Zehn Treffen haben schon stattgefunden und es soll am besten wöchentlich weitergehen. Mädchen aus der Intensivwohngruppe „Mädchen Villa“ der Jugendhilfeeinrichtung geg euregio GmbH besuchen die Katzen und Kaninchen des Aachener Tierheims oder gehen mit einem Hund Gassi. Tierheimleiterin Sina Braun und Psychotherapeutin Sarah Simpfendörfer erzählen, wie es zu der Zusammenarbeit gekommen ist und wie alle profitieren können.
Sarah Simpfendörfer hat selbst Katzen, die mit der Flasche großgezogen wurden, und bezeichnet sich als tieraffin. Die Psychotherapeutin arbeitet in der 2025 neu gegründeten Wohngruppe „Mädchen Villa“ der geg euregio GmbH, in der Jugendliche ab zwölf Jahren mit traumatischen Belastungen, Bindungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und/oder psychiatrischen Störungsbildern leben.
Da sie von der positiven Wirkung von Tieren auf Menschen weiß, kam ihr die Idee, beim Tierheim anzufragen, ob die Mädchen sich hier einbringen können. Tierheimleiterin Sina Braun war direkt interessiert. „Wir öffnen unsere Türen gerne für Menschen, die keine Tiere halten können. Und Jugendliche, die im Leben anecken, können oft gut mit Tieren“, sagt sie. Damit die Zusammenarbeit klappen kann, durchlief Sarah Simpfendörfer zunächst selbst die Patenschulung an einem Samstag und ging im Anschluss ein paarmal mit erfahrenen Paten bei Gassirunden mit den Hunden mit.
Dann konnte es losgehen und die Mädchen begleiteten sie zu den Tieren. Gedacht ist das immer als Eins-zu-eins-Angebot und mitkommen kann ein Mädchen, das auch im Alltag der Wohngruppe gewisse Regeln einhält. Das heißt, es muss zur Schule gehen und die Therapie besuchen. Randale machen ist ein Ausschlusskriterium für die Woche. „Es ist ja auch eine Belohnung, wenn man so etwas mitmachen darf“, erläutert Sarah Simpfendörfer.

Und so empfinden es die Mädchen auch. Klar, dass es ein Highlight war, einen Welpen ausführen zu dürfen, und dass da jede mal dran sein will. Inzwischen ist der Welpe vermittelt und es ist kälter, da gefällt es den Mädchen in den Katzenhäusern oder bei den Kaninchen gut. „Wir haben die Kleintiere mit ins Programm genommen“, so Sina Braun. „Die Kaninchen sind sonst immer das fünfte Rad am Wagen, sie sind nicht im normalen Patenprogramm.“ Jetzt bekommen sie exklusive Zuneigung. Im Kleintierhaus ist es ruhig, da ist auch sonst niemand und die Mädchen können sich ganz auf die Tiere konzentrieren.
Die Mädchen werden im Umgang mit Fremden oft als sehr schüchtern und unsicher wahrgenommen, können bei den Tieren aber tolle Fortschritte und Lernerfolge erleben, erläutern Braun und Simpfendörfer. Jugendliche, die noch unbeholfen im Umgang mit den Tieren sind, erfahren, wie schön es ist, wenn eine Katze oder ein Hund einfach auf sie zukommen und sich streicheln lassen. Auch an ihrer Impulssteuerung arbeiten sie mit Tieren wie selbstverständlich. Das wirkt sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung und das Verantwortungsbewusstsein aus.
Und wie kommt das Angebot bei den Mädchen an? „Megagut“, sagt Sarah Simpfendörfer. „Alle fragen: Wann können wir mal wieder?“ Wollen die Mädchen danach nicht am liebsten gleich selbst ein Haustier haben? „Doch, jedes Mal“, gibt Sarah Simpfendörfer zu. Natürlich gehört es dann auch dazu, darüber zu sprechen, wie man Verantwortung für ein Tier übernimmt. Beschönigt wird nicht, Gespräche über Kosten, wie zum Beispiel für den Tierarzt, werden nicht ausgespart. „Eins unserer älteren Mädchen, die sich langsam auf ein Leben alleine vorbereitet, hat sich als Ziel gesetzt, in Zukunft einmal einen Hund halten zu können, und beschäftigt sich schon intensiv damit, wie man ihn ausbilden kann“, erzählt die Sozialpädagogin.
Wer sich jetzt fragt, ob noch andere Einrichtungen mit dem Tierheim kooperieren können, muss für den Moment enttäuscht werden. Die geg euregio GmbH hat noch vier weitere Wohngruppen, deren Psychotherapeutinnen und Sozialarbeiter es ihrer Kollegin nachtun wollen und mit dem Gedanken spielen, die Patenschulung zu machen, um mit Kindern und Jugendlichen an dem Angebot teilzuhaben.
Doch Leiterin Sina Braun weist auf weitere Möglichkeiten hin, sich für das Aachener Tierheim nützlich zu machen. Paten für die rund 50 Katzen und 40 Hunde werden immer gesucht, wer also die Patenschulung mitmachen möchte, ist willkommen. Zusätzlich kann man dabei helfen, Infostände zu betreuen oder bei Veranstaltungen unterstützen. Und nicht zuletzt werden jährlich zwei bis drei Stellen für den Bundesfreiwilligendienst ausgeschrieben.
Infos:
geg euregio GmbH
Mädchen Villa
geg-euregio.de
Tierheim & Tierschutzverein für die
StädteRegion Aachen e. V.
Feldchen 26, 52070 Aachen
0241 9204250
info@tierheim-aachen.de
tierschutzverein-aachen.de
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