5 Fragen an Ralf Klohr (Begründer der FairPlayLiga)

in Aktuelles um die Ecke, Sport

Vor rund zwei Wochen fotografierte Daniela Jansen am Rande eines F-Jugendspiels in Aachen ein Schild, das fußballverrückte Eltern in ihre Schranken weisen sollte. Auf Facebook wurde das Bild über 400 Mal geteilt und tausende Male geliked. Und das nicht zum ersten Mal, auch andere Vereine finden es notwendig, auf diese Regeln zu verweisen. Kein neues Phänomen. Bereits 2005 setzte sich Ralf Klohr, damals Trainer und Jugendleiter in Herzogenrath, nach einer Schlägerei unter Eltern mit der Thematik auseinander und gründetet die FairPlayLiga. Diese soll 2017 auf Wunsch des DFB bei allen Vereinen im Kinderfußball eingeführt werden. Was ist da los am Spielfeldrand? Ralf Klohr steht Rede und Antwort.

1) Herr Klohr, am Rande eines F-Jugendspiels in Aachen wurde ein Schild fotografiert, das im Netz schon ein paar Mal die Runde machte. Das Foto hat viel Aufsehen erregt. Warum fühlen sich so viele Eltern, die Kinder im Verein haben, durch diesen Spruch angesprochen? Was ist los am Spielfeldrand?



Ralf Klohr: Die Frage ist eher, wie fühlen sich die Eltern angesprochen? Zunächst ist es sehr besorgniserregend, dass solche Hinweise in dieser Art überhaupt nötig sind. Leider ist es in unserer aufgeklärten Gesellschaft immer noch so, dass viele Erwachsene nicht in der Lage sind, das Kinderfußballspiel/den sportlichen Wettkampf von Kindern auch kindgerecht zu gestalten. Viele Erwachsene projezieren immer noch ihr eigenes Erfolgsdenken in den Kindersport und schaden so der Entwicklung der Kinder und dem Sport im allgemeinen.

 Andererseits ist es auch so, dass sich viele Eltern kritisch angespochen fühlen bzw. sich durch solche Hinweise auch aufgefordert fühlen, andere Eltern auf kindgerechtes Verhalten aufmerksam zu machen.

2) Sie haben im Jahr 2005 die FairPlayLiga gegründet, nachdem Sie gelesen haben, dass ein Kinderfußballspiel abgebrochen wurde, weil sich Eltern geprügelt haben. Auch bei Ihrer Mannschaft in Herzogenrath, wo Sie als Trainer, Betreuer und Jugendleiter gearbeitet haben, ist Ihnen eine negative Entwicklung aufgefallen. Hat sich das Verhalten und der Ehrgeiz der Eltern wirklich in den letzten Jahren verändert?



Ralf Klohr: Das negative Verhalten hat sich nicht verändert, es hat sich entwickelt. Seit Anfang der 1990iger Jahre hat sich auch der Kinderfußball rasant entwickelt. In meiner Zeit konnte man als Kind noch gar nicht vereinsmäßig Fußball spielen, heute kommen die Kinder schon mit 3 Jahren zum Vereinssport. Da aber viele Eltern vergessen haben, wie Kinder denken und fühlen ist es fast schon logisch, dass sie wollen, dass ihr Kind gewinnt. Wenn das nicht wie gewünscht funktioniert, kommt es dann zu den negativen Emotionen, die die FairPlayLiga nötig machten. Seit Einführung der FairPlayLiga hat sich das Verhalten positiv entwickelt, was unsere Idee bestätigt. Für das geänderte Verhalten sorgen die drei Regeln der FairPlayLiga, die den negativen Ehrgeiz ganz automatisch eindämmen. Natürlich merkt man vielen Erwachsenen ihren Unmut, dass sie nicht direkt ins Spiel eingreifen können, an. Das darf die Verantwortlichen im Kinderfußball aber nicht stören, denn im Zentrum der Gedanken steht einzig die Entwicklung der Kinder.

3) Was war der Grundgedanke der Fairplayliga und können sich die Eltern und Trainer auf diese Regeln einlassen?



