Als Wohlfühlort für Jung und Alt begrüßt der Euregiozoo jedes Jahr knapp 400.000 Besucher, welche die Nähe zur Natur suchen. Hier haben insbesondere Familien und stressgeplagte Stadtmenschen die Gelegenheit, mit Tieren aus der ganzen Welt in Berührung zu kommen und einen Ort der Erholung vorzufinden. Angesichts des 50-jährigen Jubiläums des Aachener Tierparks blicken wir zurück auf die Geschichte des Zoos und den Wandel, den zoologische Gärten über die Jahre durchlaufen haben.
Die Zoogeschichte Aachens begann im Jahr 802, als Karl der Große den weißen Elefanten des Kalifen von Bagdad geschenkt bekam. Das wertvolle Tier mit dem Namen Abul Abaz sollte das Interesse an einem politischen Bündnis zum Ausdruck bringen und die Gunst des Kaisers sichern. Weitere Geschenke folgten aus Kairo, darunter Löwen, Bären und Kamele. So entstand in Aachen ein erster kaiserlicher Zoo. Erst 1000 Jahre später, etwa um 1880 kam es laut Überlieferung zu einem zweiten Versuch, einen Zoo einzuführen. Fabrikant Lochner errichtete im heutigen Westpark den ersten „Zoologischen Garten Aachen“, der jedoch rund 20 Jahre später wieder schloss, da Futter- und Pflegekosten unterschätzt wurden und der Zoo sich wirtschaftlich nicht rechnete. Der nächste Versuch im Westpark einen Tierpark zu etablieren scheiterte 1944 nach 10 Jahren. Bei einem Bombenangriff kamen die meisten Tiere ums Leben.
Am 22. Oktober 1966 eröffnete der heutige Tierpark in Aachen unter der Geschäftsführung von Hans Limberg. Statt Elefanten und Löwen fanden diesmal vor allem heimische Tiere wie Ziegen, Schafe, Damhirsche sowie verschiedene Vogelarten hier ein Zuhause. Das Personal: ein Tierpfleger und ein Rentner an der Kasse. Tierparks und Zoos verfolgten zu dieser Zeit neben der Unterhaltung der Besucher insbesondere pädagogische Ziele. Durch den Besuch sollte die Jugend Kenntnisse der heimischen Tier- und Pflanzenkunde gewinnen und sich in den Naturwissenschaften weiterbilden. Dabei standen Bildungsauftrag und Wirtschaftlichkeit jedoch oftmals über dem Tierwohl, weshalb viele Gehege aus heutiger Sicht viel zu klein und weit vom natürlichen Lebensraum entfernt waren.
Heutzutage sieht dies ganz anders aus, die artgerechte Unterbringung und Ernährung der Tiere hat hohe Priorität. Folglich werden die Gehege großzügig und durch Pflanzen und Wasserquellen möglichst naturnah gestaltet, sodass sowohl die Tiere an sich, als auch ihr Lebensraum gezeigt werden können. Dies wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Zoobewohner aus, was man am Freigehege der Kapuzineraffen im Euregiozoo deutlich sehen kann. „Die Tiere springen und toben den ganzen Tag“, berichtet der heutige Zoodirektor Wolfram Graf-Rudolf, der den Tierpark 2000 von Franz Stettner übernahm. „Daher kommt es auch nicht zu Verhaltensauffälligkeiten und Stereotypen.“ Außerdem ist Graf-Rudolf wichtig, einen direkten Kontakt zwischen Tier und Besucher zu ermöglichen. So z. B. mit der begehbaren Kranich- und Storchanlage und der Sittichvoliere. „Dennoch baut man die Anlagen natürlich in erster Linie für die Tiere, nicht für das Entertainment der Besucher“, erklärt Graf-Rudolf. „Die Tiere haben hier ihren Lebensraum. Wir dürfen lediglich für einen Moment an ihrem Leben teilhaben.“
Darüber hinaus setzen zoologische Gärten zunehmend auf Familienfreundlichkeit, engagieren sich in sozialen Projekten und kooperieren mit Jugendeinrichtungen oder Institutionen für kranke Menschen. Ein Beispiel ist hier neben Zooschule, Kinderbauernhof und dem therapeutischen Reiten die „Traumnacht“ des Aachener Tierparks. An diesem Tag sind schwer kranke Kinder sowie Kinder mit Behinderung die VIPs des Euregiozoos. Ziel ist es, sowohl den Kindern als auch ihren Familien einen schönen, unbeschwerten Abend zu schenken.
Eine weitere wichtige Rolle spielen heute zudem der Artenschutz und die Erhaltung und Zucht von bedrohten Tierarten. Daher arbeiten viele Zoos zusammen, beispielsweise in sogenannten EEP, den Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen des Zooverbands EAZA. Die Teilnahme erfolgt unter strengen Auflagen in Bezug auf die wissenschaftliche Führung sowie die Größe und Gestaltung der Gehege. Durch den Zusammenschluss kann die Zucht von Tieren mit möglichst unterschiedlichen Genpools über Deutschland hinaus koordiniert werden. Auch der Aachener Tierpark beteiligt sich an Programmen zur Arterhaltung im In- und Ausland und fungiert als Wildauffangstation für Aachen und die StädteRegion. Anstelle der aktiven Zucht setzt der Tierpark vor allem auf Junggesellengruppen, aus denen bei Bedarf Tiere zur Auffrischung von Zuchtgruppen herausgenommen werden. „Wirtschaftlich bringen Jungtiere natürlich viel Geld ein“, weiß Graf-Rudolf. „Wir züchten jedoch kaum noch. Nur dann, wenn auch wirklich ein Bedarf an Nachwuchs besteht.“ Darin sieht er als verantwortlicher Tiergärtner seine Pflicht. Besondere Herzensangelegenheit des Tierparks ist in Sachen Arterhaltung der Schutz der Brillenpinguine. Dabei erfolgt die Hilfe nicht nur im Zoo, sondern auch vor Ort durch die Unterstützung des Projekts „Burgher‘s Walk“. An der Küste Südafrikas wird mit Schrecken ein Rückgang der Brutpaare beobachtet. Zur Erhaltung der Artenvielfalt ist es daher dringend notwendig, den natürlichen Lebensraum des Brillenpinguins wiederherzustellen und Aufklärungsarbeit bei der einheimischen Bevölkerung zu leisten.
Passend zum Jubiläum ist die Geschichte des Euregiozoos in der Broschüre „50 Jahre Aachener Tierpark“ des Journalisten Manfred Kutsch anschaulich in Text und Bild dargestellt. Die Broschüre gibt es für 3 Euro an der Kasse des Tierparks sowie im Buchhandel.
Foto: Das Elefantenhaus und Kamele im zoologischen Garten am heutigen Westpark (1892)
Stadtarchiv Aachen / Aufnahme: August Classens

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