Nachdem der Preuswald in den 70er Jahren als Vorzeigesiedlung und attraktiver Wohnort für Familien und Menschen, die gerne am Stadtrand leben möchten, erbaut wurde, ist er immer mehr zum „Sozialraum mit besonderen Herausforderungen“ geworden. Die Ladenzeile ausgestorben, das Schwimmbad geschlossen, die Grundschule marode, der Spielplatz verwuchert und unattraktiv und gleichzeitig der höchste Anteil an unter 18-Jährigen im gesamten Stadtraum. Seit einigen Jahren geht es aber bergauf im Preuswald, nachdem sich Anwohner immer wieder für das Viertel eingesetzt haben und es geschafft haben, eine Stadtteilkonferenz ins Leben zu rufen. Eine neue Kita steht bereits seit mehreren Jahren, eine neue Grundschule wird im Moment für 5,4 Millionen Euro gebaut, es gibt ein Stadtteilbüro für die Anliegen der Bewohner und die maroden Gebäude wurden zum großen Teil saniert. Ein weiteres Anliegen der Akteure im Preuswald war die Aufwertung des Parks und Spielplatzes in der Mitte des Preuswalds.

Seit 2014 wurde der Quartierspark geplant, die Stadt konnte dafür aus dem Topf Soziale Integration im Quartier 2018 1,3 Millionen Euro gewinnen, die für den Ausbau der 9.000 Quadratmeter großen Fläche genutzt werden.
Der Quartierspark sollte an die Stelle einer alten Spielplatzanlage rücken. Diese war mit dem Verfall des Viertels auch immer mehr verkommen. Zu feucht, zu dunkel, zu viel Wildwuchs und insgesamt ein Anblick, der nicht zum gemütlichen Verweilen einlud. Hier hatte sich offensichtlich seit Jahren niemand mehr aktiv um den – inzwischen nicht mehr sehr einladenden Platz – gekümmert. Jetzt ist einiges an Wildwuchs gewichen, der Park sieht so deutlich mehr Sonne, es wurden neue Wege und Sitzgelegenheiten geschaffen und einige Spielgeräte für Kinder gebaut. Der Park ist fertiggestellt, soll im Mai offiziell eingeweiht werden, ist aber schon zur Nutzung freigegeben.
Vorzeigeprozess der Partizipation: Ort im Herzen des Viertels soll das Wohngebiet wieder lebendig machen

Das Projekt sollte zudem ein Vorzeigeprozess der Partizipation werden, so wurden von Anfang an alle Akteure vor Ort eingebunden, um ein Gestaltungskonzept zu entwickeln. Das Gestaltungskonzept wurde dann 2020 in einem Beteiligungsverfahren, zu dem alle Interessierten eingeladen waren, in einem Planungsspaziergang und anschließenden Mitmachaktionen mit den Bürgern diskutiert.
Ziel war es, einen Quartierspark für alle Anwohner des Viertels zu schaffen, an dem man sich treffen, gemeinsam spielen, Sport machen oder einfach nur die Sonne genießen kann. Ein Ort im Herzen des Viertels, der es attraktiv, einladend und lebendig macht.
Wenn man von der Lütticher Straße in den Preuswald kommt, sieht man sofort die neuen Treppen, die nach oben in den Park führen, der sich zwischen den beiden unteren Häuserreihen und der „Ladenzeile“, die auch das Stadtteilbüro beinhaltet, befindet. Es führen mehrere Wege von allen Seiten in den Park, die auch ein barrierefreies Durchqueren mit Kinderwagen oder Rollstuhl möglich machen. Der Park bietet mehrere Sitzecken an den Spielgeräten oder etwas abgelegener am Wegesrand zwischen Buchen und Eichen. Ein neumodisches Netzklettergerüst, in den Boden gelassene Trampolins, eine klassische Reckstange, eine Schaukel und ein acht Meter hoher Kletterturm ebenfalls mit Netzen und zwei Rutschen bieten Möglichkeiten zum Spielen für Kinder.

Die Familien aus dem Preuswald nutzen den weitläufigen und einsehbaren Park bereits ausgiebig zum Klettern, Schaukeln und Rutschen. Der Park vermittelt eine einladende Atmosphäre in der Mitte des Viertels, umgeben von Wohnhäusern.
Der Platz vor dem angrenzenden Stadtteilbüro soll für Märkte und Aktionen, die das Viertel attraktiver machen, genutzt werden. Beliebt ist die Fläche auch für Skater und Rollschuhfahrer. Jedoch nicht alle Anwohner zeigen sich erfreut über den neuen Quartierspark. Es sammeln sich wohl bereits Beschwerden von vor allem älteren Anwohnern, die sich nicht wahrgenommen und berücksichtigt bei der Planung gefühlt haben. So merken sie an, es sei ihnen zu laut, wenn dort bis spät abends auf den Bänken gesessen und sich unterhalten werde.
Der futuristisch anmutende Kletterturm mit Rutsche stellt den Beobachter vorerst vor einige Fragen. Man muss den Turm mithilfe von Netzen erklettern, um zur Rutsche zur gelangen, die Kletternetze wirken dabei recht gefährlich, vor allem aber wirkt die „Abfahrt“ gefährlich. Die Bahn endet vor einem Abhang, vor dem nun ein Holzzaun steht, der aussieht, als solle er Kinder, die mit zu viel Geschwindigkeit aus der Rutsche kommen, abfangen.

Auf unsere Nachfrage kann Harald Beckers, Stadt Aachen, Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing, beruhigen. Das Kletternetz im hohen Turm ist so konstruiert, dass Kinder nicht über eine größere Strecke fallen können, das Hochklettern ist bestimmt für einige Kinder eine Herausforderung, so ist es aber auch gedacht, um einen Anreiz zu bieten. Zudem gibt es auch noch eine kleinere Rutsche, zu der man leichter gelangen kann. Auch das Begleiten der Kinder in dem Kletterturm durch Erwachsene, wenn Kinder zum Beispiel nicht alleine rutschen möchten, ist möglich, wenn auch nicht einfach. Es seien jedoch schon Väter dabei beobachtet worden, wie sie den Turm bezwingen.
Die Rutschenabfahrt sei nicht gefährlich, da der waagerechte Auslauf und die kleine Sicherheitsfläche mit Fallschutzbelag ausreiche, um die Fahrt abzubremsen. Der Zaun dient nicht zum Auffangen von Kindern, sondern soll verhindern, dass der Abhang von unten als Abkürzung genutzt wird und die Kinder zusammenstoßen. Für die Zukunft ist geplant, dort Sträucher zu pflanzen und den Zaun dann wieder zu entfernen.
Insgesamt kann man sich über den neu gewonnenen Platz glücklich schätzen, er wertet das Viertel definitiv auf und macht es, gemeinsam mit den anderen Entwicklungen der letzten Jahre, wieder attraktiver für Familien.

Diese brauchen Plätze zum Spielen und Verweilen, an denen es nicht immer nur ruhig zugeht. Auch Jugendliche brauchen Räume außerhalb der Wohnung der Eltern, an denen sie sich aufhalten und auch mal abends quatschen können.
Wenn man sich den alten Park an dieser Stelle anschaut und sieht, was sich getan hat, kann man froh sein, dass die Menschen im Viertel jetzt einen neuen Quartierspark haben. Die kritischen Stimmen möchte man hier ernst nehmen, dennoch war klar, dass an diese Stelle ein Park kommen soll. Und dass dort Kinder spielen und Jugendliche plaudern, sollte dazu gehören können.
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