Ralf Klohr: Wichtig war es, die Spielform FairPlayLiga mit ihren drei Regeln in den regelmäßigen Spielbetrieb des Kinderfußballs zu bekommen. So tat sich die elegante Möglichkeit auf, die Erwachsenen für guten und fairen Kindersport zu sensibilisieren. Da sich weder die Spielregeln, noch das Ziel des Spieles, nämlich Tore zu schießen um das Spiel zu gewinnen, verändert hat, ist diese Herangehensweise für kompetente Kindertrainer kein Problem.
1. Die Fans stehen ca. 15 Meter vom Spielfeld entfernt. Das schafft räumliche Distanz und ermöglicht den Eltern, ihre Kinder emotional loszulassen.
2. Die Kinder entscheiden selbst, es gibt keinen Schiedsrichter.
3. Die Kindertrainer stehen gemeinsam in einer Coachingzone und helfen den Kindern bei Problemen im Umgang mit den Regeln. Sie verstehen sich als Partner aller Kinder!

Haben die Trainer doch ein Problem damit, ist es die Aufgabe der Vereinsverantwortlichen, ihre Trainer zu sensibilisieren und zu schulen.

Elementar wichtig ist es, die Trennung zum bezahlten Profisport zu begreifen. Im Profisport ist es schwer möglich, eine glaubhafte Vorbildfunktion zu leben. Bei den Profis zählt der Erfolg und was der Schiedsrichter nicht sieht, ist erlaubt. Leider!

4) Was raten Sie Vereinen, die nicht in der FairPlayLiga teilnehmen bei Problemen am Spielfeldrand?



Ralf Klohr: Im deutschen Kinderfußball ist das Ziel des DFB, dass bis 2017 alle Kinderteams nach den Regeln der FairPlayLiga spielen, deshalb stellt sich die Frage in dieser Form nicht. Wenn aber Vereine Probleme mit der Umsetzung der FairPlayLiga haben, können sie sich bei ihrem Fußballkreis melden und dort Fehlverhalten offen reflektieren bzw. an der Verbesserung der Situation arbeiten. Auch hier zählt der einfache Fußballgedanke: Es geht nur als Team, es geht nur gemeinsam!

5) Haben Sie noch Spaß daran Profifußball zu verfolgen? Aus aktuellem Anlass: Die EM steht vor der Tür. Schauen Sie die Spiele und wenn ja wo? 



Ralf Klohr: Für mich ist ein Fußballspiel das Größte. Ich liebe das Spiel. Leider hat sich die Vorbildfunktion, das immer wieder ersehnte faire Spiel, nicht durchgesetzt. Heute regiert das Geld bzw. das Geschäft mit dem Erfolg den Fußball. Deshalb ist es für die Profispieler und deren Trainer kaum möglich ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden. Ich empfinde es sogar als unfair, wenn man Spieler bzw. die Trainer, die sich dem Geschäft beugen, immer wieder verurteilt. Die EM schaue ich mir natürlich mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden an und wünsche mir, dass der Bessere gewinnt!

Zur Person

ralf_klohrRalf Klohr

– 1962 in Neustadt/Weinstraße geboren
– spielt Fußball seit 1974
– 1998 angefangen beim SuS Herzogenrath als Betreuer, Trainer und Jugendleiter
– 2005 las Ralf Klohr einen Artikel über einen Spielabbruch wegen einer Elternschlägerei bei einem Kinderfußballspiel und beschloss, etwas zu ändern. Er entwickelte mit Unterstützung von Freund John Heckman die FairPlayLiga
– mit der fertigen Idee ging es zum Fußballkreis Aachen. 2007 startete ein Pilotprojekt mit 12 Vereinen
– seit September 2013: FairPlay-Beauftragter im Jugendausschuss des Fußballkreises Köln
– Einführung der FPL im KNVB (Niederländischer Fußballbund)
– der Schweizer Fußballbund hat ebenfalls die Regeln der FPL im Kinderfußballkonzept aufgenommen
– bis 2017 sollen alle Kinderteams im deutschen Kinderfußball nach den Regeln der FairPlayLiga spielen, so das Ziel des DFB
Auszeichnungen:
– 2010: DFB-Sonderpreis „Fair ist mehr“
– 2011: Meer dan voetbal (KNVB)
– 2012: Egidius-Braun-Preis
– 2013: Aufnahme in die Jugendordnung des DFB

www.fairplayliga.de
www.ralf-klohr.de

 

Foto Schild: Daniela Jansen / Aachen
Foto Ralf Klohr: privat

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