Lecker und frisch zubereitet – seit Schülerinnen und Schüler an der Hauptschule Aretzstraße das Mittagessen für die Mensa selber kochen, essen 130 statt vormals 30 Kinder und Jugendliche hier zu Mittag. Ein Besuch in der Küche. Außerdem wird es am 19. April 2026 eine Benefizveranstaltung des Lions Club Aachen Dreiländereck zugunsten des Projektes geben.
Als ich um 11 Uhr in der Küche eintreffe, sind die Kartoffeln für die Wedges schon geschnippelt. Neben den Köchinnen Inci und Frau Käthe sind heute Miran, Delano und Oleksander sowie Dima und Samira damit beschäftigt, das Mittagessen für die ganze Schule vorzubereiten. Die Schülerinnen und Schüler aus der sechsten bis achten Klasse sind dafür vom Unterricht befreit, eine willkommene Abwechslung, um die sich alle reißen, wie Frau Käthe erzählt.

Doch zuerst nimmt mich Inci Askar zur Seite, denn sie hat bald frei und möchte noch schildern, wie der Tag in der Küche startet. Bereits um 6 Uhr macht sie Kaffee, setzt Hefeteig für Börek an und richtet Schälchen mit Joghurt mit Haferflocken und Honig an. Verziert wird das Ganze noch mit Kuchenkrümeln, die bei den von Inci gebackenen Kuchen anfallen – weggeworfen wird nichts! Dann belegt Inci Brötchen mit Wurst, Käse und Salat. Heute sind zwei Sorten Börek gebacken worden. Eine Sorte, wie man sie als Lahmacun kennt, die andere mit der Currysoße vom Vortag. All diese Speisen wandern tagtäglich in den Kiosk und können dort von den Schülern schon als Frühstück erworben werden.

Im Laufe des Vormittags treffen die Kinder und Jugendlichen ein, die Küchendienst haben. Jeder bettelt, dass er in die Küche darf, erzählen Dima und Samira lachend. Heute hatten sie das Glück. Während die Schülerinnen gleich schon wieder wegmüssen, sind Miran, Delano und Oleksander damit beschäftigt, die Wedges zu würzen und Salat zuzubereiten. Oleksander schiebt die großen Bleche mit den gewürzten Kartoffelspalten in den Ofen.

Zwischendurch ist Zeit, ein paar Sätze zu wechseln. Miran berichtet, er habe gelernt, wie man richtig spült und abtrocknet und wie Essen ausgegeben wird. Delano wirft ein, sie könnten auch Tische ordentlich abputzen. Natürlich sei das auch schon zu Hause positiv aufgefallen. Oleksander ergänzt, neben Kochen, Aufräumen und Essensausgabe habe er Disziplin gelernt. Das sei auch für die Zukunft wichtig.

„Frau Käthe“, wie die Köchin von allen genannt wird, arbeitet seit acht Jahren in der Schulküche. Jeder Tag mit den Kindern und Jugendlichen sei für sie eine tolle Erfahrung, erzählt sie. Immer etwas anderes kochen mit immer anderen Kindern, mache großen Spaß. „Hier in der Küche verhalten sich die Kinder und Jugendlichen anders. Sie funktionieren super im Team und wissen, was wichtig ist“.
Genau in diesem Moment fällt Miran ein, dass im Zaziki noch die Zitrone fehlt. Er holt ein paar und presst sie in die Soße. Zuerst sei er skeptisch gewesen, was es in einer Schulmensa so zu essen geben würde, berichtet der Sechstklässler. „Ich dachte, es gäb zum Beispiel jeden Montag das Gleiche“, so Miran. Aber nein, sie sorgen für Abwechslung, auch wenn Dauerbrenner immer wieder auf den Tisch kommen. Dauerbrenner sind zum Beispiel Kartoffelauflauf mit leckerer Käsesoße, Reis mit Currysoße und Nudeln mit Tomaten-Sahne-Soße, gerne auch überbacken. Fleisch kommt einmal die Woche auf den Tisch.

