man bei Regen sowieso nicht vor die Tür. Denn alle wissen, dass das aufgrund der matschigen Erde einfach nur ein Spiel um das nächste Ausrutschen ist und man sich seine kompletten Klamotten schmutzig macht.

Für Strecken, die man zu Fuß nicht mehr bewältigen will oder kann, bietet sich der Transfer mit einem Bodaboda oder Bajaji an, was meiner Meinung nach die aufregendste und lustigste Art ist, sich fortzubewegen, und ich würde mich freuen, gäbe es dieses System auch in Deutschland. Bodabodas sind einfache Motorradtaxen und Bajajis sind in Deutschland eher bekannt unter dem indischen Namen Rikscha. Beide fahren rund um die Uhr in eigentlich allen noch so abgelegenen Teilen des Landes. Entweder hat man das Glück (eher auf befestigten, häufig befahrenen Straßen und in Nähe der Dörfer und Städte), dass ein Boda oder Bajaji gerade vorbeifährt und man es durch ein kurzes Handzeichen anhalten kann. Oder aber man kann, wenn dies nicht der Fall ist und sofern man die Handynummer eines Fahrers besitzt, ein Boda oder Bajaji anrufen, das einen (wie ein Taxi im Endeffekt) an gewünschter Stelle abholt. So machen Merlina und ich es freitags, wenn wir von der Arbeit nach Hause fahren, da unsere Schule weit weg vom nächsten Dorf liegt und somit nicht immer freie Bodafahrer vorhanden sind. Dazu ist der Preis noch unschlagbar, wir bezahlen für eine 20-minütige Fahrt von acht Kilometern nur 3.000 TSh, was umgerechnet nicht mal 1,30 Euro sind. Da können sogar die Sparpreise der Deutschen Bahn nicht mithalten …

Dalladallas: Alle zehn Meter kann jemand ein- oder aussteigen

Will man von einem Dorf ins nächste oder eben in die nächstgelegene Stadt, macht man Gebrauch von Dalladallas. Das sind Kleinbusse, die die Dörfer und Städte verbinden und in den Städten wiederum die einzelnen Viertel. Während Bodabodas und Bajajis auf geteerten sowie auch jeder unbefestigten Straße fahren, findet man Dalladallas mit wenigen Ausnahmen nur auf befestigten Straßen. Dallas sind zwar keine Taxen, aber wenn man sich an den Straßenrand stellt und dem Fahrer signalisiert, dass man mitgenommen werden will, wird man eingesammelt und je nach Glück bekommt man sogar einen Sitzplatz. Für Menschen, die größer sind als 1,65 Meter, kann eine Fahrt im Stehen nämlich auf Dauer echt anstrengend werden und auf Rücken- und Nackenmuskulatur gehen, da die Decke nicht besonders hoch ist. Außerdem werden die Fahrzeuge, die meist nur auf 15 Personen ausgerichtet sind, wenn man Pech hat, mit über 30 Personen gefüllt, und so kommt es, dass schon mal Beine oder andere Körperteile, ob im Sitzen oder Stehen, nach einer Minute einschlafen. So, wie man einfach überall einsteigen kann, wird auch überall gehalten, um Leute herauszulassen. So nutzt man, sobald die Strecke „zu teuer“ für eine Boda- oder Bajajifahrt wird, ein Dalladalla. Die Strecke von 27 Kilometern von Himo nach Moshi (40 Min. bis 1,5 Stunden) kostet mit dem Dalladalla beispielsweise nur 1.000 TSh (ca. 40 Cent), während man für eine Motorradfahrt nicht weniger als 30.000 TSh (ca. 13 Euro) bezahlen würde. Jedoch kann man sich halt bei einer Dallafahrt nie ganz darauf einstellen, wie lange die Fahrt im Endeffekt dauern wird. Denn man kann Glück haben und keiner will ein- und aussteigen, oder es kann jede zehn Meter jemand zusteigen und nach weiteren zehn Metern wieder jemand aus. Auch fahren die Kleinbusse nicht wie Bodabodas und Bajajis zu allen Tages- und Nachtzeiten, sondern starten morgens bei Sonnenaufgang und beenden ihre Fahrten spätestens um 21:30 Uhr. In der Stadt mit dem Dalla zu fahren, macht jedoch keinen nennenswerten Unterschied im Preis zum Boda- und Bajajifahren, ganz im Gegensatz zu Strecken von Dorf zu Dorf oder Stadt.

