Stadtteile vorgestellt: Einmal durch den Preuswald

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

In unserer neuen Serie möchten wir Wohnviertel und Stadtteile genauer unter die Lupe nehmen. Los geht es mit dem Preuswald.

Der Preuswald: ein ruhiges Viertel abseits der Stadt, umgeben vom Aachener Wald, gelegen kurz vor Kelmis an der Lütticher Straße. In den letzten Jahren wurde viel Geld in die Erneuerung und Attraktivierung der Wohnsiedlung mit ungefähr 2.000 Einwohnern gesteckt. Wir waren vor Ort und haben das Viertel angeschaut.

Von der Schanz aus geht es ortsauswärts auf der Lütticher Straße in Richtung Kelmis. Nachdem man die Stadt hinter sich gelassen hat, sieht man hinter dem ersten Ortseingangsschild auf der rechten Seite die erste Neuerung des Preuswalds. Wo vor einigen Jahren noch ein Stück Wald war, steht jetzt der neue Supermarkt fürs Viertel. Da es zuvor keine Möglichkeiten zum Lebensmitteleinkauf im Preuswald gab, wurde hier ein neuer Aldi gebaut. Hinter ihm führen Fußwege direkt ins Viertel, und man ist von überall im Preuswald zu Fuß in wenigen Minuten beim Discounter angekommen. Weiter hinten erstreckt sich das Gelände des Zentrums für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Maria im Tann sowie der Kletterwald, der sich bei Schulklassen oder Kindergeburtstagen großer Beliebtheit erfreut.

Das Viertel wurde in den 60ern als hochwertiger Wohnort im Grünen konzipiert. Die Pläne für die Wohnsiedlung gingen nur kurz auf, dann wurde das Viertel immer mehr zum sozialen Brennpunkt am Rande der Stadt. Die Wohnblocks wurden nicht ausreichend saniert und die Läden geschlossen. Als Reaktion auf die Missstände haben sich Anwohner ab 2010 für die Belange in ihrem Viertel eingesetzt und eine Bürgerinitiative gegründet. Daraus wurde 2011 eine Stadtteilkonferenz initiiert, bei der regelmäßig alle Akteure im Viertel an einem Tisch zusammenkamen mit dem Ziel, das Viertel wieder auf einen grünen Zweig zu bringen. Im Jahr 2015 wurde dann ein Quartiersentwicklungsplan mit mehreren Maßnahmen zur Aufwertung vereinbart. Darunter auch die Ansiedlung des neuen Aldis, der Bau eines Quartiersparks sowie einer neuen Grundschule und Kita.

Die Zufahrtsstraße ins Viertel befindet sich einige hundert Meter weiter. Nachdem man zum Preuswald abbiegt, kommt man schnell zur ersten Kreuzung. Hier teilt sich die Reimser Straße, umkreist das Zentrum des Viertels und führt hinter dem neu eröffneten Quartierspark wieder zusammen. Bis vor kurzem war der Park mit Spielplatz im Herzen des Stadtteils extrem heruntergekommen. Durch Wildwuchs kam kaum Licht in die Parkanlage, es war feucht und dunkel. Im Zuge der Quartiersentwicklung konnte man 1,5 Millionen Euro für eine Erneuerung aus Töpfen des Landes gewinnen. Der neue Park soll das Herz des Viertels werden und es entscheidend aufwerten. Bänke laden zum Verweilen ein und neue Spielgeräte locken die Familien an, alles in Blau und sehr modern. Der acht Meter hohe Rutschenturm wirkt auf den ersten Blick gefährlich, die Rutschenabfahrt unglücklich geplant, aber hier ist alles auf Sicherheit geprüft. Wir haben den Quartierspark bereits online vorgestellt: kingkalli.de/neuer-quartierspark-im-herzen-des-preuswalds