Während die Wedges im großen Ofen backen, habe ich Zeit, Lothar Grodde im direkt angrenzenden Büro des Vereins „Jugendliche powern ohne Gewalt e. V.“ zu besuchen.
Der Verein ist eine große Besonderheit, denn er ist nicht einfach der Förderverein der Schule, sondern ein eigener Verein der Jugendhilfe. 1994 wurde er gegründet, damals um die Jungs des Ostviertels von der Straße zu holen und ihnen sinnvolle Beschäftigungsalternativen anzubieten. In diesem Zuge wurde eine Schulfirma ins Leben gerufen, die Jugendlichen zu kleinen Nebenjobs verhilft. Das Projekt „Schüler kochen für Schüler“ ist eins der zahlreichen Projekte, die entstanden sind. Auch hier können sich die Kinder und Jugendlichen etwas dazuverdienen. Natürlich nicht, wenn sie während der Unterrichtszeit in der Küche helfen, doch die Arbeit in den Pausen – also in der Freizeit – wird mit fünf Euro die Stunde als Taschengeldaufstockung entlohnt.
Lothar Grodde war Lehrer an der Schule und ist auch nach der Pensionierung dem Verein treu geblieben. Sieben Menschen engagieren sich hier. Vor allem geht es um Organisation, zum Beispiel wenn die Schülerfirma für ein Catering gebucht wird. Zum Job gehört es auch, Spendengelder einzuwerben, die dann dazu dienen, die Essen zu subventionieren. Kinder, die das Essen nicht vom Jobcenter oder der Stadt finanziert bekommen, sollen nur zwei Euro je Mahlzeit bezahlen – die restlichen 1,50 Euro pro Kind übernimmt der Verein.
Während wir uns unterhalten ist das Essen auf die Minute genau fertig geworden. Natürlich kann ich mir das nicht entgehen lassen. Oleksander macht mir einen Teller mit Wedges, Zaziki und einem lecker-saftigen gemischten Kraut-Möhren-Salat. Dazu verputze ich noch ein kleines Börek mit Currysoße überbacken, das mir Inci vorhin schon zugesteckt hat – köstlich!
In der Mensa ist heute nicht ganz so viel los, es ist Ramadan. Da 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler Muslime sind, kommen nicht so viele wie sonst zum Essen. Dafür werde ich für den kommenden Abend noch zum Fastenbrechen eingeladen, das einmal im Jahr zusammen an der Schule gefeiert wird. Nach dem Essen räumt Achmet, der in der Pause mit Oleksander zusammen den Dienst übernommen hat, noch den Speisesaal auf, wischt die Tische ab und stellt die Stühle hoch. Für heute ist der Küchendienst beendet.

Wer das Projekt unterstützen möchte, findet rechts das Spendenkonto und einen Hinweis zu einem Benefizevent des Lions Club Aachen Dreiländereck.
Den Verein „Jugendliche powern ohne Gewalt e. V.“ unterstützen
Spendenkonto:
Jugendliche powern ohne Gewalt e. V.
DE 41 3905 0000 0046 0246 00
Benefizveranstaltung des Lions Club Aachen Dreiländereck für „Schüler kochen für Schüler“:
Am Sonntag, dem 19. April 2026, gibt es ab 17:00 Uhr einen unterhaltsamen Abend im Art Hotel Superior mit dem Kabarettisten Jürgen Becker unter dem Motto „Die Ursache liegt in der Zukunft“. Das Fingerfood wird von Mitgliedern des Lions Club und Schülerinnen und Schülern der Schulküche zusammen erstellt und ist im Eintrittspreis inbegriffen. Die Überschüsse des Abends gehen an das Projekt der GHS Aretzstraße.
Der Eintritt kostet 39 Euro je Person.
Anmeldung über ulrich_kuesters@outlook.com
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