Will man dann aber mal wirklich weite Strecken zurücklegen, benutzt man Reisebusse, die genauso wie Dalladallas die Passagiere auch an gewünschter Stelle herauslassen, aber nur in den jeweiligen Dörfern und Städten neue Leute einsteigen lassen. Die Reisebusse kommen am ehesten noch den Flixbussen in Deutschland gleich. Obwohl sie weder so schön sind noch in irgendeiner Hinsicht „flix“. Denn das Problem an den Straßen in Tansania ist, dass nach gefühlt jeden 50 Metern ein „Geschwindigkeitshügel“ kommt, sodass der Bus immer wieder auf zehn Stundenkilometer abbremsen muss, um danach wieder auf 80 Stundenkilometer zu beschleunigen, bis der nächste Hügel wartet. Daher ist es, wenn man es aus Deutschland gewohnt ist, wenigstens 100 Kilometer in einer Stunde zurückzulegen, echt ungewöhnlich, dass man dann für nicht mal 800 Kilometer plötzlich 18 Stunden benötigt.

Geduldstraining

Leider mussten wir aber dieses Erlebnis auf der Fahrt von Himo nach Mwanza (Stadt am Viktoriasee) machen, obwohl uns vorher gesagt wurde, dass die Fahrt 13 Stunden dauern werde. Durch das Reisen hier trainiert man also seine Geduld. Immerhin bleibt einem nach so einer Fahrt noch, dass der Preis ähnlich günstig ist wie in Deutschland der Flixbuspreis. Die Busse zu buchen, ist außerdem mehr als einfach. Entweder man geht spontan zum Busstand und fragt, ob es noch freie Plätze in die jeweilige Stadt gibt, oder, wenn man sich eines Platzes sicher sein will, an den Vortagen (aber nicht mehr als fünf Tage im Voraus). In entferntere Städte fahren die Busse dann jeweils am frühen Morgen los, da in Tansania eine Nachtfahrtsperre herrscht und somit leider keine Busse in der Nacht fahren dürfen und am besten schon vor 24 Uhr an der jeweiligen Destination angekommen sein sollten.

Es gibt in Tansania ebenfalls eine Zugverbindung, die die Küste von der Stadt Daressalam über die Hauptstadt Dodoma im Landesinneren mit Sambia verbindet. Wir hatten uns zwar mal nach Preisen und Weiterem erkundigt, da wir geplant hatten, zu den Viktoriafällen in Sambia zu reisen, jedoch schreckte uns ab, dass man bereits bis zur Endstation in Sambia, die noch einige hundert Kilometer von den Wasserfällen entfernt liegt, von Dodoma 24 Stunden braucht.

Also blieben wir bei dem eher typischen Transferwesen und kamen auch so bis Mwanza, Ushongo an der Küste und im Januar für ein Zwischenseminar sogar nach Kampala (Uganda), ohne dass uns außer der langen Fahrt etwas ernsthaft gestört hätte.

Wenn ich dann aber zurück nach Deutschland fahre, nehme ich natürlich ein Flugzeug und bin dann nach ca. neun Stunden Flug und 18 Stunden totaler Reisedauer wieder in der Heimat Aachen.

 

Da dies wahrscheinlich mein letzter Erfahrungsbericht sein wird, will ich mich nochmal ganz herzlich bei allen bedanken, die meine Berichte gelesen haben und somit mein Auslandsjahr in gewisser Weise begleitet haben. Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck in verschiedene Lebensbereiche der tansanischen Kultur bekommen und ein ungefähres Bild von meinem Freiwilligendienst.

Wer Interesse an Freiwilligendiensten im Ausland hat, besucht am besten die Internetseite von Weltwärts. Dort gibt es Organisationen, die Freiwillige in fast alle Länder schicken und in allen Arbeitsbereichen Stellen vergeben zu haben. Ich persönlich war mit der Organisation IN VIA Köln e. V. für ein Jahr in Tansania.

Ich danke nochmals allen meinen Spendern, die meinen Freiwilligendienst finanziell unterstützt haben, so wie es der Verlag um die Ecke getan hat. Ich kann euch gar nicht oft genug danken, dass ich die Chance hatte, mein Jahr 2017/2018 in Tansania zu verbringen.

Eure Jil

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