Der neue Park liegt vor dem Stadtteilbüro Preuswald. Im Zuge der Quartiersentwicklung hat sich das Büro angesiedelt, um einen Anlaufpunkt für die Bürgerinnen und Bürger des Viertels zu bieten und Beteiligung möglich zu machen. Auf dem kleinen Platz sollen in Zukunft Flohmärkte oder kulturelle Veranstaltungen stattfinden können. Hier befindet sich zudem eine Ladenzeile, wenn es heute auch kaum noch Läden gibt. Die Stadtteilbibliothek hat sich dennoch mit einer kleinen Zweigstelle angesiedelt, es gibt einen Friseur, eine Sparkasse und einen Heilpraktiker. Das Café „unser Café“, betrieben von der Arbeiterwohlfahrt, sieht leerstehend aus. Auf Anfrage an die AWO teilt uns Benjamin Saulheimer mit, dass das Café derzeit geschlossen sei, man aber an der Personalplanung arbeite. Insgesamt erweckt die Ladenzeile noch nicht das Gefühl eines lebendigen Viertels – anders als früher, als es hier eine Kegelbahn und mehrere Läden gab.

Vor der Ladenzeile sieht man dennoch, dass sich hier etwas tut. 2017 wurde die neue, fünfzügige Kita eröffnet, wichtig, denn im Preuswald leben überdurchschnittlich viele Kinder, viele sind auf Sozialleistungen angewiesen. Bei der Schuleingangsuntersuchung sind fast zwei Drittel der Kinder nicht altersgerecht entwickelt, fast doppelt so viel wie im städtischen Durchschnitt. Vielleicht kann ein neuer Kindergarten hier auf die Sprünge helfen.

Hinter dem Kindergarten entsteht zudem im Moment die neue Grundschule. Die alte Grundschule im Viertel war extrem marode, sie wurde vor einigen Jahren abgerissen. Jetzt wird hier mit Landesmitteln gebaut. Kostenpunkt 5,4 Millionen Euro. Die Kinder im Preuswald werden derzeit täglich an der Bushaltestelle Reimser Straße von einem Schulbus abgeholt und zur KGS Kronenberg gebracht. Die Sporthalle der alten Schule steht noch, hier können samstags Kinder unter Anleitung eines Trainers Fußball spielen. Hinter dem Gemeindezentrum führt ein kleiner Fußweg zum Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Maria im Tann, wo in sieben Gruppen auf dem Gelände Kinder und Jugendliche leben.

Der Preuswald streckt sich oberhalb des Quartiersparks noch weiter in den Wald hinein, überall umgeben vom Aachener Stadtwald ist man in ungefähr 40 Minuten am Dreiländerpunkt, eine jedoch teilweise anstrengende, steile Route. Überall im Viertel führen kleine, unscheinbare Wege in den Wald. Weiter oben im Preuswald befinden sich einige Reihen vierstöckiger Mehrfamilienhäuser und einige achtstöckige große Wohnblöcke, ganz hinten, am höchsten Punkt im Preuswald, das größte Wohnhaus mit 14 Stockwerken. In diesem Haus hat es bis 2016 ein Schwimmbad gegeben, leider ist dies auch geschlossen. Das Haus wird gerade vollkommen saniert, so wie viele der anderen Häuser in den letzten Jahren. Ein Großteil gehört dem Wohnkonzern Vonovia. Vonovia hat in den letzten Jahren, als die Kritik am Viertel auch den schlechten Wohnzuständen zugesprochen wurde, den Wohnungsbestand gründlich saniert. Hier sieht man immer irgendwo ein Auto von Vonovia stehen. Das 14-geschossige größte Gebäude im Preuswald ist im Besitz der Landmarken AG, die hier im Moment Bauarbeiten durchführt. Das ehemalige Schwimmbad am Fuß des Gebäudes soll ein Ort der Begegnung werden. Wohnen kann man hier nicht nur in den großen Mehrfamilienhäusern. Am Waldrand stehen einige kleine Einfamilienhäuser mit Gärten und Blick in den Wald.

Vom Viertel ist man mit dem Bus recht schnell in der Stadt. Die Buslinie 2 fährt wochentags alle 15 Minuten durch den Preuswald Richtung Aachen. Die Anbindung an die Stadt ist gut, man ist schnell am Hangeweiher und wenige Minuten später auch schon am Posthof und Elisenbrunnen. Ansonsten ist hier recht wenig Verkehr, da das Viertel in sich geschlossen ist und es keine Verbindungsstraßen gibt. Aus diesem Grund fahren hier eigentlich nur Anlieger und es ist dementsprechend ruhig.

Vonovia hat zwischen den Wohnblocks einen kleinen Trimm-dich-Pfad mit Sportgeräten und Sitzmöglichkeiten am Waldrand eingerichtet. Ein Schild vor dem Sportparcours weist darauf hin, dass Fußballspielen verboten ist. Ein ähnliches Schild entdecken wir noch auf einem Parkplatz. Im Viertel ist trotz ruhiger Straßen das Spielen mit dem Ball nicht gestattet. Ein in die Jahre gekommener Bolzplatz, der zum Spielen dennoch ausreicht, befindet sich zwischen Grundschule und Aldi am Rande des Viertels. Die Grundschule ist im Moment noch eine Baustelle, wird aber hoffentlich – nach Jahren ohne Schule im Viertel – bald fertig.

Es hat sich im Preuswald also einiges getan. Man sieht, dass Problemlagen erkannt wurden und die Akteure vor Ort etwas ändern möchten. Äußerlich sieht es hier bereits deutlich besser aus als vor wenigen Jahren. Die Gebäude sind großteils in einem guten Zustand, der Quartierspark ist attraktiv, der neue Kindergarten und die Schule, die hoffentlich bald fertiggestellt wird, auch. Nichtsdestotrotz weist das Viertel einige Probleme auf, unter anderem, dass es hier – wie oben erwähnt – kaum Läden, Cafés oder Restaurants gibt. Die Ladenzeile wirkt auch mit dem neuen Stadtteilbüro und der Bibliothek recht ausgestorben. Hinzu kommt die soziale Problemlage im Viertel, fast 20 % der Haushalte hier sind Bedarfsgemeinschaften. 40 % der Kinder unter 15 Jahren beziehen Sozialgeld. Auch wenn diese Zahlen immer noch weit über dem städtischen Durchschnitt liegen, sind sie in den letzten Jahren zurückgegangen. Der Preuswald verzeichnet den stärksten Rückgang bei den Mindestsicherungsquoten in Aachen und konnte somit den Negativtrend der 2000er Jahre überwinden. Zurückgeführt wird dies auf die engagierte Quartiersentwicklung aller beteiligten Akteure, die Sanierung der Wohnungen, den Bau der Schule und Kita und den neuen Quartierspark. Der Stadtteil an sich hat eine schöne Lage für Familien, die nicht gerne im Trubel der Stadt leben und vor allem Nähe zur Natur suchen. Hier gibt es viele tolle Wanderwege. Nicht ins Auto steigen zu müssen, um zum Wald zu kommen, kann ein großer Luxus für Naturfreunde sein. Dennoch ist das Viertel nicht nur der idyllische Ort am Waldrand, sondern eben auch weiterhin einer der Stadtteile mit den größten Herausforderungen in Aachen. Naturliebhaber, die bereit sind, diese Herausforderungen im Viertel anzunehmen, finden hier Wohnungen zu günstiger Miete an der Grenze zu Belgien und mit direkter Verbindung zur Natur.

Bevölkerungsstruktur:

Einwohnerzahl: 2.019 (Stand 2022)

Altersmedian: 42 Jahre

Weg in die Stadt:

Sozioökonomisch:                                                         

Kinder ohne altersgerechte Entwicklung bei Schuleintritt:

 

Haushalte:

Single Haushalte: 44,8 %
Familien: 22,1 %
Davon alleinerziehend: 36,3 %
Durchschnittswohndauer: 10,7 Jahre
Bedarfsgemeinschaften: 18,3 %

Wahlbeteiligung Bundestagswahl 2021: 82,5 %

 

Hinterlasse einen Kommentar