Aachener Netzwerk Wahlgroßeltern: Mittwochs ist Oma-Tag

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Diesen Kuchen hat meine Oma immer für mich gebacken. Opa hat mir das Schachspielen beigebracht … Der Erfahrungsschatz der Großeltern kann einen Menschen durchs Leben begleiten. Sie helfen bei der Kindererziehung und unterstützen die Eltern auch in anderen Dingen. Doch viele junge Familien leben weit entfernt von den Eltern bzw. Großeltern. Die Kinder sehen Oma und Opa nur selten. Gegenseitige Unterstützung und der Austausch zwischen den Generationen fehlen im Alltag. Aber wer sagt denn eigentlich, dass man mit Oma und Opa verwandt sein muss? Das Aachener Netzwerk Wahlgroßeltern bringt junge Familien und Menschen 60 plus zusammen. Da haben alle was von.

 

Oma gesucht – und gefunden

Bei Anja Wagener und Annemarie Thieken gelang das auf Anhieb. „Wir waren uns direkt sympathisch im ersten Gespräch“, sagt Wahlgroßmutter Annemarie Thieken. Die 59-Jährige suchte nach einer Aufgabe für die Zeit nach ihrer Berufstätigkeit. Etwas mit Kindern wollte sie machen, das sei schnell klar gewesen. Zumal Frau Thieken bisher keine leiblichen Enkel hat. Sie erfuhr vom Aachener Netzwerk Wahlgroßeltern und wandte sich an die Projektleiterin Mareike Sera.

Mit Anja Wagener und ihren Töchtern Paula (2) und Greta (4) war schnell eine passende Familie gefunden. Anja Wagener ist unter der Woche mit den Kindern alleine. Ihr Mann ist mit der Bundeswehr bei Bielefeld stationiert, die Großeltern leben in Dresden. Als sie nach der Geburt der zweiten Tochter wieder arbeiten wollte, wurde sie auf der Suche nach zuverlässiger Betreuung auf das Netzwerk Wahlgroßeltern aufmerksam. Dabei war die Kinderbetreuung nur ein Aspekt. „Ich bin auch ein absoluter Familienmensch“, sagt Frau Wagener. „Meine Familie lebt in Dresden, die fehlt. Ich möchte auch was von ihr haben“, lacht sie und fasst ihre Wahloma liebevoll am Arm.

 

Familienbildung wörtlich genommen

Seit Anfang 2017 gibt es das Projekt in der Trägerschaft des DRK, an dem sich bisher zwölf Wahlgroßeltern ehrenamtlich beteiligen. Die Wahlgroßelternschaft sei kein Ersatz für eine Betreuungsleistung, betont Projektleiterin Mareike Sera. „Die Wahlgroßeltern wollen zwar die Familien unterstützen, aber nicht acht Stunden am Tag die Kinder betreuen. Es ist wirklich auf einem sehr persönlichen, menschlichen Level gedacht. Zuneigung, dass man sich austauscht, Zeit miteinander verbringt.“

Zunächst sei es gar nicht so leicht gewesen, ältere Menschen für die Teilnahme zu gewinnen. Die Aufgabe ist schließlich mit viel Verantwortung verbunden und erfordert Einfühlungsvermögen. Was ist, wenn ich was falsch mache? Mareike Sera versucht im Gespräch, Interessierten diese Sorge zu nehmen.

Die neuen Großeltern verbringen erst mal Zeit mit der ganzen Familie. Man lernt sich kennen, alle haben genug Zeit, sich aneinander zu gewöhnen. Erst wenn das Vertrauen gewachsen ist und es sich für alle Beteiligen gut anfühlt, ziehen sich die Eltern auch mal zu einer Verschnaufpause zurück.

Wer Wahloma oder -opa werden will, muss vor allem eines mitbringen: die Freude am Umgang mit Kindern. Um beiden Seiten Sicherheit zu geben, schult das Netzwerk, zu dem der Deutsche Kinderschutzbund, Einrichtungen für Familien und Senioren sowie Kindergärten gehören, die Senioren unter anderem in Erster Hilfe und Prävention (Hinweise auf (sexuelle) Gewalt erkennen). Auch danach wird niemand allein gelassen, das Netzwerk bietet Hilfe und Austausch für alle Beteiligten.

 

Mittwochs ist Oma-Tag

Seit gerade mal zwei Monaten treffen die Wageners jetzt ihre Wahloma. Einmal in der Woche unternehmen sie etwas zusammen, treffen sich auch mal spontan zum Grillen, man hilft sich gegenseitig. Auch die Mädchen fühlen sich mit ihrer Annemarie wohl, kuscheln und wollen auf den Arm. „Die sind so frech wie bei der Mama.“ Die Chemie muss eben stimmen, so wie in jeder Familie. „Und man muss dem Projekt aufgeschlossen gegenüberstehen“, sagt Mutter Anja Wagener. „Einen gewissen Freiraum muss man den Wahlgroßeltern lassen.“ Oma Annemarie hat ihre beiden Wahlenkelinnen schon richtig ins Herz geschlossen: „Manchmal habe ich schon das Gefühl, ich kenne sie eigentlich immer schon. Ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen.“

drk.ac/angebote/kinder-jugend-und-familie/wahlgrosseltern.html

Text: Andrea Wild
Foto: Thinkstock



Bleibe immer auf dem Laufenden

Ich will nichts verpassen und möchte wöchentlich den kostenlosen KingKalli-Newsletter erhalten und über aktuelle Themen und Termine auf dem Laufenden gehalten werden.

Ich bin